Döbelner verschieben Beschluss zu Karls Erlebnisdorf

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Der Stadtrat von Döbeln sollte am Donnerstag über Einwände zum Bebauungsplan entscheiden. Das wurde überraschend vertagt. Dem ging eine Kritik am Umgang mit dem Investor voraus. Doch viel spricht dafür, dass davon die Ansiedlung nicht aufgehalten wird.

Döbeln.

Was da am Donnerstagabend bei der mit Spannung erwarteten Stadtratssitzung in Döbeln von Oberbürgermeister Sven Liebhauser (CDU) verkündet wurde, hatte den Anschein einer Hiobsbotschaft, die den Zeitplan für die millionenschwere Großinvestition am Standort zu verzögern drohte.

Das Gremium sollte einen Beschluss treffen über die Einwände zum Bebauungsplan für das 17 Hektar große Areal nahe der Autobahn 14, auf dem Karls Erlebnisdorf entstehen soll. Das ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Baugenehmigung, vor der nur noch Satzungsbeschluss des Bebauungsplanes zu treffen ist.

Doch der für Donnerstag geplante Abwägungsbeschluss zum Bebauungsplanverfahren wurde laut OB Liebhauser vertagt. Er soll nun zusammen mit dem Satzungsbeschluss am 10. November behandelt werden. Grund für die überraschende Entscheidung: Erst am Mittwoch war der Stadt bekannt geworden, dass zwei Stellungnahmen zum Bebauungsplan über das Beteiligungsportal des Freistaats im Internet eingegangen waren. Das sei zwar fristgerecht geschehen, aber der Stadtverwaltung erst jetzt auf Nachfrage in der Staatskanzlei bekannt geworden.

Üblicherweise adressieren die Bürger ihre Einwände zu einem Bauprojekt ans Rathaus. Die beiden Stellungnahmen sollen nun in das Abwägungsprotokoll aufgenommen werden. Die Verzögerung im Verfahren hat nach Ansicht des OB aber keinen wesentlichen Einfluss auf den Zeitplan für Baugenehmigung und Baustart. Es werde erwartet, dass noch in diesem Jahr Baurecht für das Gelände im Ortsteil Gärtitz besteht, so dass im Frühjahr 2023 ein Baustart erfolgen könne.

Keinen Einfluss auf den Zeitplan dürfte auch ein offener Brief haben, der in den vergangenen Tagen in Döbeln kursierte und selbst bis nach Chemnitz versandt worden ist. Darin erheben drei Männer und eine Frau "in Vertretung für viele Bürger unserer Stadt" den Vorwurf, die Kommune habe dem Investor massive Steuergeldgeschenke beim Verkauf des Grundstücks gemacht und forderten einen Dialog darüber mit den Bürgern.

Doch die vermeintlichen Absender des Schreibens scheint es nicht zu geben. Im Einwohnermeldeamt sind drei der Namen nicht als Döbelner Bürger registriert, ein vierter Name taucht zwar dort auf. Doch auf Nachfrage des Döbelner OB erklärte der Mann, er habe nichts mit dem offenen Brief zu tun. Die darin aufgeführten Fakten seien falsch, so der OB. Nicht zutreffend sei zum Beispiel, dass das 168.970 Quadratmeter große Grundstück an Karls-Chef Robert Dahl unter Wert verkauft wurde. Die Briefeschreiber verglichen den vom Stadtrat abgesegneten Quadratmeterpreis von knapp 15 Euro mit anderen Gewerbeflächen in Döbeln, für die angeblich mehr als das Doppelte von der Stadt verlangt würden. Laut dem OB wurden für die zum Vergleich angeführten Gebiete Am Fuchsloch und Döbeln-Süd aber nur 16 Euro beziehungsweise 21 Euro pro Quadratmeter verlangt. Wobei es sich dort um erschlossene Gewerbeflächen handele,. Für Karls Erlebnisdorf sei hingegen unerschlossenes Land verkauft worden. "Die Behauptung, hier sei Geld verschenkt worden, ist schlichtweg falsch", so Liebhauser.

Infrage gestellt wurde in dem Brief eine weitere Entscheidung des Stadtrates, wonach dem Investor ein Nachlass auf den ursprünglichen Grundstückspreis von 15 auf 10 Euro (insgesamt 845.000 Euro) gewährt wurde. Zur Begründung waren damals Kosten für den Investor angeführt, die bei archäologischen Grabungen entstehen.

Robert Dahl hatte mit Ausgaben von 1,7 Millionen Euro für die archäologischen Grabungen gerechnet, und mit weiteren 1,5 Millionen für Baustelleneinrichtung und Baumaschinen. Laut Liebhauser waren diese Mehrkosten nicht vorher absehbar. Ansonsten hätte die Stadt den Grundstückspreis von vornherein reduziert. Doch erst bei Voruntersuchungen in diesem Jahr sei die Dimension der archäologischen Grabungen klar geworden. Mit dem Erlebnisdorf verbindet Liebhauser die "Chance, Döbeln im touristischen und wirtschaftlichen Bereich weiterzuentwickeln". "Karls bleibt hier herzlich willkommen."

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