Gesperrte Einkaufsstraße in Mittweida: Laufkundschaft fehlt

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Die Baustelle auf der Rochlitzer Straße sorgt für Kundenrückgang. Die Stadt verspricht nun, großflächig für die Einkaufsmeile zu werben.

Mittweida.

"Es ist ein Hürdenlauf, um bis zu Ihnen zu kommen!", das hört Manuela Pausch in ihrer Schneiderei, seitdem Bauarbeiten auf der Rochlitzer Straße begonnen haben, jetzt oft. Ihre Ladentür ist derzeit nur über eine schmale Zuwegung zu erreichen. Diese Übergänge helfen, sagt sie. Die Bauarbeiter seien bemüht, dass die Kunden in die Geschäfte gelangen können.

Die Kundschaft in ihrer Schneiderei sei trotzdem merklich geschrumpft. "Die Kunden wollen ranfahren, viele Leute trauen sich auch nicht, hier lang zu laufen, weil es steinig ist." Wer mit einem Rollator oder Rollstuhl unterwegs sei, scheue die Baustelle. "Ich hoffe, dass die Verantwortlichen sich ihrer Ziele bewusst sind und das Datum, das gesetzt worden ist, halten", sagt sie. Auch sie müsse Termine halten und könne keine Braut vertrösten, dass ihr Brautkleid erst nach der Hochzeit fertig werde. "Und wenn sie sich nicht daran halten, müssen sie den Leuten im Vorfeld reinen Wein einschenken." Das sei bisher auf der Strecke geblieben. "Man sagt nichts, aber auch wir haben Ahnung von Kalkulation", sagt sie. Sie vermisse Wertschätzung für die Arbeit anderer, sei es für die Selbstständigen wie sie oder die Lieferanten, die Pakete und Material nun über die Baustelle austragen.


"Was ist, wenn hier mal ein Brand ist?"

Auch ein anderer Punkt bewege sie: "Was ist, wenn hier mal ein Brand ist? Was ist, wenn hier einmal ein Rettungswagen benötigt wird?", spricht sie aus eigener Erfahrung. Als einmal kein Übergang stand, sei sie aus Leichtsinn in den Graben vor ihrem Eingang reingesprungen. Drei Arbeiter mussten ihr heraushelfen, "weil ich vor meinem Sims stand und nicht hochkam". Als Handwerksbetrieb brauche sie ihren Laden und könne nicht zu Hause arbeiten.

"Ob ich es noch miterlebe, dass die Baustelle fertig wird?", fragt Andre Siegmund. Schräg gegenüber von seinem Schlüsseldienst und Schuhservice kann er den Bau der Theaterstraße mitverfolgen. Der ziehe sich. "Da gehe ich davon aus, dass es hier nicht anders wird", sagt er trocken. Auch wenn sein Geschäft auf der Rochlitzer Straße zu erreichen ist, fehle die Laufkundschaft komplett. Nur wer unbedingt müsse, nutze derzeit die Straße, weswegen der Dönerimbiss nebenan schon die Öffnungszeiten einschränke. Auch die Autofahrer, die bei ihm kurz anhielten, können das nicht mehr, weil die Straße nun doch voll gesperrt wurde. Hat mit ihm jemand darüber vorab geredet? "Nee, ich hatte bloß mal einen Zettel drin", sagt er.


Citymanager befragt Händler

Wie geht es den Händlern auf der Rochlitzer Straße? Das wollte auch der Mittweidaer Stadtrat wissen und hatte dazu zuletzt Citymanager Frank Winkler zur Sitzung eingeladen. Künftig soll er dort regelmäßig informieren. "Sie sind geknickt", beschrieb er die aktuelle Stimmung unter den Händlern ungeschönt. "Aber nach bestem Wissen und Gewissen machen die Bauarbeiter jedes Geschäft zugänglich." Bis dato sei ihm nur ein Fall bekannt, bei dem Kunden ein Geschäft nicht erreichen konnten. Eine Buchhandlung sei bereits vor Baubeginn geschlossen worden, dafür habe ein Bestattungsinstitut eröffnet. Andere klagten zwar, sagte er, aber keiner der Betreiber habe angedeutet, dass es ihn in einem Jahr nicht mehr geben könnte. "Sie haben zwei Jahre Pandemie überstanden, jetzt überstehen sie auch das eine Jahr. Es wird hart, aber wir sind dran, jeden Wunsch zu erfüllen."

Zustimmung gab es von Oberbürgermeister Ralf Schreiber (CDU), der versprach, sofort zu reagieren. Ein Problem, das im Stadtrat zur Sprache kam, war, dass viele die Innenstadt weiträumig umfahren, wohl im Irrglauben, die Rochlitzer Straße sei komplett gesperrt. Abhilfe soll nun ein Bildschirm am Parkplatz am Alten Busbahnhof schaffen. "Der ist überdimensional groß", beschrieb Schreiber. Der Schirm könne nicht nur mit Baustelleninformationen bespielt werden, sondern auch von den Gewerbetreibenden. Die Einkaufsstraße soll damit großflächig beworben werden.

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