Bienvenidos an der VHS - und beim Mann, der eine Institution in Mittweida ist

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Seit 1988 gibt Karl-Heinz Seidel Spanisch-Kurse an der Volkshochschule in Mittweida. Dabei kam er eher notgedrungen zur Sprache.

Mittweida.

Karl-Heinz Seidel ist eine Institution in Mittweida. Wer in der Stadt außerhalb der Schule Spanisch lernen will, kommt an ihm kaum vorbei. Seit 1988 gibt er die Sprachkurse an der Volkshochschule an der Heinrich-Heine-Straße - durchgängig, wie er sagt. Schon zwei Mal hat er Kurse insgesamt acht Jahre lang begleitet. Bis er gesagt hat: Jetzt ist Schluss, jetzt wird es schwer, noch mehr Wissen zu vermitteln. Treffen mit den ehemaligen Kursteilnehmern gibt es zum Teil trotzdem noch. So bleibt er auch selber dran, an der spanischen Sprache.

Dabei hat er sie einst gar nicht auf eigenen Wunsch gelernt. Zu DDR-Zeiten hat er als Textildesigner beim VEB Wirkwarendruck Frankenberg gearbeitet und wurde dann beauftragt, Spanisch zu lernen, um der Forderung eines Textilunternehmens aus Nicaragua nachzukommen. 1986 wurde er für ein Jahr in das mittelamerikanische Land entsandt. Bei der Firma Fanatex in der Hauptstadt Managua bildete er junge Menschen in der Textilindustrie aus. Wieder zurück in Mittweida lernte er weiter an der Volkshochschule Spanisch. Bis er einen Brief von der Einrichtung erhielt - ob er nicht die Stelle der Kursleiter übernehmen wolle. Er wollte - und steht nun seit 1988 auf der anderen Seite der Klasse, vorn an der Tafel. "Solange ich das machen kann, mache ich das", sagt er, obwohl er längst in den Ruhestand gehen könnte. Aber bisher hat sich kein Nachfolger gefunden.

Zu den Teilnehmenden im aktuellen Kurs gehört auch Roswitha Metzig. Die 64-Jährige bereitet sich damit auf eine Lateinamerika-Rundreise vor. Im September geht es für drei Wochen durch Ecuador, Peru, Bolivien, Chile, Argentinien und Brasilien. "Mit Englisch kommt man da ja nicht so weit", sagt sie, deshalb möchte sie wenigstens ein paar wichtige Worte lernen. Auch nach der Reise will die Mittweidaerin weiter Spanisch lernen, sagt sie.

In Zeiten von kostenlosen Sprachlern-Apps oder Youtube-Kanälen haben es Sprachkurse nicht leicht. Aber es gibt etwas, das kein Online-Kurs vermitteln kann: den direkten gemeinsamen Austausch, das Miteinander-Lernen und Spaß haben, erklärt Julia Pikos, Verantwortliche für die Öffentlichkeitsarbeit der VHS. Das wird auch im Gespräch mit Karl-Heinz Seidel und Kursteilnehmerin Roswitha Metzig deutlich: Im Unterricht werde niemand zurückgelassen. Die Teilnehmer waren zuletzt zwischen zwölf und etwa 70 Jahren alt. Und es sei nicht langweilig, es werde auch mal ein Spaß gemacht, versichert Karl-Heinz Seidel. 

Das Programm der VHS

Auf dem Programm der Volkshochschule in Mittweida stehen in diesem Jahr neben Spanisch für die Reise und Spanisch für Anfänger auch Arabisch, Brasilianisch, Italienisch oder Russisch für Anfänger.

Außer den Sprachen bietet die VHS auch Kurse im Bereich Gesundheit, Kunst und Kultur sowie Gesellschaft an. Im Kursprogramm finden sich Pilates, Schneidern, neu Klöppeln, Kalligrafie und Handlettering sowie Orientalischer Tanz.

Zum aktuellen Veranstaltungs- und Kursprogramm geht es hier: vhs-mittelsachsen.de

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