Riesige Spendenwelle für Notre-Dame

Rund um Ostern waren eigentlich zahlreiche Messen in Notre-Dame geplant. Doch das ist in der schwer beschädigten Kathedrale nicht mehr möglich. Die Pariser müssen ausweichen - doch die Brandkatastrophe bleibt allgegenwärtig.

Paris (dpa) - Nach dem verheerenden Brand in der Kathedrale Notre-Dame hat der Pariser Erzbischof Michel Aupetit den Menschen Mut zugesprochen. Gläubige feierten am Mittwochabend in der zweitgrößten Pariser Kirche Saint-Sulpice eine Messe vor Ostern.

Die sogenannte Chrisammesse sollte eigentlich in Notre-Dame stattfinden. Die Kathedrale sei zwar teilweise zusammengestürzt, sagte Aupetit über die Brandkatastrophe. Er betonte jedoch mehrfach: «Wir werden unsere Kirche wieder aufbauen.» Auch Präsidentengattin Brigitte Macron und Innenminister Christophe Castaner waren gekommen.

Vor der Kirche im Stadtteil Saint-Germain-des-Prés versammelten sich Hunderte Menschen. Eine Großbildleinwand war aufgebaut. Auch vor anderen Kathedralen des Landes kamen zahlreiche Menschen am Abend zusammen und hielten inne. Landesweit läuteten um Punkt 18.50 Uhr in ganz Frankreich die Kirchenglocken - um diesen Zeitpunkt wurde der Brand in dem weltberühmten Wahrzeichen am Montagabend entdeckt. Die französische Bischofskonferenz hatte die Kathedralen im Land dazu aufgerufen. Die Glocken erklangen etwa in der Pariser Kirche Sacré-Cœur im Touristenviertel Montmartre, der Kathedrale St. André in Bordeaux und im Straßburger Münster.

Frankreich will nach der Katastrophe einen internationalen Architekturwettbewerb für den Wiederaufbau des kleinen Vierungsturms in der Mitte des Daches von Notre-Dame ausrufen. Dieser Spitzturm war bei dem verheerenden Brand zusammengestürzt. Premierminister Édouard Philippe sagte nach einer Regierungssitzung, der neue Turm müsse den «Herausforderungen unserer Zeit» standhalten.

Insgesamt wird der Wiederaufbau der weltberühmten, schwer beschädigten Pariser Kathedrale Notre-Dame von einer riesigen Spendenwelle im Milliarden-Bereich getragen. Nach Angaben von Stéphane Bern, der im Auftrag von Staatspräsident Emmanuel Macron für die Renovierung historischer Baudenkmäler in Frankreich zuständig ist, waren schon bis Mittwochmorgen fast 900 Millionen zur Verfügung gestellt worden. Bern sagte dem Sender RMC: «Die ganze Welt ist an unserer Seite.»

Premierminister Philippe kündigte am Mittwoch ein neues Gesetz an, das Transparenz im Umgang mit den Spenden sicherstellen soll. «Jeder Euro, der für den Wiederaufbau von Notre-Dame eingezahlt wird, wird dafür eingesetzt - und für nichts anderes.» Eine entsprechende Vorlage soll es in der kommenden Woche geben. Milliardärsfamilien und Firmen hatten Hunderte Millionen Spenden zugesagt.

Kurz nach dem Ausbruch des Feuers hatte Präsident Macron schon versprochen, das jahrhundertealte Bauwerk wieder aufzubauen. In einer Fernsehansprache am Dienstag kündigte er dann an, dass dies binnen fünf Jahren passieren sollte.

Das Pariser Rathaus plant an diesem Donnerstag eine Veranstaltung zu Ehren der Kathedrale. Dabei sollen auch Menschen gewürdigt werden, die an der Rettung von Notre-Dame Anteil hatten.

Derweil war die Ursache der Katastrophe in dem rund 850 Jahre alten Kirchenbau auch am Mittwoch noch ungeklärt. Die Pariser Staatsanwaltschaft ging davon aus, dass der Brand auf einem Unfall beruht und nicht auf einer «vorsätzlichen Tat». Daher würden Zeugen befragt, darunter Arbeiter, die vor dem Feuer an Renovierungsarbeiten beteiligt waren.

Notre-Dame gehört zu den Top-Touristenattraktionen der französischen Hauptstadt, sie wird jährlich von Millionen Menschen besucht. Die Kathedrale steht mitten in der Stadt auf der Seine-Insel Île de la Cité. Sie zählt seit 1991 zum Weltkulturerbe der Unesco. Ihre Geschichte reicht bis ins Jahr 1163 zurück, als der Bau unter Bischof Maurice de Sully begann. Mit seinem 1831 erschienenen Roman «Der Glöckner von Notre-Dame» verewigte Victor Hugo die Kathedrale in der Weltliteratur.

Bewertung des Artikels: Ø 3.5 Sterne bei 4 Bewertungen
8Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.

  • 4
    4
    Distelblüte
    18.04.2019

    @SimpleMan: Der FAZ-Artikel ist absolut lesenswert und trifft es auf den Punkt.
    Gegen die AfD Solingen ermittelt inzwischen der Staatsschutz und die betreffende Facebook Seite ist abgeschaltet.

  • 4
    4
    SimpleMan
    18.04.2019

    Die AfD Solingen wollte aber nicht abwarten und hat widerwärtig spekuliert. Am Tag des Brandes hat man um 19:49 Uhr einen entsprechenden Eintrag bei Facebook gemacht. https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/brand-von-notre-dame-afd-verdaechtigt-muslime-der-brandstiftung-16146181.html Der Autor der FAZ schreibt dann noch dazu: "Über den Klimawandel, die Flüchtlingspolitik, die Staatsquote, die Energieversorgung und dergleichen lässt sich diskutieren. Über Hetze, deren Voraussetzung Dummheit ist, aber nicht." Dem ist nichts hinzufügen.

  • 11
    4
    Lesemuffel
    16.04.2019

    Es gibt Sachen, die glaubt man nicht. Da beschwert sich doch der MP von NRW tatsächlich darüber, dass das ZDF den Tierfilm nicht abgesetzt hat, Stattdessen ein Sondersendung zum Grossbrand hätten bringen sollen. Für die Gaffer? Wer das Drama den ganzen Abend begaffen will, kann doch auf andere Kanäle zappen. Unter den Gaffern, die Unfälle auf der BAB Filmen, sich am Leid der anderen zu Hause ergötzen und das Ding " ins Netz" stellen, vermutete ich bisher einfach gestrickte Menschen. Dass ein hoher Politiker sich für Gaffer-Fernsehen stark macht, gehört mittlerweile auch zu den verquerten Sonderbarkeiten in diesem Land. Der Hit: Eine Zeitgenossen nutzte das dramatische Ereignis für einen Hieb gegen die AfD. Dafür scheint jedes Mittel recht zu sein.

  • 9
    7
    Malleo
    16.04.2019

    franzudo..
    Den hingeworfenen Knochen hat black.. aufgenommen.
    Warten wir mal das Ergebnis der Untersuchungen ab, bevor hier wieder wild spekuliert wird.

  • 14
    2
    DTRFC2005
    16.04.2019

    @Blackadder: Es ist echt unverständlich, warum man den Brand in bestimmten Bereichen der Sozialen Netzwerke bereits wieder politisch instrumentalisiert. Ich habe das Gefühl, die Aluhüte auf einigen Köpfen, kann man nicht mehr entfernen. Kann man nicht einmal einen Fakt nehmen, sein Bedauern ausdrücken und fertig? Mein erster Gedanke galt diesem wundervollen Bauwerk und der zweite das Wort Esmeralda. Ich hoffe sehr, das der Dom wieder hergestellt werden kann.

  • 9
    13
    Blackadder
    16.04.2019

    @franzudo: Was soll Ihr Kommentar? Die Polizei Paris selbst spricht im ersten Statement von "Unachtsamkeit", dass also der Brand ein Unfall war, ist ja wohl sehr wahrscheinlich, wäre ja nicht das erste mal?!

    Dass natürlich besonders von den "Terrorklatschern" der AfD in den sozialen Netzwerken ein terroristischer Hintergrund unterstellt wird, lässt sich derzeit durch nichts belegen und ist reine Hetze.

  • 4
    12
    franzudo2013
    16.04.2019

    Das macht mich jetzt stutzig, wenn blackadder hier argumentative Absperrungen aufbaut.
    Unachtsamkeit trifft es aber in jeder Beziehung.

  • 10
    11
    Blackadder
    16.04.2019

    Unfassbar. Aber wie oft ist es schon vorgekommen, dass bei Bauarbeiten Brände ausbrechen, meist durch Unachtsamkeit. ich denke nur an den Lokschuppen im Verkehrsmuseum Nürnberg oder das Motorradmuseum Birmingham.



Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
Mehr erfahren Sie hier...