Das Spaghetti-Rätsel

Warum man eine Nudel erst würgen muss, bevor man sie auseinanderbricht

In einem kleinen Spaghetto wohnt ein großes Problem. Die schlankeste unter Italiens Pastaformen, rund einen Millimeter dick und etwa 25 Zentimeter lang, lässt sich zwar leicht zerbrechen, wenn man ihre beiden Enden zwischen die Finger nimmt. Aber in exakt zwei Teile - das funktioniert so einfach nicht.

Selbst ein Physiker wie Richard Feynman (1918-1988) ist daran gescheitert, das Phänomen zu erklären, dass die lange, ungekochte Nudel beim Bruch stets in mehrere Teile zerfällt. Eine Nacht lang hat der spätere Nobelpreisträger als junger Kerl mit einem Spaghetto nach dem anderen herumexperimentiert, um das Rätsel der unhalbierbaren Pasta zu lösen. Das einzig sinnvoll verwertbare Ergebnis: Nudelsalat.

Der Spaghetto ist in der Mehrzahl als Spaghetti - zu deutsch: Schnürchen - bei Kindern sehr beliebt. Werkstoffforscher sehen in dem trockenen Ding eine elastische Stange aus 100 Prozent Hartweizengrieß, die man biegen kann. Diese Perspektive brachte 2005 Forscher aus Frankreich zur Antwort auf die bis dato ungelöste Nudelsalatfrage.

Des Pudels Kern: Er liegt in der Elastizität des Materials. Bricht der Spaghetto, so ungefähr in der Mitte, steckt noch derart viel Schwungkraft in den beiden Teilen, dass beim Nachschwingen durch die Biegewellen weitere Bruchstellen entstehen. Knack, krach, bing und brösel: Damit haben wir den Salat.

Das eine Spaghetti-Rätsel war also gelöst. Das andere brauchte bis heute, um geknackt zu werden. Wie man den Mehrfachbruch verhindern kann, haben jetzt Wissenschaftler vom Massachusetts-Technologieinstitut in Cambridge (USA) herausgefunden: Man verdreht den Spaghetto in sich, fast um 360 Grad - biegt erst dann die Enden aufeinander zu. Nach dem ersten Bruch benötigt die verdrillte Nudel so viel Energie, wieder gerade zu werden, dass der Pasta für weitere Brüche quasi die Puste ausgegangen ist.

Der Ig-Nobelpreis, eine satirische Auszeichnung, wurde an die französischen Spaghetti-Forscher bereits verliehen. Letztes Jahr ging er an einen Strömungsmechaniker, der sich fragte, ob eine Katze sowohl ein Festkörper als auch eine Flüssigkeit sein kann. Die Elastizität des Tieres spricht dafür. Ulrich Hammerschmidt

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