Der Montagsblues

Was gegen Einsamkeit hilft

Schon wieder Montag. Wurde ja auch Zeit. Endlich, da sind sie wieder: die netten Kollegen, die lieben Vorgesetzten und der supernette Chef. Der einen nicht in Ruhe lässt. E-Mails schreibt, in den Hörer brüllt, den Kopf zur Tür reinsteckt alle Nase lang, anliegt wie der böhmische Nebel. Und einem damit das schöne Gefühl gibt: Ich bin nicht einsam.

Das Alleinsein kann nämlich zermürbend sein, besonders an einem Wochenende, mit einem mürben Keks auf der Couch, der Fernbedienung in der Hand und aus dem Smartphone - Bling, Bling, Bling - die Serienabsage der Whatsapp-Gruppe: Nein, kann nicht - Sorry, bin auf Malle - Habe Rücken - Die Kinder, seufz - Vielleicht in 14 Tagen - Bitte um Verständnis, thx! - Schatz, es ist einfach supi mit den Mädels auf der Reeperbahn. Na toll.

Frau nicht da, Freunde weg: Da kann man schon mal auf dumme Gedanken kommen. Fehlt einem was, kann man heute ja fast alles mieten: Autos, Babysitter, Sex und so weiter. Aber der Gedanke an Risiken und Nebenwirkungen lässt einen die Anzeige unter der Rubrik "Diskrete Treffen" gleich wieder zur Seite legen. Irgendwie fehlt einem die Lust bei all dem Mitleid, das man für sich selbst empfindet. Wenn schon Kontakt, müsste es etwas möglichst Unverbindliches sein. Harmlos halt.

Gibt es nicht - das gibt es nicht vor allem in Japan und in den USA. Frei nach dem Motto "Rent a Friend" vermieten dort Agenturen Freunde. Fürs einsame Wochenende. Für Geburtstagsfeiern und Partys jeglicher Art. Ein Bräutigam in Tokio orderte Hochzeitsgäste gar im Familienpack, weil die Verwandtschaft seiner Angetrauten ihn nicht leiden konnte und seiner Einladung nicht folgte.

Natürlich kann es passieren, dass der eine oder andere Mietfreund zur Immobilie wird, die man nicht wieder los wird. Dafür hat nun wiederum ein deutscher Onlineservice die passende Dienstleistung im Angebot: einen Profi für Trennungen. Wie der Privat-Terminator dem ungewollten Partner gegenüber auftritt, bestimmt der Kunde. Zwischen "erklärend und einfühlsam", "Trost spendend" und "kurz und bündig" kann man wählen. Ab 19,90 Euro. Am billigsten ist der Schlussmacher am Telefon. Einsamkeit muss nicht teuer sein. Ulrich Hammerschmidt

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