Die Lerchentragödie

Warum trotz Shakespeare ein unscheinbarer Vogel langsam verschwindet

Über Publicity kann sich die Feldlerche eigentlich nicht beklagen. Im Sommer musste der britische Megastar Ed Sheeran ein Konzert auf dem Flughafen Essen/Mülheim absagen, weil dort im Gras auch geschätzt acht bis neun Feldlerchen-Paare brüteten. Ja, und der Poesie-Heroe William Shakespeare setzte ihr schon vor über 400 Jahren ein literarisches Denkmal: "Es war die Nachtigall und nicht die Lerche", hauchte die Julia ihrem Liebsten in der Tragödie "Romeo und Julia" entgegen. Romeo hingegen war der Meinung: Die Lerche war's, die Tagverkünderin.

Ob es nun Tag oder Nacht für Verliebte ist, kann der Feldlerche von heute ziemlich schnuppe sein. Sie hat existenzielle Sorgen. Der Lebensraum der unscheinbaren Tagverkünderin ist bedroht. Daher wurde der frühere "Allerweltsvogel" jetzt zum zweiten Mal nach 1998 zum "Vogel des Jahres" gewählt, wie der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) und der Landesbund für Vogelschutz (LBV/Bayern) am Freitag bekanntgaben. Der alarmierende Rückgang habe sich auch nach der Wahl vor 20 Jahren weiter fortgesetzt. Ein Titel schützt eben nicht vor dem Aussterben.

Wegen der intensiven Landwirtschaft, Pestiziden und zu wenig Brachflächen fehlten den Vögeln laut Nabu schlichtweg Lebensräume und Nahrung. In Sachsen begann der Rückgang der Feldlerche bereits im 19. Jahrhundert mit der Aufgabe der klassischen Dreifelderwirtschaft. Vor rund zehn Jahren wurden in Sachsen bis zu 160.000 Brutpaare erfasst - etwa 40 Prozent weniger als 1995. Am häufigsten trifft man sie noch in der Elbaue bei Torgau, im mittelsächsischen Lößhügelland bei Döbeln und im Osterzgebirge bei Fürstenau. Der aktuelle Bestand der Feldlerchen in Deutschland wird auf bis zu zwei Millionen Brutpaare geschätzt, ein Drittel weniger als noch vor 25 Jahren. Seit 2007 steht die Feldlerche auf der Roten Liste bedrohter Vögel.

Feldlerchen singen meist im Flug in lichten Höhen. Ihr tirilierender Gesang war typisch für die Agrarlandschaft in Mitteleuropa. Heute gilt: Immer seltener war's die Feldlerche am Himmel.

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