Goldig

Warum dieses Foto eine neue Säugetierart in Sachsen zeigt

Er ist ein Bulgare. Ein Immigrant. Einer, der das Wandern liebt. Neugierig ist er: der Goldschakal. Ein Langstreckenläufer. Vom heimischen Balkan aus haben sich seine Vorfahren in den letzten Jahren immer häufiger auf den Weg in den Norden und Westen Europas gemacht. Dorthin, wo die Winter auch nicht mehr das sind, was sie mal waren. Hunderte Kilometer in wenigen Tagen - sie sind für ihn kein Problem.

Bei der Jagd auf Wühlmäuse, Käfer, Ratten und Vögel ist der Goldschakal eher gemächlich unterwegs. Trotzdem wurde er nun in Sachsen geblitzt: Am 30. März tappte das Tier auf dem Truppenübungsplatz Oberlausitz im Landkreis Görlitz in eine Fotofalle. Das gab am Freitag das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie bekannt. Von "Lupus" - dem Institut für Wolfsmonitoring und -forschung in Deutschland, das seinen Sitz bei Bautzen hat - wurde die nächtliche Erscheinung als Goldschakal identifiziert.

Viel kleiner als ein Wolf, mit dem er zwar verwandt - aber verfeindet ist, größer als ein Rotfuchs: Das ist der Canis aureus, der goldige Hund. Der in der Oberlausitz fotografierte Streuner ist der erste seiner Art, den man im Freistaat nachgewiesen hat. Das heißt: Sachsen hat eine neue Säugetierart. Fast zeitgleich meldet am Freitag auch Thüringen: Goldschakal im Nationalpark Hainich bei Eisenach gesichtet - das Beweisfoto dort war am 1. August entstanden. Mit seinem goldgelben Fell streift er durchs grüne Gras.

Die Nachtaufnahme aus Sachsen zeigt ein graues Tier vor dunklem Hintergrund, das mit seiner Schnauze am Boden schnüffelt. Ob es auf der Durchreise ist oder die Artenvielfalt Sachsens dauerhaft bereichert, lässt sich nicht sagen. Einzelne Exemplare haben es bisher bis nach Finnland, Dänemark oder in die Niederlande geschafft. Einige Hundert leben rund um Triest in Italien sowie in Ungarn bei Budapest. Der Gesamtbestand in Europa wird auf rund 117.000 Tiere geschätzt.

Den ersten Goldschakal Deutschlands sichtete man 1996 im Süden Brandenburgs - manche verwechselten ihn mit einem Wolf. Ein Apfel-Test kann da Gewissheit bringen: Der Canis aureus liebt nämlich Obst. 

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