Paulo Coelho von sozialen Netzwerken enttäuscht

Der brasilianische Autor beklagt einen Werteverlust in den sozialen Medien. Früher sei Silicon Valley ein Ort gewesen, an dem Menschen diskutiert hätten und befreundet gewesen seien. Heute ginge es nur noch um Geld.

Berlin (dpa) - Paulo Coelho, brasilianischer Bestseller-Autor, ist von der Digitalisierung und den sozialen Netzwerken sehr enttäuscht. «Die sogenannte Social Community hat sich in einen teuflischen Dämon verwandelt», sagte der 71-Jährige der Zeitung «Welt am Sonntag».

«In der digitalen Welt, die du über das Smartphone oder wie auch immer in dich aufnimmst, haben sie inzwischen ein komplett artifizielles Leben um dich herum kreiert.» Früher sei Silicon Valley ein Ort gewesen, an dem Menschen diskutiert hätten und befreundet gewesen seien. «Heute sind sie nur noch des Geldes wegen dort», sagte Coelho. In der Gier nach Geld hätten die Menschen dort ihre Kernwerte über Bord geworfen.

Insbesondere kritisierte Coelho die Rückkehrpläne des Internet-Konzerns Google nach China. «Ganz am Anfang hatte Google noch das Mantra «Don't be evil» («Sei nicht böse») - «eine Art digitaler Ehrenkodex». Vor acht Jahren habe sich das Unternehmen aus Protest gegen Zensur aus China zurückgezogen. Inzwischen entwickle es Blockade-Mechanismen für bestimmte Inhalte, um wieder auf diesen riesigen Markt zurückzukommen.

Trotz aller Kritik hält Coelho an seinem eigenen Facebook-Account mit 29 Millionen Fans fest. «Ich bin nicht mutig genug, um meine Accounts mit Millionen Fans und Followern zu löschen», räumte er ein - und fügte hinzu: «Aber: Ich poste schon länger nicht mehr so oft, wie ich das früher gemacht habe.»

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