Pennen leicht gemacht

Was Menschen vom Gartenschläfer lernen können

Spätestens im November denken viele Menschen über die Vorzüge eines langen Winterschlafes nach. So wie es Bären tun. Keine schlechte Idee, wird doch dieser Corona-Winter vermutlich noch langweiliger und trister als die grauen und kalten Tage in den Jahren zuvor.

Nicht nur Bären, auch viele andere Tiere ziehen sich mit sinkenden Temperaturen in die Winterklause zurück. So auch der Gartenschläfer. Wie der Winterschlaf bei diesem kleinen Verwandten des Siebenschläfers abläuft und was während der nächsten Monate in seinem Versteck passiert, ist noch weitgehend unbekannt. Schlafen und Kuscheln wäre für den Laien das Naheliegendste. Aber der BUND, die Uni Gießen und die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung wollen das genauer wissen, weil die Bestände in vielen Regionen drastisch zurückgehen. "Wir untersuchen mit dem Projekt, ob auch die Lebensbedingungen während der Wintermonate eine Ursache für das regionale Aussterben sein können", so Naturschützerin Mechthild Klocke.

Einiges ist bereits erforscht: Die Körpertemperatur der Schlafmaus sinkt auf bis zu zwei Grad Celsius. Die Herzfrequenz beträgt nur noch zwei Schläge pro Minute, statt wie sonst 350. Die Atmung wird verlangsamt. Dennoch verliert der Gartenschläfer kaum an Muskulatur. Wie er das schafft, ist ein Rätsel - und wäre vielleicht auch interessant für die Raumfahrt. In Science-Fiction-Filmen schlafen die alle jahrelang, um zu entfernten Welten zu gelangen. Nach dem Aufwecken sind die Helden dann putzmunter - bis die Aliens kommen.

Alte Obstbäume mit Baumhöhlen und Steinhaufen bieten dem Gartenschläfer auf Erden den passenden Schutz vor Feinden und vor zu großer Kälte und Temperaturschwankungen. Wer weiß, vielleicht fallen beim Projekt ja doch Erkenntnisse für die nächste große Etappe der Menschheit, für die Reise zum Mars, ab. Im Schlaf zum Mars könnte ein touristisches Top-Angebot werden. Na, vielleicht auch nicht. Aber zumindest könnte dem Gartenschläfer geholfen werden. Denn wir wissen ja: Jedes Tier ist wichtig. Stephan Lorenz

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