Pokerweltmeister will Teil des Preisgeldes spenden

Nach 2011 gibt es 2019 wieder einen Pokerweltmeister aus Deutschland. Hossein Ensan heißt der Mann und er kommt aus Münster. Der Familienvater könnte im Luxus schwelgen - will er aber nicht.

Münster/Las Vegas (dpa) - Mit dem Ferrari durch Münster? Dafür ist Hossein Ensan nicht der richtige Typ. Der nach Pius Heinz (2011) zweite deutsche Pokerweltmeister ist zurück aus den USA und genießt im Münsterland seinen Erfolg. «Mir geht es gut», sagt der 55-Jährige der Deutschen Presse-Agentur.

Mitte Juli hatte der Deutsch-Iraner im Finale der World Series of Poker (WSOP) in Las Vegas als Sieger zehn Millionen US-Dollar Preisgeld eingestrichen. Was er mit den umgerechnet rund 8,9 Millionen Euro machen will, ist noch offen.

Zuerst wolle er abwarten, was an das Finanzamt in Deutschland fließt, dann wolle er etwas abgeben. «Ich werde einen Teil des Gewinns an jemanden spenden, der sich um kranke Kinder oder Bildung kümmert», sagt der Vater einer Tochter. «Ich habe keine großen Pläne. Von daher, ich bleibe in Münster, ich fühle mich hier sehr wohl.» Der Pokerweltmeister lebt mit Frau und Kind in einem Stadtteil in Münsters Norden. Und er schiebt zur Zukunft hinterher: «Aber man weiß nie.»

Neben dem Preisgeld erhielt Ensan das begehrte goldene Armband - vergleichbar mit dem WM-Pokal beim Fußball. «Das liegt allerdings nicht bei mir Zuhause in Münster, sondern gut gesichert im Schließfach.» In der Szene ist er kein Unbekannter. «Ich war Europameister. Habe schon zuvor Preise gewonnen. Dennoch war das jetzt eine richtig große Sache», sagt Ensan über seinen Erfolg im US-Spielerparadies Las Vegas.

«Alles muss verwaltet werden. Auf dem Konto in Deutschland ist das Geld noch nicht. Das ist noch in den USA. Wenn man sieht, was netto bleibt, dann muss man schon lachen», sagt der Profi, der im Jahr fünf bis sechs Turniere spielt. Bei Auftritten in Europa sei er dann jeweils für eine Woche von Zuhause weg, fliegt er in die USA können es auch einmal 14 Tage sein.

«Aber zu einem Profi-Spieler gehören ja nicht nur die Turniere. In der übrigen Zeit halte ich mich körperlich fit, arbeite an meiner Gesundheit. Wenn man einen gesunden Körper hat, trifft man bessere Entscheidungen.»

Zum Training gehöre auch das Studieren und Analysieren von Händen, also das, was der Pokerspieler als Karten in der Hand hat und was auf dem Tisch liegt. Das mache er immer zusammen mit Freunden.

«Der Trubel in den USA direkt nach dem Turnier war ähnlich wie jetzt hier. Wenn du Erfolg hast, wollen alle mir dir ein Foto machen», sagt der im Iran geborene Ensan. Aus Neugier sei er ausgewandert. Erst verschlug es ihn als junger Mann nach Süddeutschland, dann wollte er an der Fachhochschule in Münster Bauingenieur werden. Aber daraus wurde nichts, «stattdessen wurde ich Pokerspieler».

Und wie war es so, das Turnier? Auch mal Glück gehabt? «In den rund zehn Tagen habe ich immer gut aufgepasst, hatte immer alles unter Kontrolle. Glück brauchst du eigentlich immer, auch wenn du mit guten Karten durchkommen willst. Es war alles im Rahmen. Jeder braucht Glück. Auch im normalen Job.»

Und sein Pokergesicht, muss er das auch trainieren? «Das Pokergesicht ergibt sich durch den konzentrierten Auftritt. Man versucht, durch Körperhaltung was zu machen. Gerade sitzen, zum Beispiel.» Er trage manchmal eine Sonnenbrille, manchmal auch nicht. «Ich ziehe mir manchmal eine Kapuze über, aber nicht um Show zu machen. Ich will dann Ruhe habe. Das ist wichtig», sagt der Weltmeister. Der 55-Jährige setzte sich in einem rund vierstündigen Endspiel, als nach über zehn Tagen nur noch zwei von knapp 8600 Spielern übrig waren, gegen Dario Sammartino (32) durch. Der italienische Profi ging immerhin noch mit sechs Millionen Dollar (5,3 Millionen Euro) nach Hause.

«Um bei der WM starten zu können, kann man Qualifikationsturniere mit kleinen Startgeldern spielen oder auch 10 000 Dollar auf den Tisch legen. Ich habe 10 000 Dollar bezahlt», sagt Ensan. «Das viele Geld hat viel Arbeit gemacht. Ich musste Anwälte und Steuerberater beauftragen, damit sie die vielen Fragen klären.» Das hat sich, wie er jetzt weiß, gelohnt.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...