Pommes, Mayo, Ruhe, bitte!

Warum Musik in manchen Restaurants so laut sein muss

Einen Burger wollen wir essen. Mit Mayo? Ja. Schnittlauch? Gerne. Eine extra Portion Bacon? Warum nicht. Doch die Bässe, die dazu aus den Lautsprechern von der Decke wummern, die hatten wir nicht bestellt. Geht es auch ein bisschen leiser? Im Prinzip schon. Sagt die Bedienung mit einem schüchternen Lächeln. Aber der Chef ... Auf ein Dröhnen, das den Satz durchschneidet, folgt ein Schulterzucken. Ein stummes.

Wir mögen Musik. Auch wenn sie laut ist. Ehrlich! Aber nur, wenn wir das wollen. Und nicht jene Verkaufsstrategen, die aufs "sensorische Marketing" setzen - auf eine Manipulation der Sinne zur Umsatzsteigerung. Die Bar - der klassische Ort, an dem man Konsumverhalten beobachten kann: Ist die Musik dort im Hintergrund leise, könnten wir uns ja im Vordergrund gepflegt unterhalten. Könnten also reden - und dabei das Trinken glatt vergessen.

Das freut die Kehle, wenn sie nicht heiser wird bei angestrengter Konservation. Das grämt den Wirt, der am Durst verdient. Also dreht er die Musik auf. Was bleibt uns da anderes als bei akustisch zugepflasterten Ohren komplizierte Dialoge Glas für Glas herunterzuschlucken und uns auf ein Häh?-Ja!-Wie?-Nee! zu beschränken ... Fürs nächste Bier reicht eh ein lautloser Fingerzeig.

Sensorisches Marketing geht auch leise. Bei einer Schallenergie von etwa 50 Dezibel, die nerviges Radiogedudel hat, kommt es auf das Image an, welche die Musik einem Laden verleiht. Eros Ramazzotti für italienische Schuhe. Helene Fischer bei knappen Dessous. Und Céline Dion empfiehlt sich besonders in der Abteilung für Pullover oder Frotteeware. Denn Kaufhaussoundexperten fanden heraus: Ruhige Balladen und Schmusesongs lassen weiche Textilien noch weicher wirken.

Schicke Treter, scharfe Wäsche, flauschige Wolle - sie klingen am Ende eines Einkaufsbummels in unseren Taschen. Danach doch einen Burger? Aber mit Ruhe, bitte! Dagegen spricht ein Forscherteam aus Florida, das die Pommes-Mayo-Verkäufer auf das Wummern der Bässe brachte: Demnach führt laute Musik zu Stress - und Stress steigert die Lust auf fettiges Essen. Rinderhack mit Rammstein - das geht runter wie Öl. Ulrich Hammerschmidt

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