Schnelles Geld

Warum Bares an unseren Kassen noch immer das Wahre ist

Zeit ist Geld. Und Geld frisst Zeit. An der Supermarktkasse zum Beispiel. Kurz nach sieben. Auf in den Feierabend - und schnell noch etwas Brot aufs Band. Pustekuchen. Vor einem die junge Frau mit dem Großeinkauf. Und direkt an der Kasse ein älterer Mann mit geöffnetem Portemonnaie. Das dauert. Denn er hat es passend. Sagt er beflissen. Kramt und kramt. Cent für Cent, Euro um Euro. Kennen Sie das Gefühl, kurz vor einer Art Amoklauf zu stehen? Sie hören sich rufen: Überfall! Ich zahle alles - und zwar mit Karte!

Dieser Schuss, er könnte jedoch nach hinten losgehen. Denn das Handelsinstitut EHI in Köln hat das bargeldlose Zahlen als Schnellfeuerwaffe getestet, stand über Jahre an der Kasse und hat mit der Stoppuhr nachgemessen: 25 Sekunden im Schnitt dauert es im Lebensmittelhandel, bis Scheine und Münzen aus der Geldbörse in die Geldschublade des Ladens wandern und diese sich schließt. Mit Karte braucht man für den Werttransfer ganze drei Sekunden länger. Oha! Zeit ist Geld. Und Geld frisst Zeit. Und ist das Geld aus Plaste, wächst der Appetit.

Auf der Karte ein Menü mit mindestens fünf Gängen. Erster Gang: So oder so? Das ist immer noch die Frage. Magnetstreifen links, rechts, nach unten, oben - oder kontaktlos? Zweiter Gang: 3884 oder 3848? Mist, Pin vergessen. Dritter Gang: Heute will sie wieder mal nicht. Rubbeln am Hemd, reiben an der Hose, vielleicht hilft's. Vierter Gang: Bitte hier unterschreiben ... Ähm, irgendwo muss ja noch ein Stift sein, der geht.

Spätestens jetzt haben wir es satt, wird es peinlich. Ein verlegenes Grinsen in die Schlange, die sich hinter einem bildet. Euro um Euro, Cent für Cent. So kramen vor allem wir bargeldverliebten Deutschen in unseren Portemonnaies. Und werden es wahrscheinlich so bald nicht lernen, schnell mal mit der Karte zu bezahlen. Weil uns schlichtweg die Übung fehlt.

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