Schöner schleimen

Warum Schnecken gut für die Haut sind

Langsam ist die Schnecke. Schnell frisst sie sich durch. Junge Salatpflanzen, Dahlien- und Asterntriebe: Die Gastropoda weiß, was zart und lecker ist. Gärtner hassen den Bauchfüßer dafür. Franzosen lieben die Schnecke - am besten mit Kräuterbutter und gratiniert. Doch ansonsten hat das gefräßige Weichtier keinen besonders guten Ruf.

Die Schnecke: Sie ist ein Synonym für Lahmheit und Langeweile. Sie kriecht dahin. Ganz unten. Am Boden. Tiefer geht es fast nicht mehr. Wer einen Fehler begeht, wird zur Schnecke gemacht - auf dass er vor den Füßen des Chefs eine Schleimspur hinterlässt. Das Sekret, das die nackten Tiere gegen Wind und Wetter wappnet, verbreitet Ekel. Schön ist der Schleim nicht. Macht aber schön. Schützt vor Trockenheit, Bakterien und aggressivem Sonnenlicht. Es hilft also gegen all das, was auch die menschliche Haut stresst und altern lässt - das glibberige Gel.

Schon die alten Griechen, die jung bleiben wollten, schätzten den Schleim der Weinbergschnecke. Sie schmierten ihn auf Wunden und verletztes Gewebe. Hippokrates von Kos, der Urmediziner, verschrieb seinen Patienten eine Mischung aus zerdrückten Schnecken und saurer Milch, um Entzündungen zu lindern. Und woran glaubte Sisi, die Kaiserin, wenn es um ihre Schönheit ging? An Wasser. Seife. Und an die glitschige Kraft der Gastropoda.

Gurke war gestern. Die Gesichtsmaske, die die Beauty-Salons und Spa-Anbieter von heute empfehlen, kriecht. Übers Gesicht. Die Wangen entlang. Durch die Furchen der Stirn. Wem das zu lebendig ist, nimmt den Schleim aus der Tube - eingerührt in Cremes, Shampoos und Lotionen. Zwischen 15 und 600 Euro kosten 100 Gramm der Snail-Anti-Aging-Produkte. Er hat seinen Preis - der schöne Schleim.

Entschleimt werden die Tiere mit Stäbchen oder Netzen, über die man sie kriechen lässt. Mit Salz bestreut, mit Säure beträufelt, in eine Schleuder gesteckt - das steigert den Stress der Schnecke und die Sekretproduktion. Da könnte selbst den Gärtner das Mitleid packen. Tierschützer raten zu veganer Kosmetik. Also doch wieder Gurke aufs Gesicht? Frisch aus dem Garten. Falls sie nicht eine Schnecke geholt hat, die schneller war. Ulrich Hammerschmidt

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