Sitzfleisch

Wie man mehr Bewegung in den Büroalltag bringt

Es ist Montag. Da wird es Zeit für eine kleine Demonstration. Für einen Aufstand der besonderen Art. Wir sind dagegen, Leben zu verschwenden - auf Stühlen, Hockern, in Sesseln. Und tun es trotzdem immer wieder. Das muss sich ändern: Im Schnitt 16,5 Stunden im Monat hängt der deutsche Büroangestellte in Sitzungen herum, wie eine Studie jetzt ergab. Mehr als die Hälfte von 8000 Befragten gaben zudem an, sie hätten den Großteil der Besprechungen als ergebnislos und langweilig empfunden. Dagegen scheint auch Wortkosmetik wenig zu helfen. Selbst die Brainstorming-Runde, das Barcamp oder Get together machen aus dem anberaumten Meeting, der konventionellen Konferenz oder der altvertrauten Beratung noch lange keine kreative Sitzkultur.

Sitzen ist ungesund. Davor warnen Mediziner seit Jahren. Selbst jene, die in ihrer Freizeit mit Sport einen Ausgleich suchen, werden in Folge ihrer Unbeweglichkeit im Büro immer dicker, ja sogar dümmer - sagt eine Studie nach der anderen. Das Fazit lautet: Sitzen ist das neue Rauchen. Australische Forscher stellten nämlich fest: Sesselpupser sterben früher - und zwar rund 22 Minuten pro versessener Stunde.

Sportärzte raten: Das Sitzen am Schreibtisch und in Konferenzsälen muss unbedingt dynamischer werden. Stehen sollte, meinen sie, das neue Sitzen sein. Erstens: Ins Gehirn kommt so mehr Sauerstoff. Zweitens: Stehen wird von vielen schnell als unangenehm empfunden - also arbeitet man konzentrierter, schneller, effektiver. So weit die Theorie. Die Praxis sieht irgendwie behämmert aus, seit es Fitnesshocker und Stehstühle gibt - eine Mischung aus Hinkelstein und Gymnastikball, der dem Sitzfleisch zumindest ein Anlehnen erlaubt. Auf diesen sogenannten Stand-Ups bewegt man sich ansonsten ein wenig wie ein Teller, der auf der Stange im Zirkus balanciert: Man dreht sich, wankt, schwankt, hippelt, kippelt herum. Das macht einen ganz schön nervös.

Sitzen im Büro ist gar nicht so schlimm. Vor dem Fernseher daheim viel schlimmer. Gaben Forscher nun bekannt. Denn auf Arbeit steht man wenigstens zwischendurch mal auf - und sei es, um zum Rauchen oder zur nächsten Sitzung zu gehen. Ulrich Hammerschmidt

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