Sprachzauber

Wenn beim Fußball gestreichelt und gezuckert wird

Fußball ist Volkssport - und eine unendliche Ressource für sprachliche Stilblüten. Aber auch ganz schön martialisch. Das Spiel sei von Anfang an nach dem Muster von Angriff und Verteidigung, Sieg und Niederlage konzipiert, schreibt der Germanist Armin Burkhardt von der Universität Magdeburg. Er ist Autor eines "Wörterbuchs der Fußballsprache". Recht hat er, denn "das Runde muss ins Eckige". Dieser Phrasenklassiker sei erlaubt.

Fußballspiele lesen sich oft wie die Schilderung einer Schlacht: Da klappt ein Team das Visier herunter, bietet offene Flanken oder lässt den Gegner ins offene Messer laufen. Ein Bomber der Nation feuert eine Granate ins obere linke oder rechte Eck ab. Nimmt man noch die Schlachtgesänge vor und im Stadion dazu, dann dient Fußball wohl eher der massenpsychologischen Aggressionsabfuhr. Aber ja doch. Das Spiel hat auch seine schönen und lyrischen Seiten, wenn der "Ball gestreichelt" oder ins "Tor gezuckert" wird. Oder wenn Flankengötter und Ballzauberer unterwegs sind. Eher kryptisch wird es, wenn ein Team nach einer Serie von Pleiten "endlich den Bock umstoßen" will. Hä? Wer schützt da Ziege oder Schaf? Klingt aber irgendwie nach Männersport.

Über keine Sportart wird so ausführlich geschrieben und gesprochen wie über Fußball. Da ist eben auch viel Quatsch dabei - wie etwa: "Ein Spiel dauert 90 Minuten." Stimmt heute ja auch nicht mehr bei den vielen Pausen. Mein Lieblingsspruch? Der stammt vom einstigen Bundesligastürmer Jürgen Wegmann: "Erst hatten wir kein Glück, dann kam auch noch Pech dazu." So schön kann Fußballsprache sein. Die wird ständig kreativ weiterentwickelt. Heute spricht man von der "Falschen Neun", "Gegenpressing" oder "Tiki-Taka". Tut alles nicht weh. Ist Taktik. Oder um mit dem berühmten französischen Philosophen Jean-Paul Sartre zu sprechen: Beim Fußballspiel verkompliziert sich alles durch die Anwesenheit der gegnerischen Mannschaft. Wau, stimmt irgendwie.

Fest steht: Millionen von Fans können in ihrer Liebe zu ihrem Fußball nicht irren - dumme Sprüche hin oder her. Stephan Lorenz

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