Warum Japaner ein Auto mieten - und keinen Kilometer damit fahren

Japaner haben alles. Außer viel Ruhe und genügend Raum. Daran mangelt es vor allem: an stillen Orten, wo der gestresste Großstadtbewohner niemanden neben sich hat. Straßen, Büros, Geschäfte, Busse, Bahnen sind menschenbepackt. Dem möchten viele entfliehen. Aber wohin?

Eine Reihe von japanischen Autovermietern berichtet von einem Phänomen: Immer mehr ihrer Kunden leihen sich einen Wagen - und wenn sie ihn zurückgeben, sind sie keinen Kilometer damit gefahren, weil er die ganze Zeit auf dem Parkplatz des Vermieters stand. Und warum? Die Kunden wollten mit dem Mietauto einen Raum, in dem sie für sich sein konnten. Sie suchten nicht nach Mobilität, sondern nach ein paar Quadratmetern Stillstand.

Endlich mal schlafen, ein Nickerchen zwischendurch. Endlich mal in Ruhe essen - ohne dabei beobachtet zu werden, wie viel Zeit man sich dafür nimmt. Endlich mal ungestört mit Freunden und der Familie telefonieren. Auch als Telefonzelle wird ein Wagen gebucht. Oder als eine Art Schließfach - in dem man nach einer Shoppingtour seine Einkäufe deponiert. Denn richtige Schließfächer - in Bahnhöfen zum Beispiel - sind relativ teuer. Ein Mietauto dagegen, das auf dem Bahnhofsvorplatz angeboten wird, ist recht günstig zu haben: für umgerechnet etwas mehr als drei Euro pro halbe Stunde. In Japan ist das ein Schnäppchen.

Für Autovermieter allerdings ist dies alles ein Verlustgeschäft. Denn vor allem gefahrene Kilometer bringen Geld in die Kasse. Und nicht das Schlafen auf Rädern, die sich nicht drehen.

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