Wo ist Katja?

Weshalb es hier fast nur um Männer, Männer, Männer geht

Michael ist überall. Michael ist der geborene Chef. Michael ist Geschäftsführer in Chemnitz. Malermeister in Plauen. Heizungsbauer in Freiberg. Und leitet eine Werbeagentur bei Zwickau. Michael, Michael, Michael. Michael ist die Nummer eins. Im deutschen Handelsregister. Kein Vorname taucht dort häufiger auf. Alle Firmen müssen in diesem Register hinterlegen, wie ihre Chefs heißen - die Geschäftsführer vor allem. Also die Chefs der Chefs.

Der Programmierer einer Datenbank, mit der man das deutsche Handelsregister durchsuchen kann, hat sich den Spaß erlaubt, die Einträge von 5,1 Millionen Unternehmen, Stiftungen und Vereinen nach Vornamen abzuklappern. Rubrik: vertretungsberechtigte Personen. Und die Liste der Namen hat er dann nach Häufigkeit sortiert. 1. Michael. 2. Thomas. 3. Andreas. 4. Peter. 5. Christian. Diese fünf Namen sind die Spitzenreiter. Sie kommen zusammen rund 414.000-mal vor. Und damit - unter den Top 100 - häufiger als alle Frauen insgesamt.

Wo also ist Katja? Auf Rang 61. Und auf diesem Platz ist Katja die erste Frau überhaupt in der Liste. Bis dahin - von Michael über Torsten bis Steffen: Männer, Männer, Männer. Auf Katja unmittelbar folgen Sabine (62), Claudia (65) und Andrea (66). Im hinteren Drittel der 100 häufigsten Namen findet man noch Petra, Susanne, Nicole, Kerstin, Antje, Gabriele, Angelika - aber keine einzige Angela. Auch wenn diese ja Chefin eines ganzen Landes ist. Das ändert freilich nichts daran: Es herrscht zuweilen viel Ungerechtigkeit in dieser Welt. Mit etwa 360.000 Nennungen liegt der Frauenanteil im deutschen Handelsregister bei 17 Prozent. Wir leben in einer Männerwirtschaft. Nur 15 Prozent der Vorstände der 30 größten deutschen Aktiengesellschaften, die der Dax aufführt, sind weiblich. Es dominieren die Männer - die Michaels, deren biblischen Namen ein Erzengel trägt. Und der übersetzt so viel bedeutet wie: Wer ist wie Gott?

Wie kriegt man mehr Frauen in Führungsetagen und ins Handelsregister? Mit Quote, Männermord, Engelszungen? Vielleicht klappt ja das: Nennen Sie Ihre Tochter doch einfach Michael.

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4Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 1
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    Distelblüte
    10.03.2019

    @OlafF: Ich denke nicht, das Kompetenzen und Sachverstand unbeachtet bleiben, wenn es um die Besetzung einer leitenden Position geht. Aber es spielt (vielleicht in den alten Bundesländern mehr als hier im Osten) letzten Endes der Gedanke mit, ob die Frau, die zur Wahl steht, eventuell die Familienplanung noch nicht abgeschlossen hat und eine Kinderpause nehmen würde, wenn sie den Platz auf dem Chefsessel einnimmt. Bei einem männlichen Kandidaten würde dieser Punkt keine Rolle spielen. Und es ist nun mal so, dass bisher zumeist Männer in Machtpositionen sitzen, die mit einem sehr traditionellen (überholten) Rollenverständnis von Mann und Frau aufgewachsen sind
    Dort sehe ich wirklich noch Nachholebedarf, und deshalb halte ich eine Quotenregelung für notwendig.
    Übrigens ist die Vorstellung, zugleich Familienmensch und Chef(in) zu sein, in vielen anderen Ländern überhaupt kein Thema.

  • 4
    0
    10.03.2019

    @Diestelblüte, warum sollen Parteien gezwungen werden auf ihren Wählerlisten bzw. bei der Sitzverteilung das Geschlecht zu berücksichtigen? Warum soll man darin gehindert werden eine Kandidatin oder einen Kandidaten auf eine Wählerliste zu setzen, wenn man sie oder ihn für kompetent und qualifiziert hält? Will man damit inkompetenten und schlecht qualifizierten Politikerinnen oder Politikern den Vortritt verschafft? Will man den Mitgliedern der Parteien und den Wählerinnen und Wählern die Kompetenz absprechen selbst zu entscheiden, welche Person man für richtig hält?
    Für ihre teilweise Zustimmung danke ich Ihnen,Ihre Meinung respektiere ich ,wenn ich sie doch nicht umfänglich teile. Im Kampf um die Gleichberechtigung der Frau, bot die Quotenregelung vormals eine gute Möglichkeit dafür, geschlechterbedingte Vorurteile zu überwinden. Frauen gehörten gleichermaßen wie Männer in die Politik. Ich frage mich nur dabei, will man sie dazu zwingen? Vielleicht ist einfach der Beruf einer Politikerin oder die Funktion einer Geschäftsführerin für viele nicht erstrebenswert? Wenn sich Frauen in Beruf, Familie und Gesellschaft benachteiligt fühlen, so schätze ich sie für selbstbewusst ein, sich ordentlich dagegen zur Wehr zusetzen und den Machos die Rote Karte zu zeigen. Dafür brauchen sie hierzulande niemanden der sie dabei bevormundet. Beim Medizinstudium, dass ja bekannterweise sehr anspruchsvoll ist, haben Frauen schon lange die Nase vorn. Soll man jetzt dort eine Männerquote einführen? Völliger Quatsch ! Immer wieder wird auf die ausgeprägtere soziale Kompetenz gleichermaßen hingewiesen, wie auf die angebliche rationale Denkweisen von Männern.Wenn das so stimmt, können die Menschen doch selbst entscheiden, an welcher Stelle unserer Gesellschaft und in welchem Abschnitt der Lebensplanung dies geschieht. Soll demnächst den Frauen noch die Entscheidung abgenommen werden, ob oder wann sie Kinder zur Welt bringen möchten? Mehr Gerechtigkeit wird nicht durch die Bevormundung von Parteien, die Bevormundung der Wählerinnen und Wähler, sondern durch Verbesserung der Rahmenbedingungen in Familien und im Beruf für alle geschehen.

  • 2
    2
    Distelblüte
    10.03.2019

    Starkes Statement, @OlafF, und alle Daumen hoch. Dennoch denke ich, dass es noch eine ganze Weile nötig sein wird, mit einer Frauenquote zu arbeiten, ehe sie überflüssig wird.

  • 4
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    09.03.2019

    … Quote und Männermord,

    halte ich auch dafür ungeeignet. Besonders Zwangsmaßnahmen zur Veränderung des Ungleichgewichts im Bundestag halte ich zum Beispiel für groben Unsinn. Besonders, wenn die Idee von Claudia Roth kommt. Da meine ich eher anstatt Verständnis für Freiheit und Demokratie, Zwang und Diktatur zu erkennen.
    Ich glaube dem Autor folgen zu können mit seiner Aussage: Seine Tochter Michael zu nennen, um später führen zu können. Nun gut, meine 3 Töchter haben alle Mädchennamen und ich stelle fest:
    Wir haben noch einen langen Weg vor uns, aber nicht durch staatlichen oder gesellschaftlichen Zwang, sondern durch freiwillige Umsetzung unserer eigenen selbstverständlichen Werte. Als ich 1995 als erster Mann in meinem Unternehmen für ein Jahr Erziehungsurlaub nahm, waren die staatlichen Rahmenbedingungen dafür klar, jedoch die Umsetzung im unteren 1 %Bereich (was damals eher die Ausnahme war, gilt heutzutage eher als selbstverständlich…).
    Wenn Arbeitsteilung im Elternhaus, im Beruf und bei der Ausbildung von „Kindesbeinen an“ unproblematisch verläuft, stehen die Chancen recht gut dafür, dass später jeder selbst entscheidet, welche Rolle sie oder er einmal übernehmen möchte.
    Das Rezept dafür ist recht einfach: Aufklärung in Familie, Arbeitsstelle und Schule, dass beides möglich ist und gut funktionieren kann und die Rahmenbedingungen für partnerschaftliche Familienmodelle weiter verbessern.



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