Darum sind die Wartezeiten auf Möbel aktuell so lang

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Wer gerade Sofa, Schrank oder Küche kaufen will, muss flexibel sein. Und nicht nur das: In den kommenden Monaten drohen auch höhere Preise für Möbel aller Art.

Die Versorgungsengpässe in der Möbelbranche gehen auf die heruntergefahrene Produktion von Grundstoffen zu Beginn der Coronapandemie zurück. Aber auch die stark gestiegene weltweite Nachfrage bei Baustoffen wie Holz ist ein Grund. Und die internationale Logistik hat noch immer knappe Kapazitäten.

Auswirkungen haben zudem hohe Corona-Fallzahlen und Quarantänen für die Belegschaften ganzer Werke in Osteuropa, wo Möbel oder Möbelteile auch für den deutschen Markt produziert werden, wie Markus Meyer erklärt. Er ist Präsidiumssprecher des Handelsverbandes Möbel und Küchen.

Auch die Coronabeschränkungen vom Winter 2020/21 wirken nach: Möbelgeschäfte waren lange geschlossen, Kunden holen nun ihre Käufe nach. Man wartet also länger auf Waren und deren Montage.

Welche Produkte betroffen sind, ändert sich teils von Woche zu Woche, sagt Meyer. Je nachdem, welches Problem bei der Beschaffung gerade akuter ist, kann mal ein Beschlag oder ein anderes kleines Bauteil fehlen. Und dann bleiben die ansonsten fertigen Möbel beim Hersteller liegen.

Ganz grundsätzlich gebe es weiterhin erhebliche Engpässe bei "vielen wichtigen Vormaterialien", erklärte Jan Kurth, Geschäftsführer des Verbandes der Deutschen Möbelindustrie (VDM), im Rahmen einer Pressekonferenz Ende August. Das betrifft Holz, Metallkomponenten, Polsterschäume, Bezugsstoffe und elektronische Bauteile.

Auch Hausgeräte wie Geschirrspüler sind betroffen. Die Lage habe sich "dramatisch zugespitzt", sagte Volker Klodwig, Vertriebsleiter Europa des großen Hausgeräteherstellers BSH Anfang September. "Wir werden uns in diesem Jahr, bis Anfang 2022 sicherlich, damit auseinander etzen müssen."

Zu erwarten ist, dass sich das auch auf die Preise auswirken wird. Denn die Hersteller müssen wegen höherer Materialkosten stark in der Produktion draufzahlen. Der Möbel- und Küchenhandel berichtet schon von Preissteigerungen: "Wir haben bereits die zweite oder dritte Preisrunde in diesem Jahr, und das wird noch so weitergehen. Üblich ist eine Erhöhung im Jahr, um die Preise unter anderem der Inflation anzupassen", erklärt Meyer vom Handelsverband Möbel und Küchen.

Doch wie viel länger muss man genau auf bestellte Möbel warten? "Das ist leider das Problem: Wir können keine verlässlichen Angaben mehr machen", sagt Meyer. Teils müssen Kunden mehrere Verschiebungen ihrer Liefertermine hinnehmen. Im Schnitt halten sich die Verzögerungen laut VDM noch in Grenzen: Zurzeit sei die durchschnittliche Lieferzeit im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um zwei Wochen erhöht - auf nunmehr sechs bis acht Wochen.

Die Liefersituation könnte sich aber noch einmal zuspitzen, blickt Verbandsgeschäftsführer Jan Kurth voraus. Um termingerecht an seine Bestellungen zu kommen, sollte man noch früher ordern. Gerade bei großen Möbelkombinationen mit Montageservice. Denn zum Jahresende könnte es auch schwierig werden, Monteure zu bekommen. Wer wegen eines Umzugs wirklich dringend neue Möbel braucht, kann vielleicht mit etwas Flexibilität Zeit für sich herausschlagen - und so auch noch dem Händler helfen: etwa, indem man in Absprache mit dem Berater aus dem Handel, einzelne Komponenten austauscht. Oder man organisiert sich anders. "Zurzeit fehlen uns 100.000 Elektrogeräte, die nicht ausgeliefert werden können. Die Küchenmöbel stehen aber bereit", sagt Meyer. Es besteht in manchen Geschäften vielleicht die Möglichkeit, erst mal nur die Küchenmöbel aufbauen zu lassen und den alten Herd erst später gegen den neuen auszutauschen. dpa

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