Sachsens Weinstraße könnte wachsen

Jungwinzer Karsten Lindhardt träumt nicht nur von einem Weindorf in Dresden-Pillnitz - Er hat auch große Pläne in der Lausitz

In der Serie "Sachsens Winzer" stellt die "Freie Presse" regelmäßig Winzer aus dem sächsischen Elbtal vor. Diesmal geht die Reise in die Weinberge von Dresden-Pillnitz, die zu den idyllischsten Lagen an der Sächsischen Weinstraße gehören. Zwischen Bergweg und Leitenweg liegen die Rebflächen, die Jungwinzer Karsten Lindhardt bewirtschaftet. Olaf Kittel traf ihn in seiner Straußwirtschaft mit Blick übers Elbtal.

Freie Presse: Herr Lindhardt, es ist schön hier, aber im Vergleich mit Radebeul, Meißen oder Diesbar auch sehr ruhig. Für einen Winzer nicht vielleicht zu ruhig?

Karsten Lindhardt: Ja, das stimmt. Man muss schon viel kommunizieren, viel Werbung betreiben, damit die Leute uns finden.

Was kann man denn bisher im Pillnitzer Königlichen Weinberg erleben?

Relativ wenig. Klar, es gibt auch hier den Tag des offenen Weingutes, ein Weinblütenfest wird über die Weinbaugemeinschaft organisiert. Und dann gibt es noch die Straußwirtschaften von Klaus Zimmerling und unsere. Darüber hinaus wird der Weintrinker aus der Umgebung und der Tourist nichts finden, wo es ihn hinziehen könnte. Das ist schade.

Stehen die Dresdner Winzer auch deshalb im Schatten der anderen Winzer?

Auf jeden Fall. Jeder ist hier noch Einzelkämpfer, es fehlt das Zusammengehörigkeitsgefühl. Wir sollten mehr gemeinsam auf die Beine stellen. Auf diese Weise könnten auch die kleineren Winzer mehr ins Gespräch kommen.

Klaus Zimmerling ist der bekannteste Winzer hier, jetzt plant Lutz Müller den Umzug seines Gutes vom Albrechtsschloss Dresden hierher. Könnte das Pillnitz einen Schub geben?

Ich denke, ja. Es wäre ein Schritt hin zum Weindorf Pillnitz, die Leute würden sehen, es entwickelt sich was. So könnten mehr Besucher aus Dresden, Pirna und dem Umland angezogen werden. Ein Weindorf lebt von vielen Winzern, nicht nur von einem.

Träumen wir doch mal: Was könnte denn in einem Weindorf Pillnitz abgehen?

Ich stelle mir eine Genussmeile vor, in der regionale Produkte aus Käsereien, Schinken von einem guten Fleischer, gutes Brot und natürlich gute Weine angeboten werden. Ich kann mir vorstellen, dass das hier gut funktioniert. Die schöne Umgebung dazu haben wir schon. Aber wir brauchen dafür Unterstützung.

Wer müsste denn unterstützen? Merken Sie was vom Winzerverband?

In der Richtung gar nicht. Wir sind für den Verband zu weit weg vom Zentrum Meißen/Radebeul.

Ist das ein Thema fürs Dresdner Rathaus?

Nicht dass ich wüsste.

Schade, in Radebeul und Meißen ist das ganz anders. Wie groß ist denn Ihre Produktion derzeit?

Wir haben jetzt 0,8 Hektar Rebfläche und vom 2018er Wein 3500 Flaschen gefüllt. Mein Ziel ist in absehbarer Zeit 5000 Flaschen. Die braucht man als Minimum, um wirtschaftlich zu sein. Wir stellen Riesling, Traminer, Kerner, Scheurebe, Kernling, Grauburgunder und Spätburgunder her.

Wo gibt es den?

Hier in der Straußwirtschaft, in Restaurants rund um Pillnitz, in der Sächsischen Schweiz und im Bautzener Umland.

Davon allein können Sie aber wahrscheinlich noch nicht leben?

Nein, im Moment habe ich noch einen Zweitjob im Weingut Wolkenberg von Martin Schwarz in Brandenburg. So komme ich auf mein Geld, aber es sind schon ziemliche Fahrtwege. Ewig kann ich das nicht machen.

Wie stellen Sie sich denn Ihre Zukunft in fünf oder sechs Jahren vor?

Mein Traum ist es, ein eigenes kleines Weingut zu betreiben. Es ist bisher umständlich: Die Rebflächen sind in Pillnitz, der Keller in Schönfeld, ich selbst wohne mit meiner Familie in Oberpoyritz. Schön wäre es schon, alles zusammen zu haben.

Hier in Pillnitz?

Hier kann das sein, aber ich könnte mir das auch gut in der Lausitz vorstellen. Ich stamme aus Bautzen und träume davon, irgendwo zwischen Dresden und Bautzen geeignete Rebflächen an einem Südhang und eine geeignete Immobilie für ein Weingut zu finden. Dort würde ich dann alles ein bisschen größer aufziehen, damit es wirtschaftlich ist. Ich will ja davon leben, nicht nur überleben. Und meine Flächen in Pillnitz will ich behalten.

Sie würden damit das erste Weingut in der Oberlausitz gründen?

Ja, es wäre das erste. Die Klimaerwärmung macht es möglich. Vielleicht lässt sich der geringere Säurewert der Elbtalweine, den wir in der letzten Zeit registrieren, dort ein Stück weit kompensieren. Ich brauche auf jeden Fall lehmigere Böden, die das Wasser besser halten. Die Trockenheit der letzten beiden Jahre macht uns Winzern ganz schön zu schaffen.

Was nehmen Sie sich für die nächste Zeit vor?

Wir wollen unsere Qualität weiter steigern. Ich produziere meinen vierten Jahrgang und sammele immer mehr Erfahrung.

Mit welchem Winzer wollen Sie sich messen?

Ich will ja nicht zu schnell zu den Sternen greifen. Aber ich denke, auch ein Klaus Zimmerling...

...der in Sachsen neben Martin Schwarz die absolute Spitze bildet...

...hat von seinen Erfahrungen gelernt. Wir machen beide schöne Rieslinge. Und unsere Rebflächen trennt nur ein Stück Wald. Die Zeit wird zeigen, ob ich das schaffe. Ich bin noch jung, schauen wir mal.

Wie wird der aktuelle Jahrgang?

Gut, auch wenn es wieder sehr trocken war. Ich hoffe, dass die Nächte jetzt kühler werden und die Trauben genug Säure behalten. Die Trauben jedenfalls sind hochwertig und gesund. Aber eine Bilanz kann ich erst ziehen, wenn alles im Keller ist.

Gärtner und Winzer

Aufgewachsen ist Karsten Lindhardt in Bautzen. Sein Opa hatte eine Gärtnerei. Zum Winzer ausgebildet wurde er bei Wackerbarth. Später hat er dort und in der Winzergenossenschaft gearbeitet. In Pillnitz machte er einen Abschluss als Gartenbau-Techniker.

Teilselbstständig ist Karsten Lindhardt seit 2014. Hobbymäßig betrieb er den Weinbau auch schon vorher.

Der 39-Jährige ist verheiratet, lebt in Oberpoyritz und hat zwei Kinder.

Hoffen auf gute Qualität beim Jahrgang 2019

In den Weinanbaugebieten Deutschlands hat die 2019er Hauptlese begonnen. "Der Zustand der Trauben ist sehr gut", sagte am Dienstag der Präsident des Weinbauverbands Rheinhessen, Ingo Steitz. "Wir rechnen bei etwas mehr Säure mit einer guten Qualität und bundesweit mit 20Prozent weniger Ertrag als 2018."

Wesentliche Preisänderungen seien aber nicht zu erwarten. "Dieses Jahr haben wir weniger Probleme mit viel Zucker und hohen Alkoholwerten", bestätigt Winzer Tobias Zimmer. Zwar habe es auch wieder Hitze und Trockenheit gegeben wie 2018. Aber im August und Anfang September habe der Regen den Trauben gut getan.

Frühburgunder, Spätburgunder und Müller-Thurgau gehören zu den bereits jetzt gelesenen Rebsorten. "Beim Riesling dauert es noch ein bis zwei Wochen", sagt Ernst Büscher vom Deutschen Weininstitut. "Es ist aber früher losgegangen, als wir noch vor drei Wochen gedacht haben." (dpa)

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