CFC zittert sich gegen tapfere Auerbacher zum Sieg

Fünf Spiele, fünf Siege - Tabellenführer Chemnitzer FC behält in der Regionalliga Nordost seine weiße Weste. Auch das Spiel gegen den VfB Auerbach schien lange eine ganz klare Sache zu sein.

Chemnitz.

"Wenn man hier antritt, will man natürlich erst einmal sicher in der Abwehr stehen und kein Gegentor kassieren. Der Plan war ja schon nach sieben Minuten über den Haufen geworfen", analysierte Sven Köhler die Partie seines VfB Auerbach beim Chemnitzer FC. Der Tabellenführer hatte furios begonnen, führte nach einem präzisen Eckball von Dennis Grote und einem schönen Kopfball von Innenverteidiger Kostadin Velkov schnell mit 1:0. Die Vogtländer wirkten ein wenig wie Kaninchen vor der Schlange, trauten sich dann doch zaghaft aus ihrer Deckung - und wurden von den Hausherren eiskalt vernascht. Ein schneller Konter über Daniel Frahn, der mit gutem Auge im Zentrum Dejan Bozic bediente, brachte in der 26. Minute das 2:0. Im fünften Match der fünfte Treffer des aus Koblenz nach Chemnitz gekommenen Stürmers - so einen darf man Torjäger nennen. Klappe zu, das Spiel war eigentlich durch. "Es hätte übel für uns ausgehen können", wusste auch Köhler, "was ich meiner Mannschaft hoch anrechne, ist, dass sie nach dem 0:2 nicht den Kopf in den Sand gesteckt, sondern von da an richtig aufbegehrt hat. Am Ende standen wir ja sogar noch kurz vor einem Punktgewinn. Dafür hätten wir aber wohl noch mehr aus unseren Möglichkeiten machen müssen." Doch Stock und Kunert ließen ihre Gelegenheiten liegen (28.), genau wie Heger (32.). Auf der anderen Seite setzte Bozic einen Ball aus Nahdistanz ins Außennetz (35.), dann verweigerte Schiedsrichter Marcel Unger dem CFC - Felix Liety hatte Frahn umgerissen - einen klaren Elfmeter.

Der VfB war zur Pause noch am Leben, und witterte nach dem Anschlusstreffer sogar noch einmal richtig Morgenluft. Der eingewechselte Wild hatte geflankt, Velkov und Pascal Itter nur zugeschaut, Thomas Stock eingenickt (72.). "Über die zweite Halbzeit wird zu reden sein", sagte später CFC-Coach David Bergner, "die letzten zehn Minuten mussten wir richtig um den Sieg zittern." Die Überlegenheit war dahin, bei den Kontergelegenheiten fehlte es an der richtigen Idee oder an der Präzision. So warteten die meisten der 5489 Zuschauer im Stadion vergeblich auf das erlösende 3:1; die etwa 100 aus dem Vogtland mitgereisten genauso vergeblich auf den Ausgleich. Dafür fehlte es dem VfB dann doch an Durchschlagskraft. Auerbach muss seine Punkte gegen andere Gegner einsammeln. Der CFC hat das gegen alle vor.

Für neue Unruhe sorgte am Wochenende Insolvenzverwalter Klaus Siemon. Nach der angeblichen Razzia vom Donnerstag, die sich als von Siemon bestellte Aktenübergabe entpuppt hatte, erklärte er nun gegenüber dem MDR, dass es Hinweise auf Unregelmäßigkeiten beim Ticketverkauf rund um das DFB-Pokalspiel gegen Bayern München 2017 gebe. Er werde die Sachverhalte rigoros aufklären, sagte Siemon. Es gebe aber keine Beschuldigungen gegen bestimmte Personen.

"Die erste Halbzeit haben wir verschlafen"

Bis 2012 war die Fischerwiese sein sportliches Zuhause, nun stand Marcel Schlosser hier das erste Mal als Kapitän des VfB Auerbach auf dem Platz. Thomas Scholze sprach mit ihm.

Freie Presse: Wie war es für Sie, mal wieder in diesem Stadion zu spielen?

Marcel Schlosser: Ich war das erste Mal überhaupt im neuen Stadion, es hat Spaß gemacht. Ich hätte mir natürlich gewünscht, dass wir etwas Zählbares mitnehmen. Aber mir war schon auch klar, dass Chemnitz eigentlich auf jeder Position besser besetzt ist als wir es sind. Wir haben uns ganz ordentlich aus der Affäre gezogen, nach dem 0:2 nicht aufgegeben und Betrieb gemacht. Ich bin sehr stolz auf meine Mannschaft.

War mit Blick auf die zweite Halbzeit ein Punkt für den VfB drin?

Dafür haben wir eben die erste Halbzeit verschlafen, gleich mehrere Situationen verpennt. Die Ecke vor dem 1:0 müssen wir besser verteidigen, den Konter des CFC zum 2:0 erst recht. Aber wir lernen daraus, machen es nächstes Wochenende gegen den Berliner AK besser.

Hat Sven Köhler beim VfB schon Entscheidendes bewirkt?

Ich denke schon. Der Trainer hatte viele Dinge umgestellt. Man sieht jetzt, dass der VfB auch guten Fußball spielen kann. Wir brauchen noch mehr Selbstvertrauen, dürfen uns nicht so in die Abwehr drängen lassen. Das hat ja, abgesehen vom Auftaktmatch, schon gut funktioniert.

War der CFC der bislang stärkste Gegner in dieser Saison?

Ja. Wir haben zwar gegen den BFC mit 1:4 verloren, aber der CFC ist besser. In der Truppe ist enorme Qualität. Wenn sie das so bis Weihnachten durchzieht, hat sie da schon 15 Punkte Vorsprung auf den Rest.

Sind Sie immer so engagiert und aufgedreht?

Es war hier schon noch ein bisschen emotionaler. Über die Gelbe Karte habe ich mich trotzdem geärgert. Die gab es, weil der Ball bei einer Ecke angeblich einen Zentimeter auf der falschen Seite der Line lag. Ich habe den Schiedsrichter gebeten, sich das doch genau anzuschauen. Das wollte er aber nicht.

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