Frankenberger als gute Seele mittendrin

Bei der Bahnrad-WM in Apeldoorn gehört Hardy Gröger zu den Betreuern im deutschen Team. Als Aktiver fuhr er einst erfolgreich in der DDR-Auswahl auf der Straße. Dabei blieben beim Sachsen jedoch Wünsche offen.

Apeldoorn.

Wenn deutsche Asse bei dieser WM am Start sind, dann hält auch Hardy Gröger in der Fahrerbox mal kurz inne, um das Geschehen zu verfolgen. Doch wenig später ist er schon wieder in Aktion. Er kümmert sich mit um die Räder, ums Material, den Transport, sorgt für die Zwischenverpflegung, hilft beim Anziehen der engen Rennanzüge oder tröstet mit ersten Worten in schwierigen Situationen. Auch insgesamt ist der 58-Jährige in die logistischen Aufgaben im Hintergrund eingebunden, zudem sein Zimmer im Hotel immer offen für Gespräche. "Ich versuche dabei meine Erfahrungen einzubringen, kann neben den Trainern manchen zusätzlichen Tipp geben, um die Sportler aufzubauen und zu motivieren", erzählt der Frankenberger und freut sich über die Vertrauensbasis, die über die Zeit entstand. Er selbst nennt seine Tätigkeit scherzhaft "Mädchen für alles", freut sich, wenn er als gute Seele im Team bezeichnet wird.

Hardy Gröger ist seit seinem 14. Lebensjahr vom Radsport-Virus infiziert. Damals begann er bei der BSG Motor Hainichen bei Übungsleiter Steffen Bernd aktiv zu fahren, landete als ehrgeiziger Renner im Nachwuchs schnell beachtliche Resultate auf Bezirksebene oder im Spartakiadebereich. Mit 16 Lenzen folgte die Delegierung zum damaligen SC Karl-Marx-Stadt, bei dem er ein Erfolgsgarant vor allem für die Mannschaft blieb. Doch es war nur ein kurzes, einjähriges Intermezzo. "Bei mir wurde dann ein Wirbelgleiten festgestellt, daraufhin musste ich wieder aufhören. So war die offizielle Begründung", denkt er ungern an diese Phase zurück. Doch nach einer kurzen Pause trat er für seinen frühere Betriebssportgemeinschaft wieder in die Pedale. Neben der Lehre zum KfZ-Schlosser trainierte er fast täglich mehrere Stunden intensiv. Als er in den Rennen weiterhin die Clubsportler abhängte, wurden andere Vereine auf ihn aufmerksam.

So landete er als 19-Jähriger beim ASK Vorwärts Frankfurt (Oder), konnte dort als Leistungssportler gleichzeitig seine Grundausbildung bei der Armee absolvieren. Er entwickelte sich so stark, dass er über ein Jahrzehnt für die Nationalmannschaft fuhr, international erfolgreich an Rundfahrten in Kuba - dort mehrfach mit Spitzenrängen - Italien, England oder Libyen sowie regelmäßig auch bei hochdotierten Rennen in den USA teilnahm. "Da konnten wir uns immer mit den weltweit besten Profis jener Zeit messen und erreichten sehr gute Ergebnisse. Das waren ganz besondere Erlebnisse für mich", erinnert sich Hardy Gröger, der damals mit Größen wie Olaf Ludwig, Hans-Joachim Hartnick, Uwe Raab oder Thomas Barth in einem Team unterwegs war.

Doch während seine Gefährten bei der Friedensfahrt oder bei Weltmeisterschaften starteten, wurde er dafür nie nominiert. "Ein Grund war sicher, dass ich nicht in die Partei eingetreten bin. Aber irgendetwas muss da noch gewesen sein", meint der Sachse, der trotzdem nicht ungern an diese Zeit zurückdenkt. Unzählige Siegerkränze - über 100 auf alle Fälle - konnte er dennoch erkämpfen. Dabei verbindet sich mit dieser traditionellen Ehrung auch die eigene Familiengeschichte. Denn sein Großvater Maximilian Werner Müller besitzt das Patent für die Herstellung aus gewachsten Blättern, verkaufte diese über seine Firma weltweit. Die wertvollsten hängen heute noch bei Hardy Gröger in der Garage.

Bis zur Wende fuhr er für den ASK in der Oderstadt, danach zwei Saisons für ein Profiteam in Portugal. Aus gesundheitlichen Gründen musste er jedoch seine leistungssportliche Karriere beenden. Um aber im Metier zu bleiben, kehrte er nach Chemnitz zurück und arbeitete als Trainer. Er baute das Bundesligateam der Männer mit auf, betreute es und fuhr das entscheidende Relegationsrennen mit. Auch die Frauenmannschaft hatte er unter seinen Fittichen, als diese 1993 den Deutschen Meistertitel im Vierer gewann. Aus finanziellen Gründen konnten sich einerseits die Teams nicht halten, auch für die Jobs fehlte das Geld. So war 1994 Schluss und Hardy Gröger sattelte um. Zunächst arbeitete er in einem Autohaus, absolvierte zudem ein Studium als Diplomsozialpädagoge. Er kümmert sich Jugendliche, die beispielsweise in Heimen aufwuchsen, und half ihnen, sich im Leben zurechtzufinden. Seinem geliebten Radsport blieb er dabei immer treu, arbeitete für verschiedene Profistraßenteams ab und an als Betreuer. 2008 fragte ihn dann der damalige Frauenbundestrainer Thomas Liese, ob er ihn auch im Bahnbereich unterstützen könnte. Seitdem war er schon mehrfach bei Topwettbewerben mittendrin. Selbst fährt er noch oft Rad oder joggt regelmäßig. Mit seiner Partnerin wohnt er weiterhin in Frankenberg und ist stolz auf seinen Sohn Marcus. Er erbte zwar nicht seine sportliche Leidenschaft, doch der 23-Jährige ist beruflich bei der Textilfirma Inotex verantwortungsbewusst angekommen.

Erster WM-Titel geht an die Gastgeber

Der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) hat bei der ersten Entscheidung der Bahnrad-WM in Apeldoorn eine Medaille deutlich verpasst. Die nachnominierte Tatjana Paller aus Starnberg belegte im Scratch-Rennen den 17. Platz. Den Titel sicherte sich unter dem Jubel von 3000 Zuschauern die Niederländerin Kirsten Wild.

Der deutsche Bahn-Vierer mit Felix Groß (Leipzig), Kersten Thiele (Erfurt), Theo Reinhardt und Maximilian Beyer (bd. Berlin) präsentierte sich trotz des Ausfalls von Domenic Weinstein (Unterbaldigen) in starker Verfassung und belegte den vierten Platz in der Qualifikation. Die weiteren Rennen waren bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch nicht beendet.

Der deutsche Frauen-Vierer mit Lisa Brennauer (Durach), Charlotte Becker (Berlin), Gudrun Stock (München) und Franziska Brauße (Öschelbronn) blieb in der Qualifikation im im Rahmen der Möglichkeiten und belegte Platz sechs. "Anfangs waren sie zu schnell unterwegs, haben dann aber ihren Rhythmus gefunden und eine gute Zeit gefahren", sagte Bundestrainer André Korff. (dpa)

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