Champions League verpasst - Leverkusen schaut nach vorn

Die Chance war im Vorfeld sehr gering, und deshalb hielt sich die Enttäuschung bei Bayer Leverkusen nach dem Verpassen der Champions League auch im Rahmen. Zumal ein ganz großes Spiel bevorsteht.

Leverkusen (dpa) - Den verpassten Last-Minute-Einzug in die Champions League nahmen sie bei Bayer Leverkusen recht gelassen hin.

Zum einen hatte offenbar niemand so recht an Schützenhilfe von Hertha BSC in Mönchengladbach geglaubt. Zum anderen stand die Vorfreude auf das Pokal-Endspiel gegen den FC Bayern München schnell im Vordergrund.

«Letzte Woche war die Enttäuschung sehr groß. Heute nicht mehr so», sagte Trainer Peter Bosz nach dem letztlich nutzlosen 1:0 (1:0) gegen den FSV Mainz 05. Und auch Abwehrchef Sven Bender erklärte: «Letzte Woche war es schlimmer.» Weil die Leverkusener in der Vorwoche mit 0:2 in Berlin verloren und den begehrten vierten Platz aus der Hand gegeben hatten, bleibt ihnen in dieser Saison nur eine wenig tröstliche Bestmarke: Mit 63 Punkten sind die Leverkusener der beste Tabellenfünfte der Liga-Geschichte. Sie spielen aber - sofern sie im August nicht Europa-League-Sieger werden - in der kommenden Saison nur in der Europa League statt in der Champions League.

«Es ist ein fremdes Gefühl, wenn man mit 63 Punkten enttäuscht sein muss», sagte Bosz, der Gladbach zum «verdienten» vierten Platz gratulierte: «Ich bin sicher, wenn wir in einem Jahr zusammensitzen, werden 63 Punkte für die Champions League reichen.» Ähnlich sah es Sven Bender. «Wir brauchen uns für die Saison nicht zu schämen», sagte er: «Wir haben eine super Punkte-Ausbeute. Aber vier andere waren eben noch einen Tick besser und vielleicht cleverer.»

Bei der Suche nach den Ursachen stechen zwei Dinge heraus: die vielen Unentschieden in der Hinrunde nach klarer Überlegenheit, so das 0:0 gegen Hoffenheim trotz 19:0 Eckbällen oder das 1:1 gegen Freiburg trotz 27 Torschüssen. Und die letzten Auswärtsspiele auf Schalke (1:1) und bei der Hertha - damit wollte Bosz sich aber nicht aufhalten. «Da kann man viele Spiele durchgehen», sagte er: «Aber wenn Gladbach das macht, werden sie auch solche Spiele finden. Und wenn wir es zu Ende denken, wird am Ende Bremen noch Champions League spielen. Deshalb sollten wir das nicht tun.»

Die Leverkusener schauen lieber nach vorne, zu ihrem ersten Pokalfinale seit elf Jahren. «Die Bayern sind auf jeden Fall Favorit. Aber wir haben schon gezeigt, dass wir es ihnen schwermachen können», sagte Kevin Volland, am Samstag der einzige Torschütze (2.). Und auch Sven Bender forderte «Schärfe: Das ist ein Spiel, da müssen wir alles geben. Wenn wir gewinnen, haben wir einen Titel.»

Die Mainzer beenden die Spielzeit derweil auf Rang 13 und gehen in ihre zwölfte Bundesliga-Saison in Folge. Das sei, so teilten sie nach dem geschafften Klassenerhalt in der Vorwoche ironisch mit, «weltklasse» und offenbar mehr wert als acht Meistertitel in Folge. Ganz zufrieden sind in Mainz aber nicht alle. Danny Latza monierte, die Mannschaft habe sich die gesamte Saison nicht richtig gefunden. Das dürfe er als Kapitän durchaus sagen, versicherte Trainer Achim Beierlorzer und erklärte: «Wir müssen es schaffen, nächstes Jahr über die gesamte Saison so aufzutreten wie in den letzten Spielen.»

© dpa-infocom, dpa:200627-99-587374/4

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