Mainz 05 setzt auf Interimscoach Lichte - Streit mit Szalai

Die Spieler streiken, die Mannschaft verliert, der Trainer muss gehen: Selten ging es bei Mainz 05 so zu wie in diesem Herbst.  Sportvorstand Schröder will Teil der Lösung sein, doch das nächste Ungemach droht bereits.

Mainz (dpa) - Nach Streik, Streit und Trainerwechsel will Rouven Schröder die turbulentesten Tage der Mainzer Bundesliga-Geschichte hinter sich lassen und den Club aus der Krise führen.

Der 44 Jahre alte Sportvorstand schloss am Dienstag energisch seinen Rücktritt aus, er setzt im kräftezehrenden Kampf gegen den Abstieg und um den internen Vereinsfrieden stattdessen auf einen Trainer-Nobody: Jan-Moritz Lichte ist zwar zunächst nur Interimscoach, könnte aber schon sehr bald mehr werden.

«Der Cheftrainer ist der wichtigste Angestellte des Vereins, und da darf die Wirtschaftlichkeit keine Rolle spielen. Hier haben wir uns ganz klar für Jan-Moritz entschieden», betonte Schröder zum beförderten Assistenten. Von einer Billiglösung in Corona-Zeiten will der Funktionär nichts wissen. 

Nach der Posse um den nicht mehr berücksichtigten Stürmer Adam Szalai und der Trennung von Achim Beierlorzer stand in den vergangenen Tagen auch Schröder massiv in den Kritik. Trotz kurzer Nächte und Dauerstress denkt er nicht an seinen Abgang. «Ich bin felsenfest überzeugt, dass ich mit dem ganzen Verein das Ruder rumreißen kann. Wichtig ist, für den Verein zu arbeiten», sagte Schröder. Ihmr war nicht nur der Trainerverschleiß im vergangenen Jahr angekreidet worden, sondern auch schlechte Kommunikation beim Thema Gehaltsverzicht während der Corona-Krise.

Abseits der internen Querelen machen den 05ern auch null Punkte zum Bundesliga-Start große Sorgen. Beim Gastspiel bei Union Berlin haben die Mainzer an diesem Freitag (20.30 Uhr/DAZN) schon Druck. «Ich sehe die Aufgabe als eine sehr schwierige an. Das, was der  Verein in den letzten eineinhalb Wochen erlebt hat, war nicht, was ein Verein erleben möchte», sagte Lichte, der in Vertretung von Sandro Schwarz in der Vorsaison schon ein Spiel betreut hatte. 

Das Thema Szalai hingegen dürfte sich mit der Freistellung des «enttäuschten» Beierlorzer noch lange nicht erledigt haben. Auch unter Lichte soll der 32 Jahre alte Ungar keine Perspektive mehr haben. «Das ist jetzt nicht mein Hauptthema für diese Woche. Ich konzentriere mich jetzt nicht auf Hätte-wäre-wenn-Geschichten», sagte der Coach.

Der Streitfall wird am 8. Oktober auch das Arbeitsgericht Mainz beschäftigen. Den Kammertermin bestätigte die Behörde am Dienstag der dpa. Szalai war bei den Rheinhessen aus der ersten Mannschaft verbannt worden und klagt nun auf eine Rückkehr ins Teamtraining. Szalai hatte noch im DFB-Pokal für die Rheinhessen getroffen, flog dann aber aus sportlichen Gründen, wie es von Clubseite hieß, aus dem Kader und soll fortan bei der U23 trainieren.

Markus Schütz hatte als Szalais Anwalt bei «Bild» angekündigt: «Wir haben am Sonntag Antrag auf Verpflichtung von Mainz eingereicht, dass Adam Szalai sofort wieder am Training der Lizenzmannschaft teilnehmen darf.» Der Verein hat Szalai einen Wechsel empfohlen. «Adam wird sich keinen neuen Verein suchen. Er will und wird in Mainz bleiben», kündigte sein Berater Oliver Fischer vergangene Woche an.

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