Nagelsmann-Mission hat begonnen: Leipzigs DNA bleibt

Gute Sprüche, gute Laune - nun müssen auch gute Ergebnisse her. Julian Nagelsmann ist mit RB Leipzig in die Vorbereitung gestartet. Er bleibt noch vorsichtig, was die Ziele betrifft. Der Vereinsboss ist da offensiver: «Wir haben Blut geleckt.»

Leipzig (dpa) - Julian Nagelsmann trug gleich mal das neue RB-Trikot und gab einen Vorgeschmack auf eine neue Leipziger Gute-Laune-Zeit.

«Ganz ruhig, wir sind noch länger hier», sagte er lächelnd zu den Fotografen, deren Kameras ratterten bei den ersten öffentlichen Schritten des 31-Jährigen in RB-Mission. Ob im Plausch mit den zahlreichen Medienvertretern oder im verbalen Doppelpass mit seinem und Leipzigs neuem Sportdirektor Markus Krösche: Nagelsmann sprühte vor Fußball-Lust und Tatendrang, beim ersten öffentlichen Training wurde der 31-Jährige von schätzungsweise über 700 Zuschauern mit Applaus begrüßt. Für Selfies und Autogramme nahm er sich nach den ersten 75 Trainingsminuten auch noch reichlich Zeit.

«Jetzt stehen wir vor einer neuen Zeitrechnung», sagte RB-Geschäftsführer Oliver Mintzlaff: «Wir haben Blut geleckt beim Pokalfinale. Wir wollen in der Bundesliga wieder angreifen.» Nagelsmann, gern forsch und eigentlich immer schlagfertig, formulierte seine Ziele noch etwas zurückhaltender. In den vier Jahren, die sein Vertrag nun gültig ist bei RB Leipzig, wolle er schon irgendwas gewinnen, meinte der neue Cheftrainer.

Eine große Reform von RB nach dem Weggang von Ralf Rangnick (weltweiter Fußballchef von Red Bull) hält der viel beachtete junge Coach nicht für notwendig. Er versuche, seine Ideen «on top zu setzen». Er wolle das Vorgefundene nicht ersetzen, betonte Nagelsmann. «Die RB-DNA wird weiterhin die Basis sein.» Sprich: Aggressives und schnelles Umschaltspiel. «Ich liebe diese Art zu spielen, weil sie sehr emotionalisiert.»

Dass Nagelsmann von Beginn an voll dabei ist, zeigte er beim ersten Training mit seinem neuen Kader. Er unterbrach Übungen, redete auf die Spieler ein, gab Anweisungen, erklärte viel. Mit ihm auf dem Platz waren unter anderem auch der neue Co-Trainer Moritz Volz und 23 Spieler, darunter einige aus dem Nachwuchs des Clubs, aber auch Leistungsträger wie Timo Werner.

Die Zukunft des 23 Jahre alten Mittelstürmers ist aber weiter ungeklärt. «Wir sind in Gesprächen», sagte Krösche. Werners Vertrag ist noch bis zum 30. Juni 2020 gültig. Der Angreifer selbst schweigt seit Monaten beharrlich zu dem Thema, die Bayern werden immer wieder als Interessent genannt. Problem für RB: In einem Jahr bekäme der Club nicht einen Cent Ablöse für den Nationalspieler.

Nagelsmann betrachtet Werner rein sportlich. Trainiere dieser gut, werde er spielen. Wenn nicht, dann nicht. Beim ersten Training einer langen und stressreichen Saison mit der zweiten Champions-League-Teilnahme von RB in der erst zehnjährigen Vereinsgeschichte bekam Werner prompt Hilfe vom neuen Coach. Als Werner vergeblich versuchte, eine zerbrochene Markierungsstange wieder zusammenzubauen, holte Nagelsmann kurzerhand Ersatz. Beide nahmen es mit einem Lachen.

Gut einen Monat hat der ehemalige Hoffenheim-Coach nun Zeit, bis es ernst wird. Vier Testspiele sind geplant, das erste am Freitag in Leipzig gegen den FC Zürich. Am kommenden Sonntag reist er mit seinem neuen Team ins Trainingslager nach Seefeld in Österreich. Das erste Pflichtspiel steht am 11. August im DFB-Pokal beim Zweitliga-Aufsteiger VfL Osnabrück an. Am darauffolgenden Wochenende startet die Meisterschaft für RB beim Bundesliga-Neuling Union Berlin.

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