Nagelsmann startet in Leipzig - der neue Chef gibt sich locker

Die Ära Ralf Rangnick bei RB Leipzig ist zu Ende. Julian Nagelsmann und Markus Krösche haben als Trainer und Manager ihre Arbeit aufgenommen. Los geht's mit viel guter Laune, die großen Herausforderungen warten später.

Leipzig.

"Drei und vier ist sieben. Zwei und sechs ist acht". Es ist eine simple Rechnung, die Oliver Mintzlaff, Geschäftsführer von RB Leipzig, anstellte. Dahinter steckt der "Beginn einer neuen Zeitrechnung", wie der ehemalige Langestreckenläufer im Dienste des Brauseclubs betont. Es geht dabei um den neuen Trainer, um Julian Nagelsmann.

Hinter der Mintzlaffschen Rechnung verbirgt sich die Begründung, wieso sich der Club im Sommer 2018 entschieden hatte, ein Jahr lang auf den neuen Trainer zu warten und erneut auf Ralf Rangnick als Übergangslösung zu setzen. Zum Zeitpunkt der Entscheidung hatte Nagelsmann bei der TSG Hoffenheim - trotz weniger Geld und namhafter Abgänge - eine bessere Bundesligabilanz in der Bundesliga aufzuweisen als RB. Platz drei (Saison 2016/17) und vier (2017/18) eben. Leipzig wurde Zweiter bzw. Sechster. Ein wenig klammert Mintzlaff dabei aus, dass die "Nagelsmänner" in Hoffenheim in der abgelaufenen Spielzeit nur Neunter wurden. Zum Wohlfühlstart hätte das am Montag auch nicht gepasst. So überwog der Stolz darüber, dass dieser hochtalentierte Trainer nun am Cottaweg in die Trillerpfeife bläst. Beim Werben um Nagelsmann namhafter Konkurrenz ausgestochen zu haben, das freute Mintzlaff sichtlich.

Der Trainer gab sich bei seiner Vorstellung selbstbewusst und schlagfertig. "Wir wollen in den vier Jahren nicht nur Spiele, sondern vielleicht etwas Größeres gewinnen", sagte Nagelsmann, der in Leipzig einen Vertrag bis zum Jahr 2023 unterschrieben hat. Dafür ist nach Ansicht des 31-Jährigen keine Revolution nötig: "Die RB-DNA wird weiter die Basis sein. Ich habe keine Riesensprünge vor. Ich will versuchen, meine Ideen obendrauf zu setzen und nicht, Dinge zu ersetzen".

Unter dem Applaus von rund 950 Zuschauern schritt der Coach dann das erste Mal über den Trainingsplatz. Für Nagelsmann ist die Vorbereitung die Chance, seine neuen Schützlinge kennenzulernen. Die 23 Spieler absolvierten zum Auftakt mehrere Kurzpassspielformen. Ähnlich kannte man es von Vorgänger Rangnick. Evolution statt Revolution. Mit auf dem Feld standen acht Nachwuchskicker, darunter Fabrice Hartmann und Tom Krauß, die kürzlich Profiverträge unterschieben, sowie Joscha Wosz, Neffen des ehemaligen DDR-Nationalspielers Dariusz Wosz. Der brasilianische Neuzugang Luan Candido kickte ebenfalls mit. Der zweite Neuzugang Hannes Wolf wird wegen eines Beinbruchs noch länger fehlen.

Große Kaderumwälzungen wird es bei RB in diesem Sommer nicht geben. Aber zwei neue Spieler wünscht sich Nagelsmann vom neuen Manager Markus Krösche dann doch noch. Der 38-Jährige wurde am Montag ebenfalls offiziell vorgestellt und war dabei wesentlich unverbindlicher. Timo Werner soll gehalten werden, man halte die Augen offen, sagte Krösche die zu erwartenden zwei, drei Sätze.

Das neue sportliche Führungsduo kannte sich bislang kaum. "Aber wir haben schon jetzt eine innige Beziehung", lachte Krösche. "Rein platonisch", schob Nagelsmann hinterher. Das breite Grinsen, immer wieder kleine Witze, Schlagfertigkeit - das unterscheidet Nagelsmann vom überernsten Rangnick. Der "Professor", der jetzt direkt beim Red-Bull-Konzern arbeitet, hat seinen Nachfolgern ein bestelltes Feld überlassen.

Auf die beiden jungen Verantwortungsträger warten in der kommenden Saison einige Herausforderungen. Die seit Monaten ungelöste Vertragssituation mit Timo Werner ist so ein Problem. Die Dreifachbelastung mit Champions League, DFB-Pokal und Meisterschaft ein anderes. An diesem Balanceakt war Ralph Hasenhüttl letztlich gescheitert.


Sommerfahrplan 

12. Juli, 18 Uhr: Testspiel gegen den FC Zürich (RBL-Akademie/ausverkauft)

14.-20. Juli: Trainingslager in Seefeld, Österreich

19. Juli: Testspiel, Gegner offen

26. Juli, 18 Uhr: Testspiel gegen Stade Rennes (in Markranstädt)

3. August, 15.30 Uhr: Testspiel gegen Aston Villa (Red-Bull-Arena Leipzig)

11. August, 15.30 Uhr: 1. Runde im DFB Pokal: VfL Osnabrück - RB Leipzig

16.-18. August: 1. Bundesliga-Spieltag: 1. FC Union Berlin - RB Leipzig (fhe)

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