RB-Architekt Ralf Rangnick zieht es in den Süden

Italienische Medien hatten längst spekuliert, jetzt scheint es konkret zu werden: Ralf Rangnick verlässt das Fußball-Imperium Red Bull Richtung AC Mailand. In Leipzig hinterlässt er ein bestelltes Feld.

Leipzig.

Jetzt liegt es an ihm: Ralf Rangnick muss sich entscheiden, ob er sich mit 62 Jahren noch mal ein berufliches Abenteuer, eine echte Großbaustelle zutraut. Genau das ist der AC Mailand nämlich. Das grundsätzliche Interesse der Italiener an Rangnick ist verbrieft, allerdings noch nichts unterschrieben. Eine große Machtfülle soll Rangnick bekommen, Trainer und Manager in einem werden, zudem bis acht Mitarbeiter mitbringen dürfen, schreiben italienische Medien. Doch sagt Rangnick am Ende "Si" oder "No"? Der "kicker" berichtet, dass Rangnick bereits fleißig Italienisch lernt.

Die stolzen Mailänder blicken auf eine Geschichte voller Titel zurück: 18-mal war der AC italienischer Meister, 7-mal Champions-League-Sieger. Die Gegenwart ist eher grau. Auf Platz sieben in der Serie A kämpft die Mannschaft um den Einzug in die Europa League. Der Club gehört einem amerikanischen Investmentunternehmen. Das ist wohl bereit, mit einigen Millionen Euro den Kader kräftig umzubauen. Als Architekt und Aufbauhelfer wäre Rangnick gefragt, den Verein zu alter Größe zu verhelfen.

Mit Zlatan Ibrahimovic stürmt derzeit ein gealterter Weltstar für die Mailänder. "Ich habe noch einen Monat, um Spaß zu haben, danach geschehen Dinge, die man nicht kontrollieren kann", deute der 38-Jährige seinen Abschied an. Rangnick, das ist aus seinen vorherigen Stationen bekannt, steht eher auf junge Talente, denn alte Stars.

Dass RB Leipzig derzeit in der Champions League spielt, ist auch ein Verdienst von Rangnick. Der ist formal nicht mehr bei RB angestellt, sondern als "Head of Sport and Development Soccer" beim RedBull Konzern unter Vertrag. Er arbeitet als eine Art interner Berater der RedBull Clubs. Ein Position, die den ehrgeizigen Rangnick wohl kaum auf Dauer zufrieden stellen wird.

Sollte der Abgang wirklich feststehen, würde er Rangnick eine Lücke im Fußballkonstrukt von RedBull hinterlassen. Sein Netzwerk und sein Wissen haben noch immer einen großen Wert. Gleichzeitig hinterließe er in Leipzig ein bestelltes Feld. Personell ist RB, auf und neben dem Platz, gut aufgestellt.

Und die Kaderplanung für die kommende Saison nimmt Konturen an. Am Mittwoch wurden mit Hee-Chan Hwang und Benjamin Henrichs gleich zwei Neuzugänge präsentiert. Bei Henrichs hatte RB schon vorher zwei Anläufe unternommen, ihn vom AS Monaco in die Messestadt zu locken - beim dritten Versuch kam die Leihe mit Kaufoption zustande. "Ich freue mich schon wahnsinnig auf die neue Saison und kann es kaum erwarten, die Mannschaft kennenzulernen und mit dem Training zu starten", schrieb Henrichs in den Sozialen Netzwerken. "Nach zwei interessanten Jahren in Frankreich bin ich sehr happy, wieder in der Bundesliga zu sein". Der 23-Jährige gilt als Hochbegabter. Er durchlief alle Jugendmannschaft bei Bayer Leverkusen und die Nachwuchs-Nationalmannschaften. Auch bei den Herren kam er schon 3-mal zum Einsatz.

Tempo, Raffinesse, gute Bewegungen sind Eigenschaften, die Henrichs als rechter Verteidiger ausmachen. "Dazu bringt Benni persönliche Eigenschaften mit, Lernbereitschaft und Wille, die ihn weiterbringen", hatte U-20-Nationaltrainer Guido Streichsbier über seinen ehemaligen Schützling gesagt. "Ich wünsche mir, dass er seine Entwicklung so fortsetzt - dann steht Benni eine große Karriere bevor."

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