0:3 - FCE spielt unsicher und ungefährlich

Der FC Erzgebirge Aue verliert deutlich gegen den FC Ingolstadt. Nach der zweiten Niederlage in der zweiten Partie im Jahr 2019 steckt Aue wieder mittendrin im Abstiegskampf der 2. Fußball-Bundesliga.

Aue.

Pascal Testroet hatte das Trikot noch an, da richtete sich der Stürmer an den eigenen Anhang. "Es tut mir extrem Leid für die mehr als 7000 Fans im Stadion", sagte Aues Torjäger nach der 0:3 (0:1)-Niederlage des FC Erzgebirge gegen den FC Ingolstadt. "In der ersten Halbzeit hat es bei uns allen an Zweikampfstärke, Leidenschaft, ja an allem gemangelt. Und in der zweiten Halbzeit war es nicht viel besser", resümierte der 28-Jährige den Auftritt gegen das bisherige Schlusslicht der 2. Bundesliga. Der in der Winterpause so komfortabel wirkende Vorsprung auf die Abstiegsränge schmolz bereits in kurzer Zeit bedrohlich. "Wir sind jetzt wieder mittendrin in dem Pulk, der gegen den Abstieg spielt", konstatierte Testroet. Sechs Punkte trennen Aue als Tabellen-13. noch von den Abstiegsrängen.

Von Beginn an waren beide Mannschaften mit ihren jeweils drei Stürmern im Spiel nach vorn bemüht - beim guten Willen blieb es jedoch meist. Chancen waren Mangelware. Und das lag nicht daran, dass die Abwehrreihen ihren Job so stark machten. Im Gegenteil: Beide Defensivabteilungen wirkten unsicher. Der einzige, der das auszunutzen verstand, war Sonny Kittel. Der Ingolstädter Stürmer dribbelte und wühlte sich mit etwas Glück nach einem Einwurf durch den Auer Strafraum und vollendete aus kurzer Distanz zum 1:0 (14.).

"Mit dem Gegentor war bei uns eine Verunsicherung zu spüren. Wir haben kaum zweite Bälle gewonnen, sind nicht aktiv in die Situationen gegangen", sagte FCE-Trainer Daniel Meyer. "Wir haben über die ganze Zeit nicht richtig als Mannschaft agiert, sondern immer nur punktuell haben sich Leute wirklich reingeschmissen." Ein geblockter Schuss von Emmanuel Iyoha (34.) und eine Freistoßflanke aus dem Halbfeld, die einige Auer in der Mitte verpassten (44.), waren noch die gefährlichsten Situationen. Meyer musste reagieren: noch vor der Pause, weil sich Linksverteidiger Dennis Kempe verletzte, und in der Halbzeit, weil Ole Käuper bei seinem Startelfdebüt für die Erzgebirger einen schwachen Tag erwischt hatte. Der im Winter von Werder Bremen ausgeliehene Mittelfeldspieler hatte nicht nur großen Anteil am Ingolstädter Führungstor, er machte insgesamt eine äußerst unglückliche Figur.

Dominik Wydra und Robert Herrmann kamen in die Partie. Für mehr Sicherheit vor dem eigenen Gehäuse konnten aber auch sie nicht sorgen. Dario Lezcano hatte direkt nach Wiederanpfiff das 2:0 auf dem Fuß, doch Torhüter Martin Männel partierte stark.

Wenig später stand die Auer Nummer eins wieder im Mittelpunkt. Männel wollte nach einer Ecke den Ball sichern, Lezcano stieg mit dem Schlussmann ins Luftduell - und gewann es. Die Frage war: fair oder unfair? Männel erklärte nach Spielende: "Wenn wir als Torhüter keine besonderen Status mehr im Fünfmeterraum genießen, warum muss man ihn dann abkreiden. Aber unabhängig davon: Ich war vor ihm am Ball und deshalb hätte die Aktion abgepfiffen werden müssen." Schiedsrichter Patrick Alt ließ aber weiterlaufen, Jonatan Kotzke staubte zum 2:0 ab (50.).

"Nach dem Tor haben wir keinen Glauben mehr, das Spiel noch zu drehen. Und das ist ein Problem, weil noch genug Zeit gewesen wäre", ärgerte sich Meyer darüber, dass die Partie danach nur noch vor sich hin plätscherte. Das 0:3, der unrühmliche Schlusspunkt aus Auer Sicht, fiel nahezu genauso wie das 0:1. Nach einem Ingolstädter Einwurf ließ Kittel die Auer Verteidiger alt aussehen, spielte diesmal scharf quer und von Cacutalua prallte die Kugel ins Netz (77.). Eigentor, ein Spiegelbild des Auer Auftritts.

"Man sieht, dass uns die defensive Stabilität und die Ruhe im Spielaufbau abgeht. Das hat auch was mit Personen zu tun", versuchte sich Meyer an einer ersten Analyse und verwies auf den im Januar zu Union Berlin gewechselten Nicolai Rapp und den nach einer Knieoperation noch pausierenden Steve Breitkreuz. "Die fehlen uns brutal." Ob Breitkreuz am Samstag beim Auswärtsspiel beim auf St. Pauli auflaufen kann, ist noch unklar.

Meyer wollte trotz des 0:3 Zuversicht ausstrahlen. "Wir müssen jetzt die Ruhe bewahren. Schon in der Hinrunde haben wir uns aus einer schlechten Phase befreit", meinte der Trainer. Pascal Testroet stimmte zu: "Wir sollten uns jetzt nicht zerfleischen. Wir wissen alle, wie wir heute gespielt haben. Das müssen wir ansprechen und intensiv bis Dienstag analysieren. Dann müssen wir nach vorn schauen."

Statistik Aue: Männel - Kalig (V), Cacutalua, Kusic (V), Kempe (41. Wydra/V) - Hochscheidt (V), Fandrich (V), Käuper (46. Herrmann) - Krüger (63. Samson), Testroet (V), Iyoha. Ingolstadt: Tschauner - Paulsen, Kotzke, Mavraj, Paulo Otavio - Cohen, Krauße, Träsch (73. Kerschbaumer)- Pledl, Lezcano (79. Kutschke), Kittel (82. Kittel). Schiedsrichter: Alt (Heusweiler); Zu.: 7100; Tore: 0:1 Kittel (14.), 0:2 Kotzke (50.), 0:3 Cacutalua (77./Eigentor).

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