Das schwere dritte Jahr

Der Abschied ist besiegelt. Am Sonntag wird Mario Kvesic wahrscheinlich zum letzten Mal das Veilchen-Trikot tragen. Zuletzt war er nur noch Reservist oder Tribünengast. Aus Aue nimmt er trotzdem viel Positives mit.

Aue.

Er geht im Guten. Am Sonntag beim letzten Saisonheimspiel gegen Greuther Fürth (Anstoß 15.30 Uhr) wird sich Mario Kvesic von den Fans im Erzgebirge verabschieden. Wenn der Trainer ihn lässt - gern auch auf dem Rasen. 98 Pflichtspiele hat der im bosnischen Siroki Brijeg geborene Kroate in den letzten drei Jahren für den FC Erzgebirge absolviert, dabei 17 Treffer erzielt und elf Vorlagen zu Toren gegeben. Aus der Dritten in die Zweite Liga aufgestiegen ist Kvesic mit den Auern, hat zweimal danach den Klassenerhalt geschafft. Das nimmt er als positive Erinnerung mit, wenn er sich nun einer neuen Herausforderung stellt.

Dass er das Erzgebirge am Saisonende verlassen wird, war schon zeitig klar, zu sehr nagt dieses letzte der drei Veilchen-Jahre an seinem Ego. Nur elfmal durfte er noch ran, ganze dreimal davon in der Anfangself. Zu gut waren die Leistungen von Jan Hochscheidt, der bei FCE auf der Zehner-Position gesetzt ist. Erste Alternative ist Dimitrij Nazarov. An beiden kam Kvesic nicht vorbei. Deswegen bot er sich auch für anderen Rollen an. Ohne Erfolg. "Es war schwer für mich. Ich habe mir natürlich mehr Spielzeit erhofft", gesteht der 27-Jährige, "ich habe trotzdem versucht, im Training immer alles zu geben, mich anzubieten. Aber das fällt natürlich von Woche zu Woche schwerer, wenn man dann am Spieltag nicht dabei sein darf."

Es gab die hellen Momente der Hoffnung. Nach seinem Traumtor Ende September zum 2:1-Sieg der Erzgebirger in Duisburg zum Beispiel. Viele klopften ihm da auf die Schultern. Dass er jetzt noch einmal richtig durchstarten könne, glaubte Kvesic. Dem war nicht so. Den Aktionen des begnadeten Dribblers fehlte nicht selten das Ziel, das richtige Finale. Andere, so sieht es auch der Trainer, sind effektiver. Kvesic musste es akzeptieren. Bei der 0:1-Heimniederlage im Februar gegen Köln war er das letzte Mal auf dem Rasen dabei, danach nur noch Zuschauer. Dass er sich absolut vorbildlich verhalten hat, bescheinigt Daniel Meyer dem Profi. Deswegen will er Kvesic einen letzten Einsatz als Abschiedsgeschenk durchaus gönnen.

Ob es dazu kommt, ist offen. Beim letzten Spiel in Darmstadt - darum hat Kvesic seinen Coach schon gebeten - will er nicht mehr auflaufen. "Ich bin auf der Suche nach einem neuen Verein. Das Dümmste, was mir passieren könnte, ist, mich jetzt noch zu verletzen", begründet der Profi seinen Wunsch.

So gut wie kein Wort Deutsch gesprochen hat Mario Kvesic, als er 2016 ins Erzgebirge kam, ohne Probleme beantwortet er heute alle Fragen des Reporters. Auch das nimmt er mit aus Aue. Wahrscheinlich sieht man sich wieder. "Ich komme auf jeden Fall gern als Gast zurück", lächelt der schlanke Mann. "Lieber aber noch als Spieler." In einem anderen Trikot, auf der anderen Seite. Unterschrieben ist noch nichts, doch sein Berater hat ein paar Optionen in Aussicht. "Ich möchte auf alle Fälle in Deutschland bleiben, in der 2. Bundesliga", sagt Kvesic. "Ich bin dankbar, dass ich hier spielen durfte, habe von einem wie Jan Hochscheidt, aber auch von anderen Jungs viel gelernt", verabschiedet er sich. "Ich gehe im Guten."


Ein Festtag im Dezember, einer jetzt im Mai 

Die Bilanz der Erzgebirger gegen die Kleeblätter ist schlecht. In 23 Zweitligaduellen hieß der Sieger nur fünfmal Aue, aber elfmal Fürth. Sieben Partien endeten unentschieden.

Zweimal standen sich die Teams in der 1. Runde des DFB-Pokals gegenüber. 2004 kamen die Franken weiter, 2016 der FCE.

Ein Veilchen-Festtag war der 8. Dezember 2018. Das Hinspiel dieser Saison gewann die Meyer-Truppe in Fürth nach Treffern von Krüger, Testroet, Hochscheidt, Iyoha und Herrmann mit 5:0.

Gefeiert wird auch am Sonntag: Popstar Joris singt vor dem Anpfiff seinen Song "Glück Auf". Und es gibt Freibier: 1946 Liter stellt der FC Erzgebirge zur Verfügung, ein 50-Liter-Fass pro Punkt, den die Veilchen in dieser Saison eingefahren haben, die Brauerei Wernesgrüner.

Der Verein rechnet mit einem vollen Haus. 13.000 Tickets waren bis Freitagnachmittag im Vorverkauf abgesetzt worden.

Schiedsrichter der Partie ist Florian Heft aus Neuenkirchen in Niedersachsen. (ts)

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