Dynamos Fehler lassen Aue jubeln

Der FCE hat das sächsische Zweitligaduell gegen Dresden mit 4:1 (3:1) gewonnen. SGD-Trainer Cristian Fiél fand deutliche Worte. Aues Coach Dirk Schuster war nicht komplett zufrieden.

Aue.

Die Freude in Reihen des FC Erzgebirge Aue über den 4:1 (3:1)-Sieg im Sachsenderby gegen Dynamo Dresden war trotz des deutlichen Ergebnisses getrübt. "Unsere Gedanken sind bei einem Fan und seiner Familie", sagte FCE-Kapitän Martin Männel. Der Auer Anhänger war laut Polizeiangaben ohne Gewalteinwirkung hinter der Tribüne zusammengebrochen und wurde in ein Krankenhaus gebracht. "Gerade an so einem Tag ist das unschön. Da steht das Sportliche etwas im Hintergrund", erklärte Männel. Am Abend wurde bekannt, dass der Fan am Sonntag gestorben ist.

Mit dem Auftritt seiner Schützlinge war FCE-Trainer Dirk Schuster nicht komplett zufrieden. "Der Sieg war ehrlich gesagt etwas glücklich. Dynamo hat uns in den ersten 20 Minuten vor Probleme gestellt", analysierte der 51 Jahrealte Fußballlehrer. "Wir haben uns aber zurück ins Spiel gebissen."

Dynamo-Coach Cristian Fiél fällte nach der Pleite, die am Ende sogar noch höher hätte ausfallen können, ein hartes Urteil: "Eine Derby-Niederlage, die richtig schmerzt. Das werden wir in den nächsten Tagen nicht so schnell los. Wenn du weiterhin solche brutalen individuellen Fehler machst wie heute, dann werden wir kaum noch Punkte holen."

Während Schuster auf sein bewährtes 4-2-3-1-System sowie das übliche Personal setzte, formierte Fiél sein Team völlig neu. Erstmals agierte Dynamo unter dem Spanier in einem 4-4-2, und mit dem zuletzt von Verletzungssorgen geplagten Kapitän Marco Hartmann sowie Neuzugang Luka Stor hatten die Wenigsten in der Startelf gerechnet.

Auch die erzgebirgische Defensive schien überrascht. Etwa 40 Sekunden nach dem Anstoß tauchte Baris Atik frei im Auer Strafraum auf, sein Schuss war allerdings zu ungefährlich. In der Anfangsphase hatten die Gastgeber Probleme die Flügelspieler Dynamos, Atik und Dzenis Burnic, in den Griff zu bekommen. Die beiden Kreativen trieben sich überall herum.

So hatte die SGD mehr Ballbesitz. Und erzielte verdient die Führung: Burnic steckte stark auf Stor durch - und bei dessen strammer Hereingabe musste Moussa Koné nur noch den Fuß hinhalten (18.). Trotz des Übergewichts konnte sich die Fiél-Elf allerdings nur wenig klare Torchancen erspielen - und leistete sich die Böcke, die ihren Trainer nach Abpfiff zur Verzweiflung brachte. Den Anfang machte Kevin Ehlers. Der Verteidiger vertändelte die Kugel an Jan Hochscheidt. Den anschließenden Querpass des Routiniers konnte Jannik Müller allerdings gerade noch vor FCE-Angreifer Pascal Testroet wegspitzeln (11.).

Den nächsten Bock der Gäste aus der Landeshauptstadt nutzten die Veilchen. Rechtsverteidiger Linus Wahlqvist stellte sich im Zweikampf gegen Hochscheidt ungeschickt an und verursachte einen Strafstoß, den Nazarov sicher zum 1:1 verwandelte (27.). Nach Ehlers und Wahlqvist patzte nun Florian Ballas. Der Hüne köpfte eine im Grunde ungefährliche Auer Flanke direkt vor die Füße des völlig freistehenden Dimitrij Nazarov. Der aserbaidschanische Nationalspieler schlenzte die Kugel vom Strafraumeck in die Maschen - das Spiel war gedreht. "Das ist für uns perfekt gelaufen", meinte Nazarov. "Die Fans haben eine gute Partie gesehen, nachdem wir zuletzt gegen Dresden nicht so gut ausgesehen haben. Wir haben endlich den Fluch besiegt." In den vorangegangenen fünf sächsischen Zweitligaduellen konnte Aue nicht als Sieger vom Platz gehen.

Nach dem Doppelpack von Nazarov legten die Erzgebirger noch vor der Pause nach: Testroet köpfte nach einer Ecke, die der ehemalige Dynamo-Profi mit einem Schuss selbst herausgeholt hatte, aus kurzer Distanz zum 3:1 ein (45.+1).

"Die zweite Halbzeit war dann sehr entspannt. Wir haben damit gerechnet, dass Dynamo noch einmal alles nach vorn wirft, doch sie haben keine Mittel gefunden", resümierte Männel den Rest der Partie kurz und knapp. Die Dresdner sahen das anders. In der 61. Minute bugsierte Koné die Kugel aus kurzer Distanz zum vermeintlichen 2:3-Anschlusstreffer ins Auer Netz, nachdem Männel der Ball nach einer Hereingabe aus den Händen glitt. Doch Schiedsrichter Robert Hartmann schaute sich die Szene auf dem Fernseher am Spielfeldrand noch einmal an, erkannte ein Foul von Dynamo-Kapitän Hartmann an Männel und nahm den Treffer zurück. Zehn Minuten später machte Testroet mit seinem zweiten Tor endgültig den Deckel drauf.

Statistik

Aue: Männel - Kalig (V), Mihojevic, Gonther (V), Rizzuto - Fandrich, Riese - Baumgart, Nazarov (V/79. Wydra), Hochscheidt (89. Kempe) - Testroet (74. Zulechner).

Dresden: Broll - Wahlqvist (71. Kreuzer), Ehlers (59. Jeremejeff), Ballas, Löwe - Atik (V), Hartmann (V), Müller, Burnic (46. Klingenburg) - Koné, Stor.

Schiedsrichter: Hartmann (Ingolstadt); Zuschauer: 15.500; Tore: 0:1 Koné (18.), 1:1, 2:1 Nazarov (27., 39.), 3:1, 4:1 Testroet (45.+1, 71.).


"Das Elfmetertor war der Knotenlöser" 

Pascal Testroet kam vor der vergangenen Saison aus Dresden nach Aue. Sebastian Siebertz sprach nach Abpfiff mit dem zweifachen Torschützen. 

Freie Presse: Ein 4:1-Derbysieg inklusive eines Doppelpacks gegen den Ex-Club - der Tag lief wie gemalt für Sie, oder?

Pascal Testroet: Das kann ich so unterschreiben. Wir haben zwar nicht direkt in die Partie gefunden, aber das Elfmetertor zum Ausgleich war der Knotenlöser. In der zweiten Halbzeit hätte ich noch ein drittes Tor nachlegen können. Aber wir haben konzentriert verteidigt und uns mit dem Sieg dafür belohnt. Ein schönes Gefühl. Es war insgesamt eine traumhafte Woche, wenn ich die Niederlage gegen den Hamburger SV mal ausklammere. Am Samstag vor einer Woche ist das Baby gekommen, am Donnerstag haben wir meinen 29. Geburtstag gefeiert. Wir hatten ein schönes Essen. Ich wäre jedoch auch glücklich gewesen, wenn ich nicht getroffen, wir aber gewonnen hätten.

Wie groß ist die Erleichterung in dieser Saison erstmals in einem Punktspiel getroffen zu haben?

Definitiv sehr groß. Ich habe mir aber relativ wenig Gedanken in den vergangenen Wochen gemacht, weil ich zufrieden mit meinen Spielen war. Ich konnte die Jungs bedienen, war nicht total blass und hatte etwas Pech. Klar ist es wichtig, dass es jetzt losgegangen ist.

Wird es nach so einer Partie schwierig, nun in Sandhausen den Fokus auf das Wesentliche zu behalten?

Nein. Wir werden morgen die Partie analysieren, weil wir heute nicht alles richtig gemacht haben. Das Ergebnis zur Halbzeit war besser als die Leistung. Es gibt noch viel zu arbeiten. In Sandhausen wollen wir dreifach punkten. Und dafür müssen wir hundert Prozent abrufen. Vergangenes Jahr ist uns das gelungen. Es war aber verdammt schwer.


"Der Schiedsrichter hat eine spezielle Sicht der Dinge" 

SGD-Kapitän Marco Hartmann stand diese Saison zum ersten Mal in der Startelf. Sebastian Siebertz zeichnete nach Abpfiff folgendes Interview auf. 

Freie Presse: Sie sind mit dem 1:0 gut in die Partie gekommen. Warum steht nun ein 1:4 zu Buche?

Marco Hartmann: Wir haben nach dem 1:1 den Faden verloren. Wir haben die erste Halbzeit so gespielt, wie wir es wollen - nur in einzelnen Szenen pennen wir komplett. Und dann kriegst du bis zur Halbzeit drei Dinger und fragst dich, wie das passieren kann. In der zweiten Halbzeit gehen wir mehr Risiko. Hätte das 2:3 gezählt, wäre das ein Riesending gewesen, weil wir dran gewesen wären.

Wie bewerten Sie die Szene beim zurückgenommenen Tor? Der Schiedsrichter nimmt das Tor zurück, weil Sie Aues Torwart Martin Männel gefoult haben sollen?

Ich habe es noch nicht im Video gesehen. Ich kann nur sagen, wie ich es auf dem Spielfeld empfunden habe: Ich wollte zum Kopfball gehen, laufe rückwärts und bekomme von hinten und von vorn eine mit, flieg hin und dann kullert der Ball ins Tor. Ich habe nichts gemacht. Ich habe gleich gesagt: Wegen mir nimmt er das Tor nicht zurück. Sollte es um mich gegangen sein, hat der Schiedsrichter eine spezielle Sicht der Dinge.

Haben Sie mit dem Schiedsrichter sprechen können?

Nein, weil ich gedacht habe, dass es gar nicht um mich geht. Aber das ist ein Extrathema und nicht der Grund, warum wir 1:4 verloren haben.

Was bedeutet die Niederlage?

Es zeigt, dass wir über 90 Minuten in jeder Situation gallig sein müssen. Wir haben immer wieder Aussetzer drin. Wir betreiben einen Riesenaufwand, sind in Bewegung, gehen in die Tiefe. Aber durch solche Fehler schenkst du das Spiel einfach her. Das passiert uns zu häufig, und daraus müssen wir lernen.

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