FC St. Pauli am Abgrund: Trainer Luhukay massiv unter Druck

Jos Luhukays Jahresplan, mit dem FC St. Pauli den Weg nach oben einzuschlagen, um nicht nach unten gucken zu müssen, ist bisher nicht aufgegangen. Im Gegenteil: Abstiegskampf pur ist angesagt.

Hamburg (dpa) - Vor zehn Monaten träumte Jos Luhukay vom Aufstieg mit dem FC St. Pauli binnen zwei Jahren in die Eliteklasse, nun sind die Kiezkicker dem Alptraum 3. Fußball-Liga deutlich näher.

Nach dem schlechtesten Start in die zweite Saisonhälfte seit fünf Jahren und bei nur noch einem mickrigen Punkt Vorsprung auf den Relegationsrang ist der ehrgeizige Niederländer umgeschwenkt und hat offiziell den Abstiegskampf ausgerufen. «Man darf nicht die Augen verschließen. Wir müssen zusehen, dass St. Pauli in der 2. Liga bleibt», gab der 55-Jährige nach der unglücklichen 1:2 (0:1)-Niederlage im Nordderby bei Holstein Kiel in den Stadion-Katakomben geknickt zu.

Auch wenn man ihm Henk Veermans Fehlschuss beim Handelfmeter in der Nachspielzeit (90.+5 Minute) nicht ankreiden kann: Wie sein Verein, so steht jetzt auch der mit großen Erwartungen nach Hamburg geholte Trainer-Routinier selbst massiv unter Druck. Denn seit er im April 2019 am Millerntor angetreten ist, den Fans attraktiven und erfolgreichen Fußball bieten zu wollen, war der Unterschied zwischen Anspruch und Wirklichkeit nie so groß. Vor allem fehlt Konstanz: Top-Auftritten wie gegen die Aufstiegskandidaten HSV (2:0), Bielefeld (3:0) und Stuttgart (1:1) folgen Grottenspiele wie zum Jahresauftakt in Fürth (0:3) oder die blutleere erste Halbzeit in Kiel.

Besonders krass ist die Auswärtsmisere: Keines der 15 Spiele unter Luhukays Regie (seit dem 11. April 2019) in der Fremde wurde gewonnen. Der letzte Dreier als Gast gelang am 2. März 2019 Vorgänger Markus Kauczinski. Und der kommt am Freitag (18.30 Uhr) mit Dynamo Dresden zu seinem Ex-Club. Fest steht: Geht auch das Heimspiel gegen den Tabellenletzten schief, wird es für Luhukay eng. Zumal danach auch noch das prestigeträchtige Stadtderby beim HSV wartet.

Immerhin: Auch einigen Führungsspielern ist der Ernst der Lage klar. «Wenn wir es nicht schaffen, eine Positivserie zu starten, werden wir lange unten drinhängen», befand Keeper Robin Himmelmann. Auch Daniel Buballa beschönigt nichts. «Es ist bitter und irgendwie verkorkst, aber im Moment sind wir mittendrin», räumte der Kapitän ein. Dass in Veermann, dem auch das 1:1 gelang (50.), ausgerechnet der derzeit zuverlässigste Torschütze beim Elfmeter versagte, wollte Luhukay diesem aber nicht krumm nehmen: «Ich mache ihm da keinen Vorwurf. Er hat auch heute wieder ein fantastisches Tor für uns gemacht.»

Bleibt abzuwarten, wie lange die St.-Pauli-Verantwortlichen ruhig bleiben. Sportchef Andreas Bornemann haderte am Montagabend mit dem Pech, denn kurz nach Veermans Elfmeter konnte auch dessen Stürmerkollege Viktor Gyökeres einen indirekten Freistoß im Kieler Strafraum nicht zum Punktgewinn nutzen. «Das war eine spektakuläre Endphase mit einem nicht wirklich guten Ende für uns», sagte der Sportchef, wollte später aber keine weiteren Kommentare abgeben.

Präsident Oke Göttlich, der im November 2014 angetreten war, im Club für Kontinuität zu sorgen, hat schon mehrmals Handlungsbereitschaft bewiesen. Drei Sportchefs und vier Fußball-Lehrer wurden seither gewechselt. Trainer Nummer fünf bleibt kämpferisch und hofft schon im Abstiegskrimi auf die Wende zum Guten. «Gegen Dresden müssen wir es besser machen und die Punkte hier behalten», forderte Luhukay. Was Hoffnung macht: Am Millerntor lief es zuletzt besser als auswärts.

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