In Aue gefeiert, in Dresden vermisst: Testroet vor Derby

Pascal Testroet steht vor dem Sachsen-Derby am Montag zwischen Aue und Dresden besonders im Fokus. Der Stürmer wurde bei Dynamo zu Saisonbeginn nicht mehr gebraucht, im Erzgebirge bejubeln die Fans seine Tore.

Aue (dpa) - Gezählt hat er sie nicht, aber es waren «deutlich mehr Interviews als sonst», die Pascal Testroet in den vergangenen Tagen geben durfte. Der Torjäger von Fußball-Zweitligist FC Erzgebirge Aue steht vor dem Sachsen-Derby am Montag (20.30 Uhr/Sky) als ehemaliger Spieler von Gegner Dynamo Dresden besonders im Fokus. «Es war eine sehr interessante Woche. Ich habe mich über die vielen Termine gefreut, denn es ist auch eine gewisse Wertschätzung, wenn man Thema ist. Aber ich bin auch ganz froh, dass es jetzt vorbei ist», sagte Testroet, der sich in den verbleibenden Stunden bis zum Anpfiff auf die Partie konzentrieren möchte: «Ich freue mich auf dieses Derby. Ganz Deutschland wird wahrscheinlich zuschauen.» Denn am Montagabend steht im Auer Erzgebirgsstadion viel auf dem Spiel. Es geht für beide Teams nicht nur ums Prestige, sondern vor allem um wichtige Punkte im Abstiegskampf. Die Erzgebirger haben vor der entscheidenden Saisonphase mit 32 Punkten die bessere Ausgangsposition als die Dresdner, die 2019 noch sieglos sind und mit 28 Zählern nur noch fünf Punkte Vorsprung auf die Abstiegszone besitzen. Doch sowohl der Tabellenstand als auch die Negativserie von Dynamo interessieren Testroet nicht. «Vor einem Derby ist es egal, ob man vorher fünf Spiele gewonnen oder fünf Spiele verloren hat. Mit einem Sieg kann man alles wieder in die richtige Richtung drehen», erwartet der 28 Jahre alte Angreifer eine «hochmotivierte Dynamo-Mannschaft», die nach dem Trainerwechsel von Maik Walpurgis zu Cristian Fiél immerhin noch nicht verloren hat und dazu ihren alten Spielstil mit mehr Ballbesitz-Fußball wieder pflegt. Seit Fiél das Amt des Cheftrainers in Dresden übernommen hat, haben sich einige Daten der Schwarz-Gelben schon verbessert. Kein Team in der 2. Liga hat seitdem so viel Ballbesitz (66 Prozent), spielt so viele Pässe pro Partie (564) und besitzt so eine gute Passquote (87 Prozent) wie Dynamo. Was den Fiél-Schützlingen noch fehlt, ist ein Erfolgserlebnis. Doch dafür müssen sie Tore erzielen. Im Schnitt schießt Dresden für einen Treffer über elfmal auf das gegnerische Tor, nur Greuther Fürth, der FC Ingolstadt und der MSV Duisburg brauchen mehr Versuche. Letztlich ist die Mannschaft auch zu sehr von Top-Torjäger Moussa Koné abhängig, seine Quote liegt bei über 50 Prozent. An 15 der 29 Treffer war der Senegalese beteiligt, schoss neun selbst und bereitete sechs weitere vor. Kein Wunder, dass sich viele Dynamo-Fans einen weiteren Stürmer wie Testroet in den eigenen Reihen wünschten. Seinen ursprünglich bis 2019 laufenden Vertrag in Dresden hatte der Angreifer am 7. August 2018 vorzeitig aufgelöst. In den sportlichen Planungen von Uwe Neuhaus, zu diesem Zeitpunkt noch Cheftrainer der SGD, spielte Testroet keine Rolle mehr. In Aue hat der gebürtige Bocholter sofort eingeschlagen. «Ich höre immer wieder, dass man mich in Dresden vermisst. Aber wenn ein Stürmer bei einem anderen Verein nach seinem Wechsel 13 Tore geschossen hat, ist so eine Reaktion verständlich und sie zeigt, dass wir hier einiges richtig gemacht haben», betont Testroet immer wieder, dass er seinen Schritt aus der Großstadt ins beschauliche Erzgebirge nicht bereut hat. Während Testroet am Montag seine Auer zum Sieg schießen will, soll Martin Männel Tore der Dresdner verhindern. Der Schlussmann ist dienstältester Profi bei den «Veilchen» und der Akteur mit der größten Derby-Erfahrung. Schon 18 Mal stand Männel für den FC Erzgebirge in den Duellen mit Dynamo im Kasten. Dass die «Veilchen» vor einem dieser Spiele in der Tabelle vor den Schwarz-Gelben platziert waren, kam in der Vergangenheit nur selten vor. «Dass wir um den Klassenerhalt kämpfen, ist ja schon Normalität. Aber dass die Dresdner, die vor der Saison ganz andere Ambitionen hatten, derzeit so weit hinten stehen, kommt für mich durchaus überraschend», hat Männel dafür zwei Ursachen ausgemacht: «Wenn ich den Saisonverlauf betrachte, sind wir stabiler und effektiver als Dresden. Dynamo ist in vielen Spielen nicht die schlechtere Mannschaft gewesen, hat aber aus den eigenen Möglichkeiten zu wenig gemacht. Dorthin müssen wir sie auch am Montag wieder bringen», wünscht sich Männel für das Spiel einen Auer Sieg und für den restlichen Saisonverlauf den Klassenverbleib für beide Teams: «Diese umkämpften und emotionalen Derbys würde ich sonst vermissen.»

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...