Mit Mut und Wut: Aues Joker stechen

Der FC Erzgebirge hat in der 2. Fußball-Bundesliga seinen dritten Saisonsieg eingefahren. Durch das 2:1 (0:1) gegen Holstein Kiel verstummt auch die Diskussion um die Aufstellungen des Cheftrainers.

Aue.

Eine Woche wurde rund um Fußball-Zweitligist FC Erzgebirge Aue über die Wechsel in der Startformation diskutiert. Nach den zwei Niederlagen gegen den SV Sandhausen und den SC Paderborn hatte auch Vereinspräsident Helge Leonhardt öffentlich Druck auf das Trainerteam der Veilchen gemacht. Am Sonnabend wechselte Coach Daniel Meyer beim 2:1 (0:1)-Sieg gegen Holstein Kiel mit Emmanuel Iyoha und Dimitrij Nazarov die entscheidenden Torschützen ein.

Von besonderer Genugtuung wollte der Trainer aber nicht sprechen. "Ich konnte nachvollziehen, was passiert ist.", erklärte der 39-Jährige. "Jeder hat so seine Idee, wie er aufstellen würde. Wenn du verlierst, wird immer darüber diskutiert. Erst recht, wenn du so gruselige erste Halbzeiten spielst, wie gegen Sanhausen und Paderborn."

Meyer wollte im Jubel nach einer ereignisreichen Partie nicht zu überschwängliche Töne anstimmen. "Es ist wichtig, dass wir auch nach einem Sieg wissen, wo wir in dieser Liga positioniert sind. Es wird auch wieder Rückschläge geben. Wir sollten diese emotionalen Ausschläge in der Balance halten, damit wir in Ruhe arbeiten können", meinte der FCE-Trainer.

Eine halbe Stunde zuvor waren auch bei Meyer emotionale Ausschläge deutlich zu sehen, während das Erzgebirgsstadion vor Freude tobte. In der Nachspielzeit, fünf Minuten nach seiner Einwechslung, hämmerte Nazarov die Kugel ins lange Eck und sorgte somit für den dritten Saisonsieg der Auer. "Der Fuß hat anschließend ein bisschen weh getan. Da war schon etwas Wut dabei. Es wird alles intern geklärt - aber es ist doch klar, dass ich sauer bin, weil ich mehr spielen will", meinte 28-Jährige, der zuletzt am 1. Spieltag von Beginn an auflief.

Im Vergleich zum erfahrenen Nazarov hielt sich die Wut beim zweiten Auer Joker über den Platz auf der Bank in Grenzen. Bei Iyoha führte nach seiner Einwechslung der Mut zum Tor. "Ich wollte gleich ein Zeichen setzen und das Ding draufhauen", meinte der 20-Jährige zum Ausgleichstreffer (72.). Beim Dribbling durch den Kieler Strafraum wurde der von Düsseldorf ausgeliehene Stürmer eigentlich zu weit an die Außenlinie abgedrängt, krönte sein Solo dennoch aus spitzem Winkel. "Ich muss gestehen, dass ich ihn einfach so hart wie möglich auf das Tor bringen wollte, damit es für den Torhüter schwer wird."

Es war das erste Zweitligator Iyohas. "Das ist ein unbeschreibliches Gefühl - auch wenn man sieht, wie sich Fans und Mitspieler freuen", erklärte der Schlaks. "Es ist für das Selbstvertrauen der gesamten Mannschaft sehr wichtig, solche Spiele noch zu drehen. Das zeigt, dass wir kicken können, obwohl wir unten drin stehen."

Durch den Heimerfolg kletterte Aue in der Tabelle auf Rang 13, zehn Zähler stehen nach neun Spieltagen zu Buche. "Wir haben es in den vergangenen zwei Jahre geschafft, die Klasse zu halten - auch wenn es knapp war. Das werden wir wieder packen", sagte Nazarov. "Ich weiß, dass im Umfeld mehr erwartet wird. Aber es ist für uns schwer, in der Zweiten Liga Spiele zu gewinnen. Wir haben als Aue nicht die Qualität wie andere Mannschaften. Wir dürfen auch jetzt nicht ausflippen, heute war nicht alles gut."

Das wurde vor allem beim Gegentor deutlich: Die Kieler Alexander Mühling und Jae Sung Lee durften sich ungestört den Ball zuspielen, Mühling zirkelte die Kugel mit dem Außenrist punktgenau ins Auer Eck (41.). Dabei zeigten die Erzgebirger im ersten Durchgang eine gute Leistung. Besonders in der Anfangsphase setzten die Gastgeber die Norddeutschen unter Druck. Doch vor dem Tor fehlte entweder das Glück oder die Kaltblütigkeit: Sören Bertram mit einem Distanzschuss (4.) und Pascal Testroet wenige Meter vor dem Tor (6.) scheiterten an Holstein-Keeper Kenneth Gronholm, Clemens Fandrich verfehlte aus der Drehung das Ziel (44.).

Kiels Trainer ärgerte sich über den Auftritt von Schiedsrichter Michael Bacher, der innerhalb von einer Minute Kingsley Schindler mit Gelb-Rot vom Platz stellte (82.). Der Flügelspieler hatte erst bei einem Zweikampf Fandrich mit seinem linken Arm im Gesicht getroffen, und dann den anschließenden Freistoß mit dem rechten Arm abgewehrt. "Bei der ersten Gelben Karte wird eher Kingsley gefoult. Danach noch auf Platzverweis zu entscheiden, ist frech. Außerdem müssen wir in der zweiten Halbzeit einen Handelfmeter bekommen", sagte Walter, der aber auch zugab: "Wir haben nicht die richtige Bereitschaft an den Tag gelegt."

Weil der FC Erzgebirge genau das tat, ist die Diskussion um Trainer Meyer und seine Aufstellungen verstummt. Dass nämlich Altmeister Christian Tiffert überraschend 90 Minuten auf der Bank saß, war nach dem 2:1 nur eine Randnotiz. Siege sind eben die besten Argumente.

Statistik Aue: Männel - Kalig, Breitkreuz, Rapp (V) - Rizzuto, Riese (63. Kvesic), Fandrich, Kempe - Hochscheidt - Bertram (86. Nazarov), Testroet (69. Iyoha). Kiel: Kronholm - Herrmann (V/90.+3 Mörschel), Schmidt, Wahl, van den Bergh (V) - Meffert - Mühling, Lee, Kinsombi - Serra, Girth (46. Schindler). SR.: Bacher (Amerang); Zu.: 7500; Tore: 0:1 Mühling (41.), 1:1 Iyoha (72.), 2:1 Nazarov (90.+1); Gelb-Rot: Schindler (84./Handspiel).

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