Rangeln um die Stammplätze beim FC Erzgebirge

Der FC Erzgebirge Aue geht mit einem mindestens 30 Mann starken Kader in die Zweitligasaison. Viele Profis sind junge Perspektivspieler, ihre Aussichten auf Einsätze jedoch begrenzt. Auf einer Position wollen sich die Veilchen noch verstärken.

Aue.

Quantitativ ist der FC Erzgebirge für die anstehende Saison gerüstet. 30 Profis stehen unter Vertrag. Ein Torhüter und ein Feldspieler für die Außenbahn sollen noch verpflichtet werden - macht 32 Bewerber für elf Plätze in der Startformation. Zumindest theoretisch. Denn in der Praxis sind fünf Positionen bei den Veilchen fest vergeben. Torhüter Martin Männel, Abwehrchef Steve Breitkreuz, Clemens Fandrich im Mittelfeld, Stratege Jan Hochscheidt und Torjäger Pascal Testroet laufen von Beginn an auf, wenn sie nicht verletzt oder gesperrt aussetzen müssen. "Wir haben eine feste Achse und sind deswegen in der Vorbereitung einen Schritt weiter, als wir das im Vorjahr zum gleichen Zeitpunkt waren", freut sich Daniel Meyer vor seiner zweiten Saison als Cheftrainer.

Macht also 27 Spieler und sechs freie Posten? Nicht ganz. Denn Philipp Riese, Dominik Wydra und Calogero Rizzuto sind nicht unantastbar, müssen als Platzhirsche aber erst einmal verdrängt werden. Kurzum: Für die jungen, aufstrebenden Perspektivspieler dürfte es schwer werden, zu den Einsatzzeiten zu kommen, die sie für ihre Entwicklung eigentlich bräuchten. Eine zweite Mannschaft gibt es bei den Erzgebirgern, wie bei so vielen Proficlubs, seit Jahren nicht mehr.

Dass sein Kader generell überdimensioniert ist, weist Meyer zurück: "Im Trainingslager waren wir 23 Feldspieler und drei Torhüter. Das ist eine ganz normale Anzahl. Wenn Dennis Kempe, Malcolm Cacutalua und Louis Samson zurückkehren, wird es dann schon voll." Das Defensivtrio laboriert derzeit an Verletzungen und wird den Pflichtspielauftakt am 28. Juli bei Greuther Fürth verpassen. Trotz der Ausfälle dürfte Innenverteidiger Sören Gonther der einzige der sieben Neuzugänge sein, der in Franken aufläuft.

"Von den Neuzugängen ist Sören mit seiner Erfahrung ja die Ausnahme. Die anderen sind Herausforderer und froh, dass sie bei einem Zweitligisten einen Vertrag haben. Im Training geben sie Gas. Das gefällt mir", sagt der Trainer. Aus der Fraktion der 13 Spieler, die 23 Jahre alt oder jünger sind, klopfen derzeit Tom Baumgart und Florian Krüger am lautesten an die Tür zur Startelf. Beide waren im vergangenen Sommer nach Aue gekommen.

Und der Rest? "Allen wirst du sicher nicht gerecht. Wir sind aber auch kein Ausbildungsverein, sondern stellen eine Profimannschaft", erklärt Meyer. "Im Laufe der Saison wird es die Situation geben, in der ich den einen oder anderen reinwerfe: Dann können sie sich beweisen und wir können sehen, wie weit sie sind. Am Ende hat es jeder Einzelne selbst in der Hand."

Warum die Auer so viele Perspektivspieler verpflichtet haben? Die Verantwortlichen wissen, dass Volltreffer auf dem Transfermarkt - wie Hochscheidt oder Testroet vergangenes Jahr - die Ausnahme bleiben werden. Dafür wachsen die finanziellen Möglichkeiten der Vereine, mit denen die Veilchen um Neuzugänge buhlen, zu sehr.

Unbekannten Namen den Durchbruch zu ermöglichen, ist zudem aus doppelt attraktiv. Sie bringen die Mannschaft nicht nur sportlich weiter, sie spülen im besten Fall beim Abgang auch Ablösesummen in die Kasse. Mit zusätzlichen Einnahmen lassen sich wiederum Lücken leichter schließen. So suchen die Auer derzeit noch einen Flügelspieler. "Auf der Außenbahn wollen wir uns noch verstärken", unterstreicht Meyer. Am Ende der Saison entscheidet eben nicht die Quantität darüber, ob der Klassenerhalt erreicht wird, sondern die Qualität.

Das Aufgebot des FC Erzgebirge Aue in der Saison 2018/19

Torhüter

1 Martin Männel 16.03.1988

34 Daniel Haas 01.08.1983

40 Robert Jendrusch 28.05.1996

Abwehr

3 Marko Mihojevic 21.04.1996

4 Fabian Kalig 28.03.1993

12 Steve Breitkreuz 18.01.1992

13 Louis Samson 03.07.1995

15 Dennis Kempe 24.06.1986

21 Malcolm Cacutalua 15.11.1994

22 Niklas Jeck 18.09.2001

25 Dominik Wydra 21.03.1994

26 Sören Gonther 15.12.1986

36 Filip Kusic 03.06.1996

39 Paul Horschig 01.03.2000

Mittelfeld

5 Clemens Fandrich 10.01.1991

6 Hikmet Ciftci 10.03.1998

7 Jan Hochscheidt 04.10.1987

8 Tom Baumgart 12.11.1997

16 Erik Majetschak 01.03.2000

17 Philipp Riese 12.11.1989

20 Calogero Rizzuto 05.01.1992

23 Nicolas Sessa 23.03.1996

24 John Patrick Strauß 28.01.1996

38 Robert Herrmann 10.08.1993

Angriff

10 Dimitrij Nazarov 04.04.1990

11 Florian Krüger 13.02.1999

14 Philipp Zulechner 12.04.1990

27 Njegos Kupusovic 22.02.2001

33 Christoph Daferner 12.01.1998

37 Pascal Testroet 26.09.1990

Trainerteam

Daniel Meyer (10.09.1979), Cheftrainer seit Sommer 2018; Co-Trainer: André Meyer (05.01.1984), Marc Hensel (17.04.1986); Torwarttrainer: Max Urwantschky (01.08.1981); Athletiktrainer: Marc Lorius (27.01.1982), Daniel Haas (gleichzeitig Torhüter).

Zugänge

Ciftci (1. FC Köln), Daferner (SC Freiburg/ausgeliehen), Gonther (Dynamo Dresden), Kupusovic (Roter Stern Belgrad/ausgeliehen), Majetschak (RB Leipzig), Sessa (VfR Aalen), Mihojevic (PAOK Thessaloniki/ausgeliehen).

Abgänge

Sascha Härtel (an den FSV Zwickau ausgeliehen), Luke Hemmerich (Würzburger Kickers), Emmanuel Iyoha (Fortuna Düsseldorf/Leihe beendet/inzwischen an Holstein Kiel ausgeliehen), Ole Käuper (Werder Bremen/Leihe vorzeitig beendet), Mario Kvesic (1. FC Magdeburg), Jan Král (Mladá Boleslav/Leihe beendet), Maximilian Schlosser (unbekannt).

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