Vom Prunkstück zum Sorgenkind?

Die Verteidigung des FC Erzgebirge Aue stand in dieser Saison meist stabil. Beim 0:3 am vergangenen Sonntag gegen Ingolstadt sah die Defensive schlecht aus. War die Pleite nur ein Aussetzer oder gibt es für die Veilchen Gründe, sich Gedanken zu machen.

Aue.

Trainer Daniel Meyer bezeichnete sie in der Hinrunde als das Prunkstück des FC Erzgebirge Aue in dieser Saison: die Abwehr. Die Ergebnisse gaben dem 39-Jährigen recht. 23 Gegentore kassierten die Veilchen in den 18 Partien bis zur Winterpause. Nur die vier Aufstiegskandidaten Hamburger SV, 1. FC Köln, Union Berlin und der FC St. Pauli ließen weniger Treffer zu. Ein Verdienst der gesamten Mannschaft. Jedoch glänzten die Verteidiger auch individuell: Steve Breitkreuz war gemessen mit einer Quote von 71,2 Prozent gewonnener Duelle der beste der Zweikämpfer der 2. Bundesliga. Malcolm Cacutalua (66,2) als Sechster und Nicolai Rapp (63,4) als Elfter reihten sich ebenfalls weit oben im ligaweiten Vergleich ein.

Wer aber die 0:3-Niederlage der Auer im Erzgebirgsstadion am vergangenen Sonntag gegen den FC Ingolstadt sah, konnte kein Prunkstück erkennen. Das lag nicht nur an den drei Treffern der Gäste aus Bayern. Insgesamt war von der defensiven Stabilität, die die Auer nicht erst seit dieser Saison auszeichnet, wenig zu spüren.

Auf der Suche nach Gründen, nannte Meyer gleich nach der Pleite unter anderem das Fehlen zweier Säulen: der dank einer Ausstiegsklausel im Winter zu Union Berlin gewechselte Rapp und der nach seiner Knieoperation pausierende Breitkreuz. Cacutalua wollte das nicht als Grund durchgehen lassen. "Unser Kader ist gut genug, um bessere Leistungen abzuliefern -auch wenn unbestritten gute Akteure fehlen", sagt der 24-Jährige.

Ebenfalls nicht mehr an Bord: Christian Tiffert. Der nach Halle gewechselte Routinier kam nie auf die Zweikampfwerte eines Breitkreuz - mit seiner Präsenz und Ruhe hatte er bei den Veilchen lange für Stabilität gesorgt. Gegen Ingolstadt ging den Auern ein solcher Führungsspieler spürbar ab. Andererseits spielte Tiffert in der erfolgreichen Phase der Hinrunde nicht mehr die entscheidende Rolle.

Lag es also doch an der Grundordnung? Die Auer liefen gegen die Ingolstädter mit einer Viererkette, drei Mittelfeldspielern und drei Stürmern auf. Sonst verteidigen die Auer mit einer Fünferkette, die im Vorwärtsgang zu einer Dreierkette wird. "Das war nicht zwingend eine Systemfrage. Die Gegentore gegen Ingolstadt fallen aus Situationen, in denen wir einfach wachsamer sein müssen", sagte Cacutalua. "Hätten wir vorher noch nie mit einer Viererkette agiert, könnte man einen Rückschluss darauf ziehen. Wir haben aber mit diesem System schon Superspiele hingelegt." So zum Beispiel beim 3:0 gegen Union Berlin im letzten Spiel vor Weihnachten.

Am Mittwoch, als die Veilchen die Heimniederlage bereits analysiert hatten, erklärt Cacutalua seine Sicht zur Pleite gegen Ingolstadt: "Wir haben alle nicht das gezeigt, das wir können, was uns lange stark gemacht hat." Auch Cacutalua gab gegen Ingolstadt eine unglückliche Figur ab. Der letzte Treffer der Bayern war ein Eigentor des gebürtigen Rheinländers: "Wenn ich wegbleibe kann ihn der Stürmer reinmachen. Es war unglücklich. In der Situation müssen wir vorher anders verteidigen. Aber das Eigentor stört mich natürlich."

Trotz der drei Ingolstädter Tore vom Sonntag stellen die Auer mit 27 Gegentreffern weiterhin die beste Defensive der unteren Tabellenhälfte. Mit dem Auswärtsspiel am Sonnabend (13 Uhr) gegen den auf Rang drei stehenden FC St. Pauli erwartet die Auer eine echte Nagelprobe. An eine Rückkehr von Abwehrchef Breitkreuz ist noch nicht zu denken. Am Mittwoch drehte der gebürtige Berliner in Laufschuhen seine Runden über den Trainingsplatz. Selbst die darauffolgenden Partien gegen den MSV Duisburg (24.2) und das Nachholspiel gegen Köln (27.2.) dürften für den 27-Jährigen zu früh kommen. Die übrigen Verteidiger können also nachweisen, dass das 0:3 ein Aussetzer war, sie nicht von Breitkreuz abhängig sind, sie weiter das Prunkstück der Veilchen bilden.

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