Abenteuer in Utah und Colorado kurz unterbrochen

Für Julia Richter und Anna-Maria Dietze läuft ihr Studium in den USA bestens. Trotzdem mussten die Skilangläuferinnen aus Sayda und Neuhausen erst einmal heimkehren.

Sayda/Neuhausen.

Dass sie in diesem Jahr das Osterfest in der erzgebirgischen Heimat verbringen würde, hätte sie vor einigen Wochen auch noch nicht gedacht. "Eigentlich wäre ich frühestens im Mai wieder nach Sachsen gekommen", sagt Julia Richter. . Doch auch die Pläne der Skilangläuferin vom SSV Sayda, die in Salt Lake City im US-Bundesstaat Utah studiert, wurden vom Corona-Virus durchkreuzt.

Nachdem sie vor gut einem Monat bei der Junioren-Weltmeisterschaft in Oberwiesenthal zwei Rennen bestritten hatte, wollte sie in Utah das aktuelle Semester - Julia Richter studiert Internationale Beziehungen - beenden. "Doch nach zwei Wochen musste ich mich bereits wieder um einen Rückflug kümmern", erzählt die 22-Jährige. Wettkämpfe hat sie in der kurzen Zeit in Nordamerika keine mehr bestritten. "Als wir erfahren haben, dass in Park City, das nur 30 Minuten Fahrt entfernt ist, die Restaurants schließen müssen, hatte ich schon so ein komisches Gefühl."

Dann musste alles ganz schnell gehen. "Binnen 24 Stunden waren die Taschen gepackt. Ich hatte glücklicherweise noch einen billigen Flug bekommen und bin dann fix zurück nach Deutschland gekommen." Dabei hatte die Saydaerin noch Glück: "Einen Tag nach meiner Abreise gab es in Utah ein Erdbeben und der Flughafen wurde geschlossen."

Eigentlich wollte sie in den USA auch ihre Freundin Anna-Maria Dietze (Pulsschlag Neuhausen) besuchen. "Es wären bis nach Boulder in Colorado einige Stunden Autofahrt gewesen, aber aufgrund der Entwicklungen wollten wir beide erst mal nach Deutschland zurück." Inzwischen haben sich die beiden in der Heimat getroffen und gemeinsam trainiert. "In der vergangenen Woche wollten wir eine 60 Kilometer lange Crosstour unternehmen. Letztlich ist es bei 40 Kilometern geblieben", sagt Julia Richter schmunzelnd. Ansonsten genießt die Saydaerin die Ruhe des Erzgebirges. "Für die Uni muss ich natürlich auch noch einiges machen", sagt sie.

Der Studienbetrieb wurde auf Online-Kurse umgestellt. "Mich nervt das ein wenig, weil ich der kommunikative Typ bin und lieber in der Vorlesung sitze." Teile ihrer Familie sieht sie aufgrund der derzeitigen Ausgangsbeschränkungen auch nicht. "Wir machen aber oft Videokonferenzen", sagt sie. "Wir wohnen ja im Mortelgrund etwas am Stadtrand von Sayda - hier ist es ohnehin schon immer ruhig gewesen." Im Herbst will sie in die USA zurück, dann soll das dritte Jahr ihres Studiums beginnen.

Auch für Anna-Maria Dietze läuft im Moment wenig nach Plan. Eigentlich wollte sie dieser Tage eine Hatz in den Loipen von Montana hinlegen, die als Austragungsort für die College-Meisterschaften der USA vorgesehen waren - und mit den Colorado Buffaloes hatte sich die aus Seiffen stammende Studentin viel vorgenommen. Stattdessen aber musste die 20-Jährige, die seit 2019 an der University of Colorado Boulder studiert, über den Flughafen von Denver hetzen, um einen der letzten Flüge in die Heimat zu ergattern.

Dabei fühlt sich Anna-Maria Dietze in den USA schon jetzt pudelwohl, Anpassungsschwierigkeiten hatte sie keine. "Es war der richtige Schritt", sagt die Erzgebirgerin zum Wechsel über den Großen Teich. Vom vergleichsweise beschaulichen Stützpunkt am Fichtelberg führte ihr Weg an eine Uni mit mehr als 28.000 Studenten. "Ich habe aber sofort viele Freunde gefunden", erzählt die Loipenjägerin des Neuhausener Pulsschlag-Vereins, die auf dem Apartment-Komplex der Uni in eine Wohngemeinschaft zog. Dort lernte sie ebenso junge Leute kennen wie in den vielen Kursen, beim Basketballspielen oder in den Trainingseinheiten. "Es geht dort sehr international zu. Die Hälfte unseres Ski-Teams kommt aus dem Ausland", berichtet Anna-Maria Dietze.

Als einzige Deutsche lernt und trainiert sie zusammen mit Athleten aus Norwegen, Schweden und Kanada. Der Alltag gleiche dem von früher an der Oberwiesenthaler Sportschule. Der Unterricht - ihr Hauptfach ist Physik - erfordere genauso viel Energie und Disziplin wie der Sport. In der Loipe hielt sich der Frust über den Abbruch der Meisterschaft in Grenzen. Denn für das Team, zu dem neben den Langläufern auch Alpinskifahrer gehören, lief es am ersten Meisterschaftswochenende nicht optimal. Persönlich war die Seiffenerin jedoch mit ihren Ergebnissen zufrieden.

Am Ende bestand die große Herausforderung aber darin, Hals über Kopf die Heimreise zu organisieren. "Das kam alles ganz plötzlich", sagt die 20-Jährige über die Folgen der Corona-Krise. Die Uni wurde bis zum Sommer geschlossen, internationale Studenten sollten nach Hause reisen. Von Denver wurde ein Ticket via Calgary nach Frankfurt/Main gebucht. "Aber beim Abflug wurde es chaotisch. Es standen falsche Angaben auf dem Ticket", erzählt die Erzgebirgerin, die von einem Schalter zum nächsten eilte - mehrfach vergeblich. Mit vielen guten Worten schaffte sie es dann aber doch noch in die Maschine. Auch in Kanada, wo ihr Flug als der viertletzte gelistet wurde, war Anna-Maria Dietze etwas mulmig zumute. Doch dann lief alles glatt. "Im Flieger war so viel Platz, dass jeder eine Reihe für sich allein hatte", sagt die junge Athletin, die sich nun in der erzgebirgischen Heimat mit Joggen und Radfahren fit hält. Der Fokus liegt aber klar auf dem Unterricht, der im Gegensatz zur Ski-Saison noch nicht vorbei ist.


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