"Werbung für junge Kicker"

Ex-Profi René Tretschok ist mit seinem Fußball-Camp beim SV Clausnitz zu Gast gewesen. Dort liegt der Fokus seit Jahren auf dem Nachwuchs.

Clausnitz.

René Tretschok hat es sich bequem gemacht. Der in seiner aktiven Zeit überaus erfolgreiche Fußball-Profi sitzt auf dem Dach eines Kleintransporters und filmt mit seinem Smartphone, was sich unten auf dem grünen Rasen des SV Clausnitz tut. Gut möglich, dass er sich das zu jener Zeit, da er bei Borussia Meisterschale und Champions-League-Pokal in die Höhe stemmen durfte, noch nicht hat vorstellen können. Aber dass René Tretschok Freude an seiner jetzigen Arbeit hat, das merkt man ihm an. Er ist am Wochenende mit seiner Fußball-Schule im Erzgebirge vor Ort und vermittelt zusammen mit weiteren Fachleuten Wissen und Können an 27 kleine Kicker des Sportvereins Clausnitz, wobei der Fair-Play-Gedanke eine besondere Rolle spielt.

Drei Stationen sind an den zwei Tagen zu absolvieren. "Eine theoretische, bei der es um Fair-Play geht", zählt Dirk Helbig von der mittelsächsischen Sparkassen-Stiftung für Jugend und Sport auf. Dazu komme eine für koordinative und kognitive Fähigkeiten auf einem Vier-Tore-Feld und ein Schnelligkeitstest. Auf Vorschlag von Michael Funke, dem Bürgermeister der Gemeinde Rechenberg-Bienenmühle, zu der Clausnitz gehört, hat die Stiftung die Finanzierung des Ferien-Fußball-Camps übernommen. Martin Stebel freut sich darüber ganz besonders. Er ist Vorsitzender des SVClausnitz und schaut dem Treiben des Nachwuchses interessiert zu. Das Camp ist ein Höhepunkt für den Verein, der schwierige Jahre hinter sich gelassen hat, aber auch nicht ganz sorgenfrei in Richtung Zukunft schaut.

"In der kommenden Saison haben wir beispielsweise keine E-Jugend", sagt Stebel. Zu wenige von den ganz Kleinen, der F-Jugend, hätten sich für die höhere Klasse angemeldet. Doch ist das nur einer der Gründe. Generell gäbe es weniger Kinder in jüngster Zeit. "Es liegt aber auch am Durchhaltevermögen und dem Interesse der Eltern", sagt Marcus Sandig. Der junge Mann ist dem Verein seit 1996 verbunden, wie auch seine ganze Familie. Vater Jörg ist Trainer, die Geschwister stecken ebenfalls mittendrin. Ausgerechnet Marcus Sandig, der mit fünf Jahren zum Verein kam und 15 Jahre Jugendtrainer war, wurde am Wochenende verabschiedet. Sandig konzentriert sich auf seine Arbeit als DFB-Stützpunkttrainer in Freiberg, ist dort für die Talentförderung zuständig. In dieser Eigenschaft holte er kürzlich erst zwei junge Spieler aus dem Clausnitzer Kader.

Der SV Clausnitz ist heute vor allem eine Nachwuchsschmiede. Es gab auch Zeiten mit zwei Männermannschaften und einer A-Jugend, erinnert sich Stebel. Zuletzt bestand immerhin eine Spielgemeinschaft mit Sayda oder Rechenberg-Bienenmühle, die 2018/19 aber auch zurückgezogen wurde. Zudem wollte sich 2015 kein neuer Vereinschef finden. Martin Stebel ließ sich überzeugen und führt seitdem das Ruder. Den Fußball weiß er bei den Sandigs in den besten Händen, betont er. So konnte er auch andere Sportarten etablieren, wie Volleyball und Nordic Walking. Mit inzwischen rund 120 Mitgliedern ist der Verein stabil aufgestellt.

Die jungen Fußballer kommen aus der näheren Region: Dorfchemnitz, Rechenberg-Bienenmühle, Nassau oder Holzhau. Der Weggang von Marcus Sandig bedeutete zunächst eine Zäsur. "Glücklicherweise haben wir in Michael Bonk den richtigen Nachfolger gefunden", sagt Stebel. Alle sind froh, dass nicht auch noch der Jugendbereich wegbricht. Das Fair-Play-Fußball-Camp, so Stebel und Sandig unisono, "ist die beste Werbung, um neue Nachwuchsspieler zu gewinnen".

Dass man in Clausnitz kicken kann, wusste René Tretschok übrigens schon im Vorfeld. Denn die jungen Clausnitzer gewannen schon einmal alle Vorausscheide der Sparkassen-Fair-Play-Soccer-Tour, deren Schirmherr Tretschok ist. Dass das Team nicht auch im Finale auf Rügen triumphieren konnte, lag einfach daran, dass die Mitglieder zu diesem Zeitpunkt im Urlaub waren.

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