Auf den Spuren der Flößer

Einen Boom erlebt derzeit der Freizeit-Radsport. Das Vogtland hat dafür sehr reizvolle Strecken zu bieten. "Freie Presse" stellt einige vor. Heute zum Abschluss: den Kammweg.

Schöneck/Klingenthal.

Der komplette Kammweg führt vom Vogtland bis nach Altenberg im Erzgebirge über knapp 170 Kilometer. Zum Abschluss der Beitragsfolge geht es auf dem vogtländischen Teil davon entlang. Er führt von Schöneck nach Mühlleithen, ist insgesamt knapp 30 Kilometer lang und in zwei bis zweieinhalb Stunden zu bewältigen.

Vor dem Start auf die Kammtour lohnt es sich, am Aussichtsfelsen Alter Söll in Schöneck vorbeizusehen. Dort liegt der Ursprung der Stadt, bis ins 17. Jahrhundert stand genau an dieser Stelle eine Burg. Heute ist nur noch der Felssporn geblieben, von dessen 734 Metern Höhe man ein wundervolles Rundum-Panorama genießen kann.

Vom Felsen aus fährt man durchs Zentrum und folgt der Klingenthaler Straße Richtung Ferienhotel Hohe Reuth. Kurz vor dem Kreisverkehr geht es links in den Wald, wo mehrere Radwege beginnen. Man sollte sich immer an dem Schild orientieren, auf dem die Kammtour ausgewiesen ist.

Der Weg führt auf einem Schotterweg durch den Wald. In diese Richtung ist es sehr entspannt, da es viel bergab geht. Vorbei am Neuwaldteich fährt man immer weiter geradeaus, wobei man sich nicht von anderen Schildern beirren lassen sollte. Schnell ist man an der Talsperre Muldenberg und fährt weiter, bis man nach einem kleinen Anstieg wieder die Klingenthaler Straße erreicht. Dort muss man scharf rechts abbiegen, um der Tour zu folgen. Es schließt sich ein guter Kilometer auf dieser Straße an. Zum Schluss geht es etwas bergauf, bevor man beim Parkplatz Kielfloßgraben nach links abbiegt. Dort kann man sich an einer Infotafel über die Geschichte informieren, dann geht es in den Wald und rechtsherum. Nun folgen knapp sechs wundervolle Kilometer entlang des Kielfloßgrabens. Ungefähr auf der Hälfte der Strecke kann man ein Wasserrad betrachten. Die Geschichte der Flößerei in diesem Gebiet begann 1630, als der Oberforstmeister auf die Holzvorräte in Schöneck stieß, die lukrativ nach Leipzig zu verkaufen waren. Zwei Jahre später wurde der Floßgraben vollendet, bis 1872 wurde das Holz bis nach Leipzig und Halle geflößt.

Auch wenn es stetig bergauf geht, es ist nicht steil und man kann im gemütlichen Tempo radeln. Kurz vor dem Waldhotel Mühlleithen sollte man den etwas versteckten Unteren Floßteich erkunden. Der ist herrlich gelegen und hat etwas Zauberhaftes an sich. Dafür biegt man rechts in einen kleinen Weg ein, der ein paar Meter nach unten führt, bevor man am Teich steht. Auch dort gibt es informative Schilder.

Ist man zurück auf dem Weg, fährt man wenige Meter bis zum Parkplatz Mühlleithen, wo der erste Teil der Tour endet. Danach macht der Radweg seinem Namen alle Ehre. Er führt über den Kamm mit seinen höchsten Punkten. Wer weiter will, kann auf Waldwegen noch circa 12 Kilometer bis Carlsfeld-Weitersglashütte fahren. Die Ausschilderung ist gut. Wer im Winter gern auf Skiern unterwegs ist, wird den Weg ohnehin kennen: Es ist die Kammlauf-Strecke. Dabei muss auch ein sehr steiler und teils gefährlicher Anstieg, der Rammelsberg, gemeistert werden. Dieser Teil ist für Untrainierte nicht zu empfehlen. Auf der Strava-App (siehe den QR-Code am Ende) findet man die Route samt eines Abstechers zum Aschberg.

In Mühlleithen kann man sich ausruhen und zum Beispiel die Sommerrodelbahn nutzen. Der Rückweg beginnt sehr entspannt, es geht den Kielfloßgraben zurück. Diesen Abschnitt sollte man auf jeden Fall genießen und die Ruhe in sich aufnehmen. Rasanter geht es das kurze Stück auf der Straße abwärts. Man sollte jedoch keineswegs vergessen, dass man dann scharf links abbiegen muss. An der Kreuzung Am Saubach sind wieder gute Augen oder Erinnerungsvermögen gefragt, die Kammtour führt an der Gabelung nach rechts. Beim Überqueren der Talsperre bietet sich ein wunderschönes Fotomotiv.

Danach muss man sich wieder etwas mehr anstrengen, denn bis Schöneck ist es ein gutes Stück bergauf, immerhin legt man auf der Tour insgesamt knapp 290 Höhenmeter zurück. Die Ausschilderung ist tadellos, sodass man problemlos den Weg durch den Wald findet. Das Ziel in Schöneck ist die Meilerhütte, ein Imbiss, der nahe an einem Teich gelegen zum Verweilen einlädt.

Da die Tour wieder größtenteils durch Wälder führt, ist sie nicht für Rennräder zu empfehlen. Auch Familien können diese Tour bewältigen, wobei man auf dem Stück Straße achtgeben muss. Ansonsten ist es ein toller Ausflug in die Region mit einem Wechsel von Abfahrten und Anstiegen, meist abseits von Straßen und umgeben von Teichen, Talsperre und Wasserläufen.

Natürlich gibt es noch weitere tolle Radwege, die den Rahmen dieser Serie sprengen würden. Der Elsterradweg und der Musikantenradweg sollen nur genannt werden. Man muss nicht immer in die Ferne, um Erholung zu finden und die Schönheit der Natur zu genießen.

11 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 0
    0
    20Online20
    10.09.2020

    Ein super Beitrag, bin diese Strecke gefahren, war Top.
    Nur den Fahrradweg an der Poehl sollten Sie nicht mehr veröffentlichen. Er ist beschämend und eigentlich gar nicht vorhanden, einfach 10 Daumen nach unten!