Chance auf ein normales Saisonende schwindet

In der Fußball-Regionalliga geht es frühestens am 23. Januar weiter. Beim VfB Auerbach wird trotzdem weiter trainiert.

Auerbach.

Die Fans des VfB Auerbach müssen sich auf eine längere Regionalligapause einstellen. Nach der Entscheidung des Nordostdeutschen Fußball-Verbands (NOFV) am Freitag, in diesem Jahr die Regionalliga in die vorzeitige Winterpause zu schicken, ist noch längst nicht geklärt, wie es danach weitergehen soll. Die Entscheidung an sich sei keine Überraschung gewesen, sagt VfB-Manager Volkhardt Kramer. Schon in den Wochen zuvor hatte sich angedeutet, dass die für den Dezember geplante Rückkehr in den Spielbetrieb nicht möglich sein würde, allein schon aufgrund des Neins des Berliner Senats zur Wiederzulassung von Viertliga-Fußball.

Daher konnten sich die Auerbacher Spieler bereits gedanklich darauf einstellen, was nun feststeht: Sie werden wohl in den nächsten Wochen, wenn nicht gar Monaten, nur trainieren und nicht spielen. Am Samstag hatte sich die Mannschaft zum Training getroffen. "Wir haben kurz über die Situation gesprochen", sagt Coach Sven Köhler. "Natürlich war die Mannschaft erst einmal enttäuscht, weil wir noch Hoffnungen hatten, im Dezember wieder zu spielen. Jeder weiß nun aber auch, dass es für die weitere Saison noch viele Unwägbarkeiten gibt." Und die sind klar zu umreißen: Der ohnehin schon enge Regionalliga-Terminkalender erhält nun zusätzlichen Druck. Eine reguläre Saison scheint schon jetzt so gut wie ausgeschlossen.

"Für mich steht jetzt schon fest, dass wir keine normale Saison zu Ende spielen werden", stellt Kramer fest. Die einzige Minichance darauf sei, wenn das neue Datum des Wiederbeginns 23. Januar gehalten werden kann. "Vielleicht wäre es sogar noch etwas später möglich", sagt Kramer, der die Berechnungen des NOFV-Ligenleiters kennt: Wenn die Saison am 23. Januar fortgesetzt werden würde und im Juni endet, kommen auf den VfB mindestens sechs Wochenspiele zu - sowohl Nachhol- als auch Pokalspiele, die wohl alle unter der Woche stattfinden müssten. Gerade für ein Amateurteam wie den VfB scheint diese Lösung kaum stemmbar zu sein.

Das geht in der Regionalliga aber nicht nur den Vogtländern so. Daher haben sich die Vereine darauf verständigt, nach Alternativen zu suchen, wie die Saison zu Ende gespielt werden kann. Bislang wurde über drei Konzepte gesprochen: ein Saisonende nach der Hinrunde, eine Auf- und Abstiegsrunde nach Ende der Hinrunde oder die Fortsetzung der Saison und ein Abbruch mit einer Quotientenregel, falls es der Zeitplan zu einem bestimmten Zeitpunkt erfordert. "Ich habe noch die bayerische Idee in die Runde geworfen, die Saison über zwei Jahre zu spielen", sagt Kramer. "Zudem ist auch denkbar, die Saison abzubrechen, dann die neue Saison in zwei Staffeln zu spielen und die Ligen-Größe stufenweise zurückzuführen." An Ideen mangelt es also nicht. Wohl aber bislang an Einigkeit, wie es weitergehen soll.

Daher setzen sich die Regionalliga-Klubs in den nächsten Wochen in Arbeitsgruppen zusammen und unterbreiten Vorschläge. Kramers Wunsch: "Wir sollten die Zeit, bis es wieder losgeht, dafür nutzen, uns auf einen Modus zu einigen und erst dann wieder zu starten." Andernfalls drohe ein ähnliches Stimmengewirr wie in den letzten Wochen, als alle Vereine zwar einstimmig für den Re-Start noch in diesem Jahr waren, anschließend aber öffentlich andere Positionen vertraten.

Damit bleiben die Auerbacher Regionalliga-Spieler vorerst in einem Zustand der Ungewissheit: Auf die Trainingsbereitschaft hat sich das allerdings bislang noch nicht ausgewirkt. "Ich spüre eine hohe Bereitschaft im Team", sagt Köhler, der mit seiner Mannschaft bis zum letzten Wochenende vor Weihnachten trainieren wird. "Danach gibt es 14 Tage Pause, bevor wir Anfang Januar wieder anfangen", sagt Köhler. Das hat einen Vorteil: Das Team könnte, sobald es grünes Licht für Spiele gibt, sofort wieder beginnen. Wann auch immer das sein mag.


VfB hofft auf Corona-Hilfe von der Landesregierung

Während der Profi-Sport während der Corona-Pause noch mehr finanzielle Unterstützung erhält, sitzt der VfB Auerbach auf dem Trockenen. "Der rigorose Cut nach der 3. Liga ist schon sehr ungewöhnlich", sagt Trainer Sven Köhler. Er weiß aber auch: "Ohne Hilfen geht es nicht weiter", gerade in einer Liga wie der Regionalliga, die ohne TV-Gelder auskommen muss und stark auf Zuschauereinnahmen angewiesen ist. Deshalb hat der VfB gemeinsam mit den anderen sächsischen Regionalligisten die Politik um Unterstützung gebeten. Noch gab es keine Antwort von der sächsischen Staatsregierung.

Manager Volkhardt Kramer wirbt deshalb darum, dass die Regionalligavereine wie ein von Corona geschlossener Geschäftsbetrieb behandelt werden. "Wir warten nun auf die

Bewertung der Politik", sagt er und hofft, dass das Auerbacher Modell, in der vierten Liga nicht auf Vollprofis, sondern nebenberufliche Spieler zu setzen, Unterstützung erhält. "Natürlich müssen die Hilfen jetzt zunächst dort eingesetzt werden, wo sie am dringendsten benötigt werden. Aber wir müssen auch an die Zukunft denken. Es darf nach Corona nicht ringsherum ein Scherbenhaufen liegen." (masc)

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