"Der Abstieg hat viele Gründe"

Ex-CFC-Spieler Chris Löwe über zwei unvergessliche Jahre in der Premiere League mit Huddersfield Town und seine Zukunftspläne

Plauen.

Das Abenteuer Premiere League geht für ihn langsam zu Ende: Nach zwei Jahren in der höchsten englischen Spielklasse ist der ehemalige CFC-Profi Chris Löwe mit seiner Mannschaft von Huddersfield Town bereits sechs Runden vor Schluss abgestiegen. Mario Schmidt sprach mit dem 29-jährigen gebürtigen Vogtländer über die zu Ende gehende Saison, seine Zukunftspläne und über die Situation bei seinem früheren Verein in Chemnitz.

Freie Presse: Der Abstieg von Huddersfield Town steht fest. Geht damit ein Fußballmärchen zu Ende?

Chris Löwe: In gewisser Weise schon. Was hier in den vergangenen zwei Jahren passierte, ist nicht normal. Mit einem im Vergleich zu anderen Clubs extrem niedrigen Budget haben wir nach unserem unerwarteten Aufstieg 2017 im ersten Jahr sensationell die Klasse gehalten. Auch wenn wir jetzt absteigen müssen, haben diese beiden Jahre den Verein nach vorn gebracht.

Warum hat es diesmal nicht zum Klassenerhalt gereicht?

Dafür gibt es nicht die eine Erklärung, der Abstieg hat viele Gründe. In den beiden Spielzeiten zuvor hat alles von vorn bis hinten hundertprozentig gepasst, und wir hatten auch das nötige Glück, das uns in dieser Saison gefehlt hat. Dazu sind einige unglückliche Entscheidungen getroffen worden.

Von Seiten des Clubs?

Nein, ich meine damit hauptsächlich die Mannschaft. Wir haben beispielsweise in dieser Saison vier oder fünf Rote Karten bekommen - alle in Spielen gegen unmittelbare Kontrahenten im Abstiegskampf und alle in der ersten Halbzeit. Damit haben wir uns gegen Konkurrenten, die wir hätten schlagen müssen, selbst geschwächt.

Englische Medien berichteten, dass sich Spieler von Huddersfield Town offen gegen den deutschen Trainer Jan Siewert wegen dessen angeblich harter Methoden ausgesprochen haben. Können Sie das bestätigen?

Definitiv nicht, ich würde das als Zeitungsente verbuchen. Mir ist jedenfalls nichts davon bekannt. Bei jedem noch so erfolgreichen Trainer der Welt kommt es vor, dass Spieler mit ihm weniger gut zurechtkommen als andere.

Sie haben in Huddersfield bis 2020 Vertrag. Werden Sie den trotz des Abstiegs erfüllen?

Stand jetzt kann ich diese Frage nicht beantworten. Ich weiß noch nicht, wie der Verein plant, wie er sich für Liga zwei aufstellen will. In Kürze wird es Gespräche mit den Spielern geben. Ich habe in Huddersfield die schönsten Momente meiner Karriere erlebt und bin relativ entspannt.

Werden Sie nach Ihrer Zeit in England mit Ihrer kleinen Familie in die Heimat zurückkehren?

Ja. Geplant ist, dass wir 2020 in die Chemnitzer Region ziehen.

Ist eine Rückkehr zum CFC denkbar, oder haben Sie von Ihrem Ex-Verein angesichts der jüngsten Skandale die Nase voll?

Was in den letzten Wochen passiert ist, wirft wieder ein ganz schlechtes Licht auf den Verein. Das schmerzt mich, denn beim CFC habe ich die Grundlagen für das gelegt, was ich heute bin. Ich hoffe, dass endlich Ruhe einkehrt und die Mannschaft sich auf Fußball konzentrieren kann, um in die Dritte Liga aufzusteigen. Außerdem wünsche ich mir Kontinuität bei den handelnden Personen im Verein. Ob ich eines Tages ernsthaft über eine Rückkehr zum CFC nachdenken werde, ist fraglich.

Ihre früher von den Fans gefeierten Chemnitzer Mitspieler Benjamin Förster und Ronny Garbuschewski spielen heute in der Regionalliga, während Sie in der besten Liga der Welt aktiv sind. Wie ist so etwas möglich?

Vielleicht bin ich ein gutes Beispiel dafür, dass man nicht unbedingt ein großes Talent sein muss, um weit zu kommen. Fleiß, Hartnäckigkeit und die richtige Einstellung haben bei mir dazu geführt, dass ich Premiere League spielen darf. Zudem sollte man als junger Spieler nicht gleich beim ersten Widerstand aufgeben. Und natürlich gehört auch das Quäntchen Glück dazu.

In wenigen Tagen werden Sie 30 Jahre alt. Wie wird gefeiert?

Ganz klein. Wir gehen in Huddersfield mit Freunden essen. Die Feier in der Heimat wird vielleicht während der Sommerpause nachgeholt. Dass ich den 30. Geburtstag nicht groß aufziehe, liegt auch daran, dass ich mich noch nicht so alt fühle. Körperlich bin ich auf einem sehr guten Level, auch weil ich von großem Verletzungspech verschont geblieben bin.

Was wollen Sie nach Ihrer Profikarriere machen?

Da habe ich noch keine konkreten Vorstellungen. Klar ist nur, dass ich nicht als Trainer oder Manager im Fußball arbeiten will. Meine Frau und ich sind sehr heimatverbunden und haben keine Lust, auch in Zukunft vielleicht alle zwei bis drei Jahre umzuziehen.


Chris Löwe - Vom Regionalligaspieler zum Profi in der Premiere League

Der ehemalige Spieler des Chemnitzer FC wurde am 16. April 1989 in Plauen geboren. Als Siebenjähriger begann Chris Löwe in seiner Heimatstadt beim 1. FC Wacker mit dem Fußballspielen. 2002 kam der damals 13-Jährige zum CFC, dessen Trikot er neun Jahre lang tragen sollte.

Den Durchbruch in der Männermannschaft der Himmelblauen schaffte Löwe in der Regionalliga- saison 2009/2010, als er sich unter Trainer Gerd Schädlich als Stammkraft im linken Mittelfeld etablierte. Löwe bestritt in jenem Spieljahr alle 34 Ligapartien und holte mit dem CFC den Sachsenpokal.

2011 schrieb der gebürtige Vogtländer ein Kapitel Chemnitzer Fußballgeschichte mit: Löwe hatte mit konstant starken Leistungen maßgeblichen Anteil am Aufstieg des Clubs in die Dritte Liga. Die dazugehörige zünftige Feier war für ihn zugleich der Abschied von den Himmelblauen: Löwe wechselte zu Borussia Dortmund, wo er sich jedoch keinen Stammplatz erkämpfen konnte. So ging er 2013 zum 1. FC Kaiserslautern. Im Sommer 2016 wechselte er schließlich auf die Insel, schloss sich dem englischen Zweitligisten Huddersfield Town an.

Unter dem deutschen Trainer David Wagner schaffte Huddersfield 2017 völlig überraschend den Aufstieg in die Premiere League. Als Sensation bezeichnete Löwe, der mit seiner Jugendliebe Monique verheiratet ist und einen Sohn hat, den Klassenerhalt des Teams in der darauffolgenden Saison. Die "Terriers", wie der Spitzname der Mannschaft lautet, blieben in der Premiere League, obwohl sie mit dem niedrigsten Budget aller Clubs angetreten waren.

Huddersfield liegt rund 50 Kilometer östlich von Manchester und hat etwa 150.000 Einwohner. (ms)

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