Der Aschberg wird zur Zugspitze

In ganz Deutschland fielen große Laufveranstaltungen der Coronakrise zum Opfer. Einige wurden kurzerhand ins Internet verlegt. So kam der Pöhler Uwe Schneider zu seinem zweiten Start beim Zugspitz-Ultratrail.

Pöhl.

Die letzten 1,4 Kilometer bis zum virtuellen Zieleinlauf absolvierte Uwe Schneider am Samstag ganz entspannt vor der Haustür. Die mehr als 100 Kilometer zuvor, die der 47 Jahre alte Pöhler bereits am 13. Juni lief, hatten es deutlich mehr in sich. Von seinem Heimatort aus machte sich Schneider zunächst auf in Richtung Greiz, um dann ab der Göltzschmündung über weite Strecken dem Vogtland-Panorama-Weg bis hinauf zum Aschberg zu folgen. Am Ende standen genau 104,61 Kilometer für den 47-Jährigen zu Buche und damit die erfolgreiche Teilnahme beim ersten virtuellen Zugspitz-Ultratrail.

Die Laufveranstaltung rund um Deutschlands höchsten Berg sollte am vergangenen Wochenende das Jubiläum der zehnten Auflage feiern. Doch auch sie fiel wie viele andere Wettkämpfe der Coronakrise zum Opfer. Aus der Not machten die Organisatoren ein Stück weit eine Tugend und boten kurzerhand eine virtuelle Version an. "Wichtig war, dass man die entsprechende Kilometeranzahl innerhalb einer Woche läuft. Das musste nicht am Stück sein, ich hätte zum Beispiel an fünf Tagen jeweils rund 20 Kilometer laufen können. Und auch die Höhenmeter waren nicht entscheidend für die erfolgreiche Teilnahme", erzählt Uwe Schneider.

Die an der Zugspitze zu bewältigenden Höhenmeter zu erreichen, wäre wahrscheinlich nicht nur für ihn schwierig geworden. Immerhin 5491 sind es beim realen Zugspitz-Ultratrail, der Vogtländer kam am Ende auf 2792. "Wenn man das wirklich schaffen will, müsste man ja immer nur berghoch und bergrunter laufen", betont der 47-Jährige, der wie fast 400 andere Läufer die längste Distanz der Veranstaltung unter die Füße nahm. Morgens um 4 Uhr machte er sich auf den Weg und erreichte kurz nach 18 Uhr das Ziel auf dem Aschberg.

2013 hatte Schneider die Tour rund um die Zugspitze schon einmal vor Ort absolviert. Bei der Heimversion erwies sich vor allem die Verpflegung als eine der größten Herausforderungen: "Bei den Wettkämpfen gibt es natürlich immer wieder Punkte, wo die Läufer mit Getränken und Essen versorgt werden. Ich hatte mir bei meiner Streckenplanung angeschaut, wo ich in etwa aller 30 Kilometer meine Vorräte auffüllen kann", sagt Uwe Schneider. Am Kuhberg bei Schönheide brachte ihm der Plauener André Auerswald noch einiges mit. Gemeinsam absolvierten sie die letzten Kilometer der Route bis zum Aschberg, wo sie Ronny Lange trafen. Der hatte sich aus Bad Elster auf den Weg gemacht. Mit 82 Kilometern meisterte er die Supertrail-Strecke des Zugspitz-Wettbewerbs.

Dass er noch einmal einen 100-Kilometer-Lauf bewältigen würde, hatte Uwe Schneider Anfang des Jahres kaum für möglich gehalten. Nach einer Verletzung im vergangenen Jahr wollte er sich aus dem Wettkampfgeschehen zurückziehen und nur noch für sich selbst laufen. Dann kam Corona und warf seine Pläne ein wenig über den Haufen. Vor dem Zugspitz-Ultratrail lief der 47-Jährige im Mai gemeinsam mit André Auerswald den Rennsteiglauf at Home auf der Saalehorizontale rund um Jena.

Auf seinen heimischen Routen rund um die Pöhl und im Elstertal wartet auf Uwe Schneider aktuell noch eine andere Herausforderung. Er will die Strecken der Trails4-Germany-Laufserie dauerhaft ausschildern. Den Wettkampf hatte Schneider vor zwei Jahren gemeinsam mit Jasmin Wolf erstmals ins Vogtland geholt. Anfang Oktober ist die dritte Auflage geplant. "Es liegt mir sehr am Herzen, dass sich das Format hier im Vogtland etabliert", betont Uwe Schneider. Er selbst hat läuferisch noch einen anderen Traum: Den Vogtland-Panorama-Weg am Stück zu absolvieren. "Das sind 230 Kilometer. Das ist in vielen Bereichen eine logistische Herausforderung. Aber vielleicht passt irgendwann mal alles zusammen."

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