Der schnelle Abschied von den Matten

Die lang herbeigesehnte Bundesliga-Saison der Markneukirchener Ringer dauerte nur drei Kämpfe. Nun richten sich alle Hoffnungen auf geplante Einzelmeisterschaften.

Markneukirchen.

Zehn Jahre mussten die Anhänger des AV Germania Markneukirchen warten, ehe es wieder Kämpfe ihrer Mannschaft in der Ringer-Bundesliga gab - doch lange Freude hatten sie daran nicht. Nach nur drei Kampftagen war die Saison der Ringer zunächst für den AV Germania und wenige Stunden später für die komplette Liga schon wieder beendet. Gestoppt wurden die Kampfsportler von einem kleinen, für das menschliche Auge unsichtbaren Virus.

Nur 17 der insgesamt 26 Bundesligateams wollten nach vielen Diskussionen und der Erarbeitung tragfähiger Hygienekonzepte überhaupt in drei Vorrundengruppen die Kämpfe aufnehmen. Schon kurz vor dem Start fiel bereits der KSV Witten aus der Reihe der Kampfeswilligen heraus, als im Verein Coronainfektionen auftraten. Kurz nach Saisonstart erwischte es den ASV Urloffen (Baden-Württemberg), den KV Riegelsberg (Saarland), den ASV Mainz und nicht zuletzt auch den SV Johannis Nürnberg, gegen den Markneukirchen ein Wochenende später kämpfen sollte, wenn der Germania-Vorstand nicht die Reißleine gezogen hätte.

"Der Hauptgrund für unseren Ausstieg war, dass wir Verantwortung für die Athleten, die Helfer, aber auch für die Fans übernommen haben", bekräftigt der Markneukirchener Vereinsvorsitzende Jens Berndt und verweist auf die sprunghaft angestiegenen Infektionszahlen in der Region zum Zeitpunkt des Mannschaftsrückzugs. "Wir saßen mehrere Stunden im Vorstand zusammen, bis wir die Entscheidung getroffen hatten, das Team aus dem Ligenbetrieb zurückzuziehen", so Berndt.

"Mit rund 100 Zuschauern in der Halle und entsprechenden Hygienemaßnahmen wie beim ersten Heimkampf hätten wir die Saison fortgesetzt, doch die steigenden Infektionszahlen und der damals bevorstehende Lockdown ließen keine andere Entscheidung zu", ergänzt Mannschaftsleiter Jörg Guttmann traurig, der auf eine bis dahin starke Leistung der Germania-Mannschaft verweist. Markneukirchen hatte den ersten Kampf beim Mitaufsteiger KSC Hösbach klar 18:8 gewonnen, unterlag gegen die Staffelfavoriten Wacker Burghausen 5:16 und ASV Schorndorf 8:16. Das Germania-Team hatte dabei den beiden Tabellenführern der Vorrundengruppe Südost alles abverlangt.

"Gerne hätten wir noch die Kämpfe gegen Kleinostheim, Nürnberg und den Rückkampf gegen Hösbach absolviert. Aber man muss einfach akzeptieren, dass die Gesamtlage der Pandemie den Kraftakt, den die Vereine Samstag für Samstag hätten stemmen müssen, nicht mehr zulässt", erklärt Jens Berndt. Die Helfer seien mit den Vorbereitungen, der Durchführung und den Aufräumarbeiten einfach am Limit angelangt. "Dennoch ist positiv hervorzuheben, dass uns die vielen Sponsoren in dieser schwierigen Zeit die Treue halten, selbst wenn die Saison nicht zu Ende gerungen wird. Darauf sind wir richtig stolz", freut sich Jörg Guttmann über den Rückhalt der über 90 meist regionalen Firmen.

Gemeinsam mit Markneukirchen warfen auch der ASV Hüttigweiler aus dem Saarland sowie die Wrestling Tigers Rhein/Nahe das Handtuch, nachdem zahlreiche Kämpfe verschoben werden mussten und sich auch immer mehr Athleten aus verschiedenen Vereinen infiziert hatten. "Uns betraf es zwar nicht, aber man muss es auch nicht herausfordern", sagt Jens Berndt und verweist auf einen Fall bei Johannis Nürnberg, den Verein, gegen den der nächste Kampf anstand. Nur wenige Tage später sprachen sich sechs der elf verbliebenen Teams für den Abbruch der Bundesligasaison aus. Der Deutsche Ringer-Bund folgte dem Votum der Vereine.

"Auch wenn die Ringerhalle nun wieder bis voraussichtlich Ende November gesperrt ist, denken wir schon weiter, planen den Neubeginn des Trainings, blicken auf mögliche Einzelmeisterschaften im neuen Jahr und drücken dabei vor allem den Auswahlringern Franz Richter, Marco Stoll und Maximilian Simon die Daumen für die anstehenden Trainingslehrgänge und Wettkämpfe", blickt Jens Berndt gemeinsam mit seinem Vorstand optimistisch in die Zukunft.


Pausaer Nils Buschner empfiehlt sich dem Bundestrainer

Nach dem vorzeitigen Ende der Saison in der Ringer-Bundesliga liegt die Hoffnung der deutschen Kaderathleten auf der Durchführung der für den 14. bis 20. Dezember in der serbischen Hauptstadt Belgrad geplanten Weltmeisterschaft.

Angesichts des Lockdowns bleiben die deutschen Ringer in den heimischen Trainingszentren unter sich, trainieren auch bei den zentralen Lehrgängen ohne ausländische Beteiligung. So wurde vor wenigen Tagen ein internes Kaderturnier der Männer und Junioren im griechisch-römischen Stil ausgetragen. Schauplatz war der Olympiastützpunkt in Heidelberg. Mit den Markneukirchenern Franz Richter (Klasse bis 130 Kilogramm) und Marco Stoll (66/72 kg) sowie dem Pausaer Nils Buschner (66/72 kg) nahmen gleich drei vogtländische Ringer daran teil.

Die Gewichtsklassen bis 66 und 72 Kilogramm kämpften in einer Gruppe. Mit dem dreifachen Weltmeister und amtierenden Europameister Frank Stäbler fehlte der große Favorit verletzungsbedingt, dafür trumpfte mit Nils Buschner (Foto) ein Ringer aus dem Vogtland auf, der noch im Juniorenalter ist. Buschner gewann alle drei Begegnungen vorzeitig und dürfte sich damit im Notizbuch von Bundestrainer Michael Carl verewigt haben, wobei die Konkurrenz allerdings eher aus der tieferen Gewichtsklasse bis 66 Kilogramm kam. So boten hinter Buschner die Nachwuchsringer Aaron Bellscheid aus Nordrhein-Westfalen und Markneukirchens Marco Stoll, die beide erst von den Kadetten zu den Junioren aufgestiegen sind, einen sehenswerten Kampf, den Bellscheid durch die letzte Aktion 8:7 für sich entschied. Stoll unterlag später Buschner 0:9.

Im schwersten Limit setzte sich Eduard Popp aus Württemberg durch, der seine Olympiafahrkarte ebenso wie Denis Kudla und Frank Stäbler schon in der Tasche hat. Gegen den Markneukirchener U-23-Ringer Franz Richter nutzte Popp einen Fehler, der dazu führte, dass sich Richter aus der Fassart nicht mehr lösen konnte und zum 0:9 ausgerollt wurde. Das folgende Duell zweier Ringer aus dem Stützpunkt Frankfurt (Oder) gewann Richter gegen Christian John klar 11:2.

Bundestrainer Michael Carl freute sich über die Leistungen bei diesem Kaderturnier, bei dem sich auch die Junioren ordentlich verkauften. Der Coach hofft, dass wenigstens die Weltmeisterschaften im Dezember stattfinden können, um den Athleten noch einmal eine internationale Leistungsüberprüfung in diesem Jahr zu ermöglichen. Der Deutsche Ringer-Bund hat Mannschaften in allen drei Stilarten für die Titelkämpfe gemeldet. Die Entscheidung über die Austragung haben die Verantwortlichen des Ringer-Weltverbandes für die nächsten Tage angekündigt. (rjö)

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