Erstmals gehts nach Österreich

Downhillfahrer Ralf Müller aus Oelsnitz rast mit seinem Bike waghalsig Berghänge hinab. Ein neues Rad und hartes Training sollen nun erste Erfolge in einer internationalen Rennserie bringen.

Oelsnitz.

Der Oelsnitzer bringt die Wiesenstraße gemeinhin aufgrund des gleichnamigen Motorradclubs eher mit zweirädrigen Kraftfahrzeugen in Verbindung. Ebenfalls auf zwei Rädern und in halsbrecherischem Tempo, aber ohne die Unterstützung eines Motors, bewegt sich ein dort ansässiger 48-Jähriger fort. Ralf Müller ist Downhillfahrer, sprich, er rast mit einem speziellen Mountainbike möglichst schnell und oft steile Berghänge hinab. Das tut er mit Begeisterung seit zwölf Jahren.

Ursprünglich war Müller im Go-Kart-Sport beheimatet, fuhr dort auch in der Ostdeutschen Meisterschaft mit. Doch die Kleinrennwagen waren dem als Kraftfahrer tätigem Oelsnitzer auf die Dauer zu kostspielig. "Da hab ich was Neues gesucht und bin aus Spaß mal ein Mountainbikerennen in Schöneck mitgefahren", erzählt er. "Da habe ich gemerkt, dass mir speziell das Bergeinfahren riesigen Spaß macht und mir war klar: Genau das will ich machen!"

Gesagt, getan: Anfangs war es oft nur ein offizielles Rennen pro Jahr, das der Oelsnitzer bestritt. Nach und nach wurden es mehr. Seit 2017 ist Müller beim IXS-Cup, einer internationalen Rennserie, am Start. In dieser fuhr er voriges Jahr Rennen in Willingen, Winterberg, Ilmenau und Thale sowie im tschechischen Klinovec mit. Dabei ist er stets allein unterwegs. "Ich bin nicht nur der Pilot auf dem Bike, sondern auch mein eigener Servicemann und natürlich der Fahrer zum Wettkampfort", lacht Müller. Dass sein Ein-Mann-Team "Brunch Racing" heißt, ist schnell erklärt: "Ich esse halt gerne und zelebriere das auch richtig", grinst er.

Auch wenn es für ganz vordere Platzierungen noch nicht gereicht hat: Wenn die Serie am 8. Mai wieder beginnt, ist auch der Oelsnitzer am Start. "Dieses Jahr im Juli will ich erstmals bei einem Rennen am Semmering in Österreich mitfahren", sagt er stolz.

Doch nicht nur der Sport an sich, sondern auch der Zusammenhalt in der Szene begeistert den Vogtländer: "Wenn du mal schwerer gestürzt bist, halten 90 Prozent der Konkurrenten an und wollen helfen. Und auch die Erfahrungen werden ausgetauscht. Da macht kaum einer ein Geheimnis daraus, wenn er mal einen Dreh gefunden hat, um besser zu sein. Da habe ich schon viel dazulernen können."

So meinten beispielsweise viele seiner Sportkollegen, dass sein Rad eigentlich zu klein für ihn sei. "Ich wollte das nicht wahrhaben, merkte aber mit fortlaufender Zeit, dass es stimmt", gesteht Müller. Daher geht er in diesem Jahr mit einem etwas größeren Bike in die Rennsaison.

Auf diese bereitet sich der Oelsnitzer mit dreimaligem Training pro Woche vor. Neben Radfahren gehören auch Laufen und Kraftsport in einem örtlichen Fitnessstudio dazu. Müller: "Ich habe jetzt ein eigenes Trainingsprogramm, da ich merkte, dass mir am Ende schon ein wenig die Kraft ausging. Das soll dadurch jetzt besser werden."

Und auch gemeinsame Übungseinheiten mit einer der Legenden der Downhillszene, Hans-Jürgen Wurlitzer aus Markneukirchen, geraten Müller sicher nicht zum Nachteil. "Von Hansi kann man unheimlich lernen", sagt er. "Der ist ein richtiger Beißer, der gibt nie auf. Einfach bewundernswert, was er leistet."

Müller selbst sieht sich auf dem aufsteigenden Ast. "Voriges Jahr lief es so gut wie noch nie. In Willingen war es nur ein Sturz, der mich eine vordere Platzierung gekostet hat." Wenn am 8. Mai im thüringischen Ilmenau der Startschuss zum ersten von neun Rennen im IXS-Cup fällt, wird sich zeigen, was das Training, das neue Rad und die Tipps der anderen Sportler wert waren.


Einen Monat für
nur 1€ testen.
Verlässliche Informationen sind jetzt besonders wichtig. Sichern Sie sich hier den vollen Zugriff auf freiepresse.de und alle FP+ Artikel.

JETZT 1€-TESTMONAT STARTEN 
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.