Fast ohne Training EM-Ticket gelöst

Sven Jacob aus Bergen hat es in die Nationalmannschaft der Crossgolfer geschafft. Er ist der Vogtlandsportler der Woche.

Bergen.

Für Sven Jacob ist alles eine Frage der Taktik: Nicht immer muss der kürzeste Weg zum Ziel auch der beste sein, manchmal ist sogar der Umweg der Schlüssel zum Erfolg. Das leicht Anarchische, das Abwechslungsreiche und Kreative ist es, was ihn nun schon gute sechs Jahre am Crossgolf fasziniert.

Crossgolf? Wer von dieser Funsportart noch nichts gehört hat, muss nicht an sich zweifeln. Die Szene ist überschaubar, Meisterschaften gibt es nicht, übers Internet verabreden sich die Freizeitsportler zu Turnieren. "Crossgolfer verwenden dieselben Schläger wie richtige Golfer, spielen in der Regel auch 18 Bahnen. Und Sieger ist bei uns auch der, der die wenigsten Schläge braucht, um den Ball ins Ziel zu bringen", erklärt der in Bergen lebende gebürtige Plauener.

Das war's dann auch fast mit den Gemeinsamkeiten. Der verwendete Ball ist deutlich leichter, was vor allem an den Zielen liegt: Fensteröffnungen, Papierkörbe oder Tischplatten zum Beispiel. Ein hart geschlagener normaler Golfball könnte da beim Verfehlen einigen Schaden anrichten, der Kunststoff-Crossgolf-Ball eher nicht. Auch die Wahl des Schlägers ist nicht ganz so entscheidend wie bei Tiger Woods und Co. "Theoretisch könnte man alle Bahnen mit nur einem Schläger spielen, das würde aber kaum etwas bringen", sagt Sven Jacob.

Vor Jahren hatte er in Plauen eine kleine Truppe Crossgolfer um sich geschart und beispielsweise mit einem Turnier im Freibad Haselbrunn für Aufsehen gesorgt. Clou war der Abschlag vom Zehn-Meter-Turm. Irgendwie ist aber alles wieder eingeschlafen, auch Jacob griff nur selten zum Schläger - und dann eher auf dem Golfplatz in Pöhl. "Als selbstständiger Montagebauer fehlt mir die Zeit", sagt der 36-Jährige.

Als er jetzt vom Qualifikationsturnier für die deutsche Nationalmannschaft hörte, war sein Ehrgeiz geweckt. 108 Teilnehmer hatten sich am Wochenende in Mannheim in einer ehemaligen USA-Kaserne getroffen und um die zwölf Startplätze gespielt. Jacob hat offensichtlich nichts verlernt: Mit 90 Schlägen für 18 Bahnen landete er auf Platz 5, die Besten brauchten 82. Damit hat der Bergener einen Startplatz sicher für die EM am 16. September in Prag. Die Vorfreude darauf ist ihm anzumerken. "Deutschland war bei der EM bisher immer unter den besten Drei, es wäre schon schön, wenn das diesmal wieder klappen würde." Zuschüsse gibt es übrigens keine. "Wir bezahlen alles aus eigener Tasche. Nur das Startgeld wird aus den Einnahmen von Mannheim gestellt."

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.

    Lesen Sie auch
    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...