Freitag verpflichtet, Samstag getroffen

Fußball-Regionalligist VfB Auerbach hat mit dem 1:1 (0:0) bei Viktoria Berlin zum dritten Mal in Folge gepunktet. Ein 19-Jähriger spielte sich dabei in den Vordergrund.

Berlin.

Um ein Haar hätte sich Paul Horschig am Samstagnachmittag nur auf der Tribüne des Stadions in Lichterfelde zurücklehnen müssen und seinen neuen Mitspielern beim Auswärtsspiel beim FC Viktoria Berlin zuschauen müssen. Der gemeinsam mit Niklas Jeck gerade erst zum VfB Auerbach gewechselte Spieler hatte noch am Samstag auf grünes Licht aus Frankfurt gewartet: Die Deutsche Fußball-Liga musste seinen Wechsel vom FC Erzgebirge Aue ins Vogtland noch absegnen. Eine Formalie, nur ein Klick, doch wäre es beinahe schiefgegangen.

"Der Trainer hat uns gesagt, wenn bis 75 Minuten vor Spielbeginn keine Genehmigung da ist, kann er ihn nicht bringen", erklärte VfB-Manager Volkhardt Kramer. Doch 15 Minuten vor Ablauf der Frist kam die entscheidende Meldung: Horschig kann spielen. Und der 19-Jährige lief nicht nur von Beginn auf, er wurde sogar zum entscheidenden Spieler. Sein Ausgleichstreffer aus der zweiten Reihe rettete dem VfB einen Punkt. Damit bleibt Auerbach im dritten Spiel in Serie ungeschlagen. Eine Serie, die nach den vier misslungenen Spielen zu Saisonbeginn nicht zu erwarten war.

Irgendwie ist das Bild, das mit Horschigs Treffer zum 1:1 gezeichnet wird, ein passendes: Auerbach hat sich nach dem schweren Start gefangen. Das Team ist zu einer Einheit gewachsen. Eine Gemeinschaft, die auch Rückschläge wegsteckt. So wie die Verletztenmisere: Am Dienstag traf es vor allem das defensive Mittelfeld. Maximilian Schmidt und Daniel Tarczal verletzten sich und fallen vorerst aus. Trainer Sven Köhler stand ohne Alternativen da. Bis der FC Erzgebirge Aue am Freitag signalisierte: Wir hätten da zwei Spieler. "Aue hat den Kader durchgeschaut und nach Einsatzchancen in der 2. Bundesliga bewertet", erklärt Köhler. Und Paul Horschig und Niklas Jeck (noch 17Jahre) hatten eher schlechtere Aussichten. Vorerst. Sie sollen nun Spielpraxis in Auerbach während ihrer einjährigen Leihe sammeln.

"Ich will so viele Spiele wie möglich machen, der Mannschaft helfen und so viele Tore wie möglich schießen oder vorbereiten", sagt Horschig. Danach geht es wieder zurück ins Erzgebirge, wo die jungen Spieler den nächsten Schritt machen sollen. Auerbach als Zwischenstation.

Und wenn Paul Horschig ein Empfehlungsschreiben abgeben wollte, dann hat er das am Samstag getan. Schon nach einer Trainingseinheit mit dem Team fühlte es sich an, als ob er schon länger Teil der Mannschaft ist. Eingewöhnungszeit? Die war nicht nötig. "Die Jungs haben mich super aufgenommen", sagt er. "Ich habe viel Unterstützung erhalten." Mit seiner Robustheit, seinem Stellungsspiel und dem überlegten Blick im Spielaufbau ragte er aus einer geschlossenen Mannschaftsleistung heraus.

Aber nicht nur er war stark, das gesamte Auerbacher Team lieferte im ersten Abschnitt eine engagierte Leistung. Nur das i-Tüpfelchen fehlte. Das hätte Amer Kadric liefern können, wenn er vom Elfmeterpunkt getroffen hätte. Sein Fehlschuss beeindruckte ihn auch in der Folgezeit. Kadric wirkte verunsichert und machte damit Raum für den auffälligen Auftritt für Horschig. Immerhin: Den Zweikampf vor Horschigs späteren Ausgleichstreffer lieferte Kadric. Sozusagen als Wiedergutmachung für die vergebene Chance, an diesem heißen Sommertag in Führung zu gehen.

Es wäre ein außerordentlicher Vorteil gewesen, denn von Viktoria war bis zur Pause überraschend wenig zu sehen. "Dass wir das hohe Tempo nicht über 90 Minuten durchhalten würden, war absehbar", sagte Köhler. Nach der Pause führten Wechsel zum Knick: Während bei Berlin mit Brand mehr Schwung ins Offensivspiel kam, ging bei Auerbach mit Baudes Auswechslung - er war nach seiner langen Verletzungspause körperlich platt - die Ordnung verloren. Daraus resultierten eine Berliner Torchancen-Stafette von drei Hochkarätern innerhalb von drei Minuten - und die Führung. Auerbach lief in einen Konter und ärgerte sich über den späten Rückstand (68.). "Natürlich haben wir auch danach noch an uns geglaubt", so Horschig. In dieser Aussage spiegelt sich die Auerbacher Mentalität wider. "Ich habe dann einfach mal draufgehalten und gleich gemerkt, dass der Ball ganz gut passt." Fünf Minuten vor Schluss schlug sein leicht abgefälschter Fernschuss im Netz ein - ein Traum-Einstand.

Statistik

Auerbach: Max. Schlosser - Löser, Müller, M.Sieber, Morosow - Kadric (90. Träger), Horschig - Baude (46. T. Sieber), Mar. Schlosser - Stock (79. Sauer), Zimmermann. Tore: 1:0 Schmidt (68.), 1:1 Horschig (85.); SR: Dallmann (Wismar); Zuschauer: 303.

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