Für Bundesliga fehlen die Spieler

Wasserball: SVV Plauen geht in der 2. Liga Ost an den Start - Kapitän Alexander Fritzsch macht Pause

Plauen.

Mit dem freiwilligen Rückzug aus der Wasserball-Bundesliga sorgte der SVV Plauen im April für einen Paukenschlag. Warum der Verein die Entscheidung traf und wie die Mannschaft damit umgeht, darüber unterhielt sich Anika Heber mit Trainer Jörg Neubauer, Kapitän Alexander Fritzsch und Routinier Stephan Roßner.

Freie Presse: Der Rückzug war für viele Außenstehende eine Überraschung. Wie haben Sie als Spieler die Entscheidung aufgenommen?

Alexander Fritzsch: Das kam auch für uns ein Stück weit unerwartet. Na klar kannten wir die Situation, dass einige Spieler gehen und es schwer wird, neue Leute zu holen. Aber das war schon manchmal so und ging immer irgendwie weiter. Stephan Roßner: Im ersten Moment war es ein Schock. Gerade weil meiner Meinung nach letzte Saison die Struktur im Team so gut wie nie war. Deswegen war es besonders hart. Mit ein wenig Abstand wird es aber immer nachvollziehbarer.

Herr Neubauer, der Entschluss fiel sicher nicht leichtfertig. Warum haben ihn die Verantwortlichen so getroffen?

Jörg Neubauer: Ausschlaggebend war, dass uns gerade auf den Schlüsselpositionen die Leute gefehlt haben. Der Abgang von Torhüter Gianmarco Serio und Center Ákos Párkányi stand fest. Auf letzterer Position fehlte mit Stephan Roßner und Christian Schubert, die beide beruflich stark eingebunden sind, zudem die notwendige Konstanz. Um unserem Anspruch gerecht zu werden, sprich gut mitzuspielen, hätten wir also wieder drei bis vier neue Leute holen müssen.

Mit Maximilian Kaminke und Laurence Bolman hatte man ja bereits eigene Nachwuchsspieler in die erste Mannschaft inte griert. Wäre das nicht mit weiteren Spielen möglich gewesen?

Neubauer: Ein Stück weit ja. Aber dann wären wir sicherlich nicht so konkurrenzfähig gewesen, weil die jungen Leute einfach Zeit brauchen in ihrer Entwicklung. Und ich hätte es nicht durchgestanden, so eine Saison gegen den Abstieg zu spielen, in der du nur verlierst. Schon nach dem Aufstieg in die A-Gruppe 2018 haben wir uns zusammengerauft, obwohl die Ausgangssituation nicht gut war. Es zog sich durch die ganze Saison, dass im Training zu häufig nicht alle Spieler da sein konnten und wir zum Teil nicht mal Überzahl üben konnten. Diese endgültige Entscheidung zum Rückzug war auch für uns Verantwortliche schwer. Dass das alles so nicht mehr sein soll, war für uns kaum vorstellbar. Wir wollten aber einfach dem vorbeugen, uns in einer schlechten Saison als Team und Freunde auseinanderzuleben.

Statt gegen Topteams wie Waspo Hannover und Spandau Berlin geht es in der 2. Liga Ost nun gegen Zwickau und Chemnitz ins Becken. Freut man sich trotzdem auf die kommende Saison?

Roßner: Also ich ja. Ich denke, dass es ein schönes Jahr wird. Ich bin, glaube ich, der Einzige aus der verbleibenden ersten Mannschaft, der sagen kann, dass es mir ganz recht kommt. Auch wenn ich nicht glücklich bin mit der Entscheidung. Rein sportlich geht es wieder mehr Richtung Hobby. Fritzsch: Der sportliche Anspruch in der 2. Liga und der zeitliche Aufwand stehen für mich in keinem Verhältnis. Deswegen lege ich eine Pause ein. Ich werde sicherlich immer mal zum Training gehen, aber ich freue mich vor allem auf die freien Wochenenden. Das Leben neben dem Sport ist in den vergangenen Jahren einfach zu kurz gekommen.

Wie sieht es bei Ihnen aus, Herr Neubauer, machen Sie als Trainer weiter?

Neubauer: Bei den Männern vorerst nicht, das übernimmt jetzt Tamas Korpacsi als Spielertrainer. Ich habe einfach gemerkt, dass bei mir in den letzten ein, zwei Jahren ein Stück weit die Frische und die Kraft gefehlt haben. Aber da die Teams in der U 14 und U 16 kurzfristig ohne Trainer dastanden, habe ich mich entschlossen im Nachwuchsbereich zu helfen.

Mit Platz 5 in der A-Gruppe und der Qualifikation für den Europapokal haben sie in der letzten Saison den größten Erfolg der Vereinsgeschichte erreicht. Hätte man sich das alles vor ein paar Jahren vorstellen können?

Roßner: In dem Ausmaß sicher nicht. Als ich 2008 wieder nach Plauen kam, waren wir einfach eine lustige Truppe. Dass wir irgendwann Bundesliga spielen, daran habe ich nicht so richtig geglaubt. Fritzsch: Na ja, aber du, ich und auch Rico Horlbeck hatten ja alle schon Bundesliga gespielt. Und wir haben schon dran gedacht, sonst wären wir ja nicht regelmäßig zu den Aufstiegsturnieren gefahren. Neubauer: Und wir haben uns natürlich jedes Mal geärgert, wenn es nicht geklappt hat mit dem Aufstieg. Als wir das 2013 geschafft hatten, wusste ich ehrlich gesagt nicht, ob ich lachen oder heulen soll. Uns war ja allen nicht wirklich klar, was auf uns zukommt. Roßner: Ja, das war schon krass damals. Eigentlich hatten wir uns schon gegen den Aufstieg entschieden und dann hatte plötzlich jeder ein Handy in der Hand und hat versucht, Spieler fürs Team zu finden.

Anfangs lief es damals gar nicht gut in der Bundesliga, die ersten fünf Spiele wurden alle verloren.

Roßner: Ich empfand das gar nicht als so schlimm. Ich dachte im Vorfeld ehrlich gesagt, dass wir uns mehr abschlachten lassen würden. Ich war auch überrascht, was Jörg in so kurzer Zeit aufbauen kann. Er hat klar gesagt, dass wir jetzt fünfmal die Woche trainieren, und da hat keiner widersprochen. Was uns da vom Verein möglich gemacht wurde, war schon Wahnsinn. Neubauer: Mein Anspruch war natürlich, dass wir sportlich mithalten. Und die Jungs haben mitgezogen. Da haben sich die anderen Verantwortlichen im Verein einfach in die Pflicht genommen gefühlt, und wir haben es mit aller Konsequenz durchgezogen. Auch dank der Unterstützung der Sponsoren hat sich das mit der Zeit hochgeschaukelt. Fritzsch: Es lief irgendwann einfach alles. Mit dem Auswärtsspiel in Weiden, bei dem mehr Plauener Fans dabei waren als Weidener, ging der Hype richtig los. 2015 hat Jörg gesagt, dass die B-Gruppe für uns keine Herausforderung mehr ist.

Für viele Fans ist sicher das Aufstiegsspiel gegen Cannstatt vor 800 Zuschauern im Stadtbad der Höhepunkt der Bundesligazeit. Geht Ihnen das ähnlich?

Roßner: Ich muss ehrlich sagen, für mich war das letzte Spiel gegen Esslingen im Mai noch bemerkenswerter. Einfach rein vom Teamgefühl, das fand ich krass. Jeder hat so sehr für den anderen gefightet. Fritzsch: Cannstatt war einfach verrückt. Neubauer: Für mich verblassen einzelne Spiele, es waren ja alles Erlebnisse über die Jahre. Es gab so viele schöne Momente, wie zum Beispiel das Trainingslager 2018 in Cegled. Da lernt man sich auch privat noch einmal viel besser kennen. Und so schmerzlich die Entscheidung im Frühjahr war, aber wir können immer darauf zurückblicken, dass wir aufgehört haben, als es sportlich am besten lief. Das prägt sich für immer ein, diese tolle Saison.

Bewertung des Artikels: Ø 4.3 Sterne bei 4 Bewertungen
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...