Jedes Hindernis ist eine Herausforderung

Vor gut einem Jahr ist in Plauen der Erste Parkourverein Vogtland ins Leben gerufen worden. Nun kommt er mit fast 50 Mitgliedern an die Grenzen des Machbaren.

Plauen.

Wie oft läuft man durch die Stadt und geht kleine Umwege, um Hindernissen auszuweichen? Eine Sportart hat es sich zum Ziel gemacht, genau diese Hindernisse zu nehmen und möglichst effizient von Punkt A zu Punkt B zu gelangen. Parkour ist die Kunst, Hindernisse mit Leichtigkeit zu nehmen und somit wahnsinnig schnell und auf geradester Strecke zum Ziel zu kommen.

Man kennt das aus Filmen: Bei Verfolgungsjagden wird von Dach zu Dach, durch Treppenhäuser und über Zäune gesprungen. Was Stuntmänner bis ins kleinste Detail beherrschen, ohne sich zu verletzen, bringt in Plauen Sören Strehlow seinen Vereinsmitgliedern bei. Seit 15 Jahren betreibt er diesen bewegungsintensiven Sport. Zuerst allein, dann beim Post SV Plauen. Vor gut einem Jahr gründete er schließlich den Ersten Parkourverein im Vogtland, dessen Vorsitzender er ist.

Die Kunst der schnellen Fortbewegung entdeckte Sören Strehlow 2005, als in einem TV-Bericht darüber gesprochen wurde. Bereits einen Tag später stand er in der Scheune und versuchte, es den Leuten im TV gleich zu machen. Zu Berühmtheit schaffte es in der Parkour-Szene der Franzose David Belle, der die Sportart erfand und sie in Filmen gekonnt einsetzte. Videos kursierten im Internet, wie Sportler oft waghalsige Stunts vollführten und in einem irren Tempo alles hinter sich ließen.

"Ich war immer sportlich sehr aktiv und bewegungsaffin. Ich begann mit Leichtathletik, dazu hatte ich aber nicht den Bezug. Als ich 2005 den Bericht im Fernsehen gesehen habe, fing ich sofort an zu experimentieren", erzählt Strehlow. Damals war er noch alleine, da es keine Vereine gab, die Parkour anboten und Strukturen dafür noch in den Kinderschuhen steckten. Die Sportart hatte den jungen Vogtländer aber sofort in seinen Bann gezogen. "Allein das Freiheitsgefühl, das diese Sportart verkörpert, hat mich angezogen. Ich habe mich immer an Regeln und Wettbewerben gestoßen, wollte mich vielmehr im Sport frei entfalten", erklärt Strehlow. Bei Parkour sei das möglich. Alles, was man braucht, ist eine Strecke mit Hindernissen und die Freude daran, seinen Körper und die eigene Leistungsfähigkeit auf die Probe zu stellen. Niemand gibt einem vor, wie und wann man etwas zu tun hat. Das ist alles dem Sportler selbst überlassen. Regeln gibt es nicht.

Was Sören Strehlow zudem reizt, ist die optische Schönheit des Sports. Im Internet finden sich Unmengen an Videos, die zeigen, wie Menschen spektakulär Hindernisse überwinden. Dabei gibt es aber einen Unterschied, wie der Vorsitzende des Ersten Parkourvereins weiß: "Viele verwechseln Parkour mit Freerunning. Parkour ist die physische Überwindung von Hindernissen. Freerunning ist das Äquivalent dazu, bei dem es reinweg um die Ästhetik geht", so Strehlow. Beim Parkour zählt die Effizienz, während es in der abgewandelten Form auf die schönsten Sprünge und Salti ankommt.

Seine Grundwerte, die er mit dem Sport verbindet, möchte Sören Strehlow an andere weitergeben. "Gut zehn Jahre waren wir beim Post SV Plauen engagiert, der uns sehr bei allem unterstützt hat. Aber wir wollten irgendwann in einem eigenen Verein in die Öffentlichkeit gehen", sagt der Plauener, der mittlerweile gut 50 Mitglieder in seinem Verein zählt. Die Hallenzeiten sind begrenzt. Deswegen findet gestaffeltes Training statt. Montags und mittwochs wird sich zum freien Training getroffen, wo jeder für sich üben und trainieren kann. Freitags ist der Kindersport dran. Ab sechs Jahren wird in zwei Gruppen trainiert, wenn nicht wie jetzt gerade die Hallen wegen der Corona-Pandemie gesperrt sind. Donnerstags hält Sören Strehlow eine Trainingseinheit in Zwickau ab.

"Damit sind wir aber auch an der Belastungsgrenze angelangt. Mehr Hallenzeiten bekommen wir nicht, wir schauen uns deswegen schon nach weiteren Möglichkeiten um", so der Parkourtrainer. Wenn es das Wetter zulässt, wird draußen trainiert. Allerdings meistens nicht in der Innenstadt, wie man vermuten könnte. "Nein, da würden wir mehr von Hindernis zu Hindernis joggen. Das ist aber nicht Sinn der Sache. Es gibt allgemein keinen Ort, wo die Hindernisse zusammenhängend sind. Daher trainieren wir meist einzelne Elemente und weniger zusammenhängende Strecken." Die Gruppen suchen sich Orte aus, wie zum Beispiel die Plauener Schlossterrassen, den Komturhof oder den Albertplatz, wo Sprünge und verschiedene Elemente trainiert werden.

Allein durch die Form der körperlichen Belastung zählt Parkour zu den Extremsportarten. Von Kraft über Koordination bis zu Ausdauer wird einem alles abverlangt, sonst drohen Stürze und Verletzungen. Wer sich gern beim Parkourverein ausprobieren oder beteiligen möchte, kann sich unter Ruf 0175 9872742 oder per Mail an parkourplauen@googlemail.com melden.

00 Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.