Läufer-Paar: Vom Glück, voll trainieren zu können

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Kristina und Sebastian Hendel aus Reichenbach sammeln aktuell wieder fleißig Kilometer für den Traum von Olympia. Nach längeren Zwangspausen wissen das die beiden besonders zu schätzen.

Reichenbach.

Es passiert im Moment eher selten, dass Kristina Hendel (24) und ihr Mann Sebastian (25) gemeinsam die Laufschuhe schnüren. Einer von beiden muss in Zeiten geschlossener Kindereinrichtungen schließlich für den vierjährigen Sohnemann Jonathan da sein. "Das ist mitunter ein fliegender Wechsel. Aber wir haben uns damit ganz gut arrangiert und werden ja auch von meiner Familie unterstützt, um alles gut unter einen Hut zu bekommen", sagt der junge Familienvater.

Um die 160 Laufkilometer spult der zweifache Deutsche Meister von 2018 (5000 und 10.000 m) aktuell in der Woche ab. Dazu kommen eine Reihe von Trainingseinheiten auf dem Rad-Ergometer. Bei seiner aus Kroatien stammenden Frau, die er während des Studiums in den USA kennengelernt hatte, sind die Umfänge ähnlich. Während sich Kristina Hendel, die seit kurzem auch die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, auf die Hallenmeisterschaft im Februar in Dortmund vorbereitet, lässt Sebastian Hendel die ohnehin überschaubare Hallensaison aus.

Denn nach anhaltenden Problemen mit der Achillessehne im Vorjahr ist der Ausdauerläufer erst im Dezember ins Grundlagentraining zurückgekehrt. "2020 war nicht nur wegen der Olympia-Verschiebung ein eher bescheidenes Jahr", erzählt der Reichenbacher. Erst musste er im Frühjahr zweimal krankheitsbedingt pausieren, dann bekam er die Achillessehnenverletzung zunächst einfach nicht richtig in den Griff. Nachdem er zum Jahresbeginn 2020 von seinem Heimatverein LAV Reichenbach zur LG Braunschweig gewechselt war und eben jener Verein im Sommer die Deutsche Meisterschaft ausrichtete, wollte er dort zeigen, was er drauf hat. "Ich habe dann zu früh wieder angefangen, sodass das im Rückblick eigentlich Zeitverschwendung war", erzählt er.

Inzwischen rückt der Student aus dieser schwierigen Phase vor allem das Positive in den Vordergrund. "Es war eigentlich sehr deprimierend. Und es ist auch schwer, über mehrere Wochen die Füße still zu halten", sagt er. Andererseits hat Sebastian Hendel aus dieser Zeit viel gelernt. Er nutzte die Zeit, um muskuläre Dysbalancen auszugleichen. Und er tauschte sich mit seinem Vater und Trainer Udo Hendel über Details der Trainingssteuerung aus. "Es geht im Ausdauer-Leistungssport ja immer um das richtige Maß zwischen Be- und Entlastung, also sich so weit zu belasten, dass es gerade noch so zur Leistungssteigerung führt."

Aktuell scheint das gut zu gelingen, denn Trainer und Athlet sind mit der Verfassung des 25-Jährigen sehr zufrieden. "Wenn ich die Form so in die Wettkampfphase mitnehmen kann, bin ich mir sicher, dass ich 2021 einige neue Bestzeiten aufstellen kann", sagt Sebastian Hendel. Er weiß, dass die auch nötig sind, um sich Hoffnungen auf einen Olympiastart in Tokio machen zu können. Unter Druck setzt er sich aber nicht: "Ich bin einfach glücklich, dass ich voll trainieren kann."

Kristina Hendel kann diesen Satz wortwörtlich genau so unterschreiben. Denn die 3000-Meter-Hindernisspezialistin hatte aufgrund einer Herzmuskelentzündung eine längere Pause einlegen müssen. Dafür ließ das Comeback der mehrfachen kroatischen Meisterin im vergangenen Herbst umso mehr aufhorchen. In persönlicher Bestzeit (1:13:29 h) gewann sie den international gut besetzten Halbmarathon im tschechischen Usti nad Labem.

Die optimistische Grundstimmung hilft dem Paar jetzt auch, die coronabedingten Unwägbarkeiten weitestgehend auszublenden. "Es ist im Moment schwer planbar, wann und wo man im Frühjahr die Quali-Zeiten laufen kann. Und wenn man ehrlich ist, steht ja auch ein Fragezeichen dahinter, ob Tokio überhaupt stattfinden kann", sagt Sebastian Hendel. Umso mehr freut ihn, dass fast alle Sponsoren weiter hinter dem Paar stehen: "Bis Tokio ist unser Lebensunterhalt abgesichert. Wie es sich danach weiterentwickelt, ist mit einem Fragezeichen versehen."

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