Sebastian Hendel sucht nach einem neuen Verein

Der deutsche Vizemeister über 10.000 Meter aus Reichenbach richtet derzeit alles auf die Olympischen Spiele 2020 in Tokio aus. Erster Ansprechpartner für ihn sind sächsische Leichtathletikvereine.

Reichenbach.

Der LAV Reichenbach wird in Kürze sein sportliches Aushängeschild verlieren. Ausnahmeläufer Sebastian Hendel, in diesem Jahr Zweiter der Deutschen Meisterschaften über 10.000 Meter, strebt einen Vereinswechsel an, den er möglichst noch in diesem Herbst über die Bühne bringen möchte. Der 23-Jährige hat seine Fühler in verschiedene Richtungen ausgestreckt, spruchreif ist aber noch nichts.

Unzufriedenheit mit seinem vogtländischen Heimatverein, in dem er zum Spitzenathleten reifte, ist es nicht, sich mit Wechselgedanken zu beschäftigen. "Ganz im Gegenteil. Der LAV und auch meine Sponsoren in der Region haben mich jederzeit unterstützt, wo es nur ging. Aber in dem Bereich, in dem ich jetzt Sport treibe, stoßen wir hier an unsere Grenzen, nicht zuletzt finanziell, aber auch vom Zeitaufwand her, der inzwischen erforderlich ist", stellt Sebastian Hendel klar, der sich derzeit in den USA im Trainingslager befindet. Der Reichenbacher plant auch nicht, das Vogtland zu verlassen. "Das auf keinen Fall. Ich bleibe dort wohnen und möchte weiter bei meinem Vater trainieren. Es gibt keine Veranlassung, daran etwas zu ändern."

Hendels Management habe mehrere Vereine angesprochen, vor allem sächsische, unter anderen den Dresdner SC. Dessen Verantwortliche reagierten allerdings bislang verhalten. "Wir wollen erst einmal unsere eigenen Athleten weiter an uns binden. Das wird finanziell herausfordernd genug", zitiert die "Sächsische Zeitung" den dazu befragten Abteilungsleiter Michael Gröscho. In Leipzig und Chemnitz stehen seine Chancen wohl noch ein wenig schlechter, lautet Sebastian Hendels Einschätzung.

"Ich würde natürlich gerne bei einem sächsischen Verein bleiben. Aber wenn das nichts wird, dann muss ich mich anderweitig umsehen. Auch wenn mir das gar nicht gefällt", sagt Hendel, der an der Westsächsischen Hochschule in Zwickau ein Wirtschaftsingenieurstudium absolviert. In seinen finanziellen Vorstellungen bleibt der 23-Jährige bescheiden, versichert er der "Freien Presse": "Es geht hier nicht um Tausende von Euro, wie man das vom Fußball kennt. Aber eine vernünftige Absicherung, auch für den Fall, dass man zum Beispiel verletzt ausfällt, sollte schon sein."

Möglichst bis Ende November möchte Hendel das Thema Vereinswechsel geklärt haben. Aus einem wichtigen Grund: Für ihn rückt die Vorbereitung auf die Olympischen Spiele 2020 in Tokio in den Mittelpunkt, auf die er sich dann voll und ganz konzentrieren will. "Soviel Zeit bleibt mit dann nicht, bis Ende Juni müssen die Normzeiten geschafft werden." Noch nicht entschieden hat er, ob er sowohl über 5000 als auch über 10.000 Meter einen Olympiastart anstrebt oder ob er sich auf die 10.000 Meter konzentriert. Auch das sollte bis Ende November klar sein, denn davon hängt das Wintertraining ab. "Wenn ich mich auf die 10.000 Meter konzentriere, würde eine Hallensaison für mich keinen Sinn haben."

Noch aber spult er am südkalifornischen Großen Bärensee auf etwa 2000 Höhenmetern jede Menge Trainingskilometer ab. "Das bringt mir schon viel. Allerdings muss man hier extrem wegen der niedrigen Luftfeuchtigkeit aufpassen. Ohne Nasenspray und ordentlich Creme auf der Haut geht gar nichts." Am Freitag kehrt Sebastian Hendel zurück. Er freut sich darauf, Ehefrau Kristina und Söhnchen Jonathan wieder in die Arme schließen zu können. Doch wartet auch der Alltag eines Leistungssportlers sofort wieder auf ihn. "Ich werde an zwei Straßenläufen teilnehmen, bei denen wir ein bisschen experimentieren wollen. Danach werden wir beraten, wie es weitergeht."

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