"Team Tokio": Drei Vogtländer vom Landessportbund berufen

Die sächsische Sportführung hat zwei Ringer und eine Radsportlerin aus der Region als aussichtsreiche Kandidaten für Olympia 2020 eingestuft. Ein anderer Hoffnungsträger fehlt dagegen auf der Liste.

Plauen.

Zur großen Sportlerehrung hatten Landessportbund und sächsisches Innenministerium am Dienstag nach Dresden eingeladen. 67 Sportlerinnen und Sportler - Kandidaten für einen Start bei den Olympischen Spielen 2020 - sind ins "Team Tokio" berufen worden. Das hat neben der Ehre ganz praktische Hintergründe, ist doch damit über die Fachverbände eine Förderung verbunden. Unter den 67 finden sich drei Vogtländer: die Plauener Radsportlerin Michaela Ebert sowie die Ringer Maximilian Schwabe vom KSV Pausa und Franz Richter von Germania Markneukirchen.

Für den 20-jährigen Franz Richter war es gar nicht so einfach, nach Dresden zu kommen. Der Schwergewichtler ist seit dem 1. November Angehöriger der Bundeswehr und absolviert derzeit die Grundausbildung in Hannover. Gleich in der ersten Woche eine Freistellung zu bekommen, fand man dort nicht so toll, es bedurfte daher einiger Fürsprecher. "Ich wusste nicht, was in Dresden passiert und freue mich natürlich sehr über die Berufung. Das ist schon eine große Ehre", sagte der Zwei-Meter-Hüne. 2018 ist für Richter ein Erfolgsjahr schlechthin: Er wurde Deutscher Meister der Junioren in der 130-Kilogramm-Klasse, kam von der Junioren-EM aus Rom mit Silber zurück und von der Junioren-WM aus dem slowakischen Trnava mit Bronze. Der frischgebackene Sportsoldat, der im griechisch-römischen Stil zu Hause ist, wird nach seiner Grundausbildung wie bisher in Frankfurt an der Oder trainieren.

Als willkommene Abwechslung empfand der Pausaer Vorzeigeringer Maximilian Schwabe die Veranstaltung in Dresden. "Die Berufung kam für mich schon etwas überraschend, mein Trainer hat mich davon informiert", erzählt der 26-Jährige. Der diesjährige EM-Teilnehmer ist auf den Matten des Stützpunktes in Leipzig allerdings nicht anzutreffen. Schwabe hatte sich im Trainingslager bei der Vorbereitung auf die WM eine Schulterverletzung zugezogen, die seine Saison abrupt beendete. "Die Bizepssehne war stark angerissen, eine zweite Sehne ebenfalls. Ich musste operiert werden und konnte erst mal monatelang gar nichts machen. Jetzt heilt es langsam, aber mehr als ein bisschen Physiotherapie ist noch nicht drin", schildert der aus Syrau stammende Ringer seine Leidensgeschichte. Anfang 2019 hofft er, wieder mit leichtem Training beginnen zu können. "Mein Ziel ist die WM nächstes Jahr im Herbst, bis dahin will ich wieder fit sein." Bis zu Tokio 2020 ist es dann nicht mal mehr ein Jahr...

Michaela Ebert hat während des Trainingslagers auf Mallorca von der Berufung für das "Team Tokio" erfahren und sich "mega gefreut". Für die 21-jährige Radsportlerin, die Mitglied des VRT Plauen ist und für den SC DHfK Leipzig startet, war die Auszeichnung das i-Tüpfelchen auf ihr bisher erfolgreichstes Jahr. Neben dem dritten Platz bei der U-23-EM in der Teamverfolgung und drei Silbermedaillen bei der Deutschen Meisterschaft auf der Bahn ließ sie auch bei einigen Straßenrennen aufhorchen. Der Focus liegt für die von Ex-Weltmeisterin Petra Rossner trainierte Sportstudentin allerdings auf den Bahnrad-Wettbewerben. So bereitet sie sich aktuell auf Weltcup-Einsätze Ende November/Anfang Dezember in Berlin und London vor. Die Olympischen Spiele 2020 sind dabei im Hinterkopf: "Tokio ist jetzt mein Ziel und nicht mehr nur ein Traum. Aber die Konkurrenz ist in Deutschland echt stark", sagt sie.

Insgesamt könnten 2020 so viele Vogtländer wie lange nicht an den Sommerspielen teilnehmen. Neben dem nicht fürs "Team Tokio" berufenen Sebastian Hendel vom LAV Reichenbach (siehe Extrabeitrag) gehört der aus Rodewisch stammende Turner Nick Klessing (SV Halle) zu den Hoffnungsträgern für 2020. Zudem hat der in Syrau aufgewachsene Sprinter Lucas Jakubczyk vom SCC Berlin (Olympiastarter 2012/2016) angekündigt, nächstes Jahr nochmal anzugreifen...


Top-Läufer bleibt außen vor

Sebastian Hendel vom LAV Reichenbach (Foto) ist als Deutscher Meister über 5000 und 10.000 m und EM-Teilnehmer von Berlin nicht für das sächsische "Team Tokio" berücksichtigt worden. Der 22-Jährige zeigte sich auf Anfrage enttäuscht und verwundert. Seines Wissens nach hatte ihn der Leichtathletikverband Sachsen für die entsprechende Berufung vorgeschlagen. "Das Ganze hält mich aber nicht davon ab, an den Zielen zu arbeiten, an die ich glaube", sagt Hendel. Und eins davon ist Tokio 2020.

Der Landessportbund Sachsen informierte auf Nachfrage zum allgemeinen Berufungs-Prozedere: "Das Olympia-Team wird nach Vorschlag aus unserem Fachbereich Leistungssport mit den Olympiastützpunkten und den Landesfachverbänden abgestimmt und anschließend durch den Landesausschuss Leistungssport bestätigt und berufen. Kriterien ... sind grundsätzlich mindestens Perspektivkaderstatus beziehungsweise eine begründete Perspektive auf eine Qualifikationschance."

Bundestrainer André Höhne scheint diese Perspektive bei Sebastian Hendel allerdings zu sehen. Das geht aus seinem kürzlich auf leichtathletik.de veröffentlichten Statement zum Reichenbacher hervor. Das lautete: "Für das nächste Jahr sind 28:15 Minuten eine Marke. Das wäre eine gute Richtung, um dann im Olympiajahr so schlagkräftig zu sein, um dort einen Start anzuvisieren." (tyg)

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